Jawohl, es war an der Zeit, etwas flexibler im Design und in den Möglichkeiten zu werden und so ist dieser Blog nun umgezogen. Neu zu finden auf:
diegeheimegeschichte
Hier schließe ich ab, dort wieder auf :-)
Montag, 18. April 2016
Montag, 28. März 2016
Sarah Lark: Eine Hoffnung am Ende der Welt
Ab und zu darf es bei mir auch mal Herz-Scherz sein und etwas zum Träumen. Tatsächlich war "Eine Hoffnung am Ende der Welt" das erste Buch, welches ich von Sarah Lark gelesen habe. Auf meinem E-Reader schlummern noch ein paar Bücher aus der Neuseeland-Reihe, denen ich vielleicht noch eine Chance gebe.
Hier aber zunächst etwas zum neuesten Werk von Sarah Lark. Die Geschichte beginnt mit Helena und Luzyna - zwei Schwestern - die als Waisen auf der Flucht aus Polen in Persien landen. Auf die Flucht wird im Buch mehrfach Bezug genommen - sowohl über Polen als auch das kalte Sibirien, wo die Familie im Bergbau zwangsarbeiten musste, erfährt der Leser immer mal wieder etwas. Ich fand das gar nicht so uninteressant, da man ja meistens nur die deutsche Sicht des zweiten Weltkrieges kennt, aber nicht unbedingt die Verfolgung in Polen. Wie dem auch sei, beide Schwestern sind in einem Flüchtlingslager und nur eine bekommt die Möglichkeit weiter nach Neuseeland zu reisen. Durch einige Umstände ist es letztlich Helena, die nach Neuseeland reist. Im Flüchltingslager dort hat sie dann sofort einen guten Draht zur Betreuerin Miranda, die ihr letztlich James McKenzie vorstellt. James stammt aus einer sehr wohlhabenden Familie aus Neuseeland und - ich sags mal so - die Dinge nehmen ihren Lauf.
Große Überraschungen darf man in diesem Roman nicht erwarten. Vieles ist vorhersehbar. Es gibt nur wenig Dramatik, dafür aber viel Geschichte über die Maoris. Man kann einige Seiten überblättern und ist trotzdem noch mitten im Geschehen. Ich habe das Buch zu Ende gelesen in der Hoffnung, eine Wendung oder überraschende Handlung käme noch. Es warleider nicht der Fall. Es ist ein leichter, seichter Roman für Zwischendurch, eine Empfehlung leider nur für hoffnungslose Romantiker mit Neuseelandliebe.
Hendrik Berg: Lügengrab
Kommissar Krumme ist urlaubsreif und verreist auf die Hallig Hooge für zwei Wochen. Alle wundern sich, dass er gerade so eine kleine Insel auswählt, er aber wünscht sich nichts als Ruhe. Schon auf der Überfahrt lernt er Swantje kennen, die nach drei Jahren ihre Heimat das erste Mal besuchen möchte. Sie wurde damals kurz vor der Hochzeit von ihrem Bräutigam Marc sitzen gelassen. So ganz kann sie das nach wie vor nicht glauben, weil er ohne ein Wort verschwand und alle ihre Freunde ihn zuletzt sahen, aber nicht so recht mit der Wahrheit rausrücken. Es kommt fast, wie vermutet, Kommissar Krumme hat keinen ruhigen Urlaub, sondern wird immer mehr in die Geschichte von damals hereingezogen und sein Gefühl sagt auch ihm, dass etwas mit dem Verschwinden von Marc nicht stimmt.
Der Kriminalroman ist lange eher eine Geschichte über den Urlaub des Kommissars, eine Beschreibung der Einwohner der Hallig und zu guter Letzt eine ausführliche Beschreibung von der Nordseeinsel und dem Wattenmeer. Erst langsam nimmt die Geschichte Fahrtauf. Unterbrochen wird das ganze immer mal wieder von kleinen anonym beschriebenen Morden, die dem Leser erahnen lassen, dass auf der Insel ein Ungeheuerzu wohnen scheint. Man beginnt mit dem Verdächtigen aller, kann sich aber kaum einen Reim wirklich darauf machen. Zum Showdown wird es dann richtig dramatisch und spannend, die Auflösung hat mir persönlich sehr gut gefallen und war definitiv anders, als erwartet. So sollte ein Kriminalroman sein! Wer zudem noch Lokalkolorit schätzt - in dem Fall Nordsee-Insel - dem ist dieser Roman sehr zu empfehlen.
Alyson Richman:Der italienische Garten
Ein Roman für Zwischendurch und für kleine Romantiker - "Der italienische Garten"von Alyson Richman. Der Roman spielt in Italien im Jahr 1943, welches geprägt ist von Besetzung, Verfolgung und Widerstandskampf. Die junge Frau Elodie hat ein hervorragendes Gedächtnis und ein Talent zum Cello spielen. Beides nutzt sie zum Widerstandskampf, nachdem ihr Vater an den Folgen einer Folter verstirbt. In Folge mehrere Ereignisse muss sie aber fliehen und kommt in das kleine Dörfchen Portofino, wo sie Angelo bei sich aufnimmt. Nicht nur Elodie, sondern auch der Arzt Angelo haben eine geheimnisvolle Geschichte, die beide sich erst nach und nach eröffnen.
Der Roman lässt sich flüssig lesen und hat einen schönen Spannungsbogen, da man bei beiden Geschichten - der Lebensgeschichte von Elodie und der Geschichte von Angelo - den Ausgang wissen möchte. Die Autorin versteht es, zwischen Gegenwart und Rückblenden sowie zwischen den beiden Handlungsträngen hin und her zu wechseln, ohne das man den Faden verliert. Alles fügt sich sehr harmonisch zusammen und den Leser berührt vor allem die vielen verschiedenen Formen der Liebe. Dabei spielt die Geschichte zu Zeiten des 2. Weltkrieges, welcher mit allen Schrecken bildhaft und gut recherchiert beschrieben wird. Trotzdem sehe ich in dem Buch mehr einen Liebesroman als einen historischen Roman. Die Geschichte ist harmonisch und - ich spoilere jetzt ein wenig- es gibt ein Happy End. Mit gerade diesem habe ich mich etwas schwer getan, da die Ereignisse in relativ kurzer Zeit erfolgen. Mit einer etwas größeren Zeitspanne, wäre es für mich nachvollziehbarer. Aber nichts desto trotz, ist es ein schöner Roman zum Mitfiebern und zum "Nicht-aus-der-Hand-legen".
Dienstag, 8. März 2016
Jessie Burton: Die Magie der kleinen Dinge
Kennt ihr das, wenn man möchte, dass ein Buch nicht endet, man es aber trotzdem rasend schnell liest? Genau das ist mir mit Jessie Burtons Roman "Die Magie der kleinen Dinge" geschehen. Die Geschichte spielt 1686 in Amsterdam. Die junge Frau Pertonella wird mit dem älteren Handelsmann Johannes Brandt verheiratet. Sie entkommt damit der Armut ihrer Familie und hofft auf ein schönes Leben mit Ehemann und Kindern. Als sie zu ihrem neuen Zuhause kommt, wird sie sehr kalt begrüßt von der Schwester ihres Mannes. Sie gibt ihr das Gefühl, unerwünscht zu sein. Im Haus leben noch das Hausmädchen Cornelia und der Diener Otto. Ihr Ehemann glänzt mit Abwesenheit und wenn er daheim ist, lässt er Nella links liegen. Sie versteht die Welt nicht und bekommt, um bei Laune gehalten zu werden, ein Puppenhaus von ihm geschenkt. Dieses ist zunächst leer, aber schon bald erhält sie mysteriöse Sendungen mit Möbeln und Puppen von einer Miniaturistin zugesandt, die scheinbar die Zukunft voraussagen und auf ein Familiengeheimnis hindeuten.
Nella war mir von Anfang an sympatisch und ich habe mit ihr gelitten, als ihr die Kälte im Hause Brandt entgegenschlug und als das Geheimnis Johannes entlüftet wird, stockte auch mir der Atem. Die Geschichte entführt einen in das Amsterdam der Gilden und erzählt eine Geschichte voll Doppelmoral und der Macht des Geldes. Lange Zeit kann sich die Familie Brandt das Schweigen erkaufen und die Feinde in Schach halten. Bis eines Tages die Stimmung kippt und die Familie samt Nella mit in den Abgrund zu ziehen droht. Der Roman ist flüssig und spannend erzählt. Es gibt überraschende Wendungen und Enthüllungen, die Geschichte fesselt einen.
Für mich ein absolut großartiger Roman, der einen berührt und den man kaum aus den Händen legen kann. Eine sehr schöne Geschichte mit viel Gefühl, aber nur wenig Kitsch.
Andreas Pflüger: Endgültig
Im Mittelpunkt von Andreas Pflügers Roman "Endgültig" steht die Ermittlerin Jenny Aaaron. Sie wurde bei einem Undercover-Einsatz in Barcelona so verletzt, dass sie ihr Augenlicht verloren hat. Zudem erinnert sie sich auch nur noch bruchstückenhaft daran, was geschehen ist. Fünf Jahre später wird sie von ihrer ehemaligen Einheit - einer international agierenden Eliteinheit der Polizei, ähnlich dem SEK - angefordert, bei einem aktuellen Fall zu helfen. Schnell stellt sich heraus, hier geht es um Jenny Aaron persönlich. Für sie beginnt eine Reise in die Vergangenheit - Stück für Stück kommt heraus, was damals in Barcelona geschah und wer hinter all den Taten steckt.
Mehr wird von mir nicht verraten - das wäre auch kaum möglich, da es sehr viele Nebendetails, Geschichten aus der Kindheit, der Familie und Freunde gibt. Die ganze Polizeitruppe von damals und heute wird unterschiedlich intensiv dargestellt. Die eingeschworene Gemeinschaft, bei der jeder für den anderen bis zum Tod einsteht, steht komplett hinter Jenny. Alle wollen ihr helfen und sie retten.
Interessant am Roman ist die Darstellung der Jenny Aaaron als blinde Ermittlerin. Hier zeigt sich, dass der Autor sehr intentsiv recherchiert hat. Es wird glaubhaft und wirklich interessant erklärt, wie Jenny sich trotz Blindheit orientieren kann. Das sie dabei sogar mehr hört & sieht (spürt) als sehende Kollegen und damit sehr nützlich bei der Aufklärung ist, wirkt zwar zunächst übertrieben, aber durchaus vorstellbar.
Die ganze Geschichte selbst war für meinen Geschmack etwas zu lang. Es gab mehrfach Momente, wo ich dachte, dass es jetzt gleich zum Finale kommt und dann ging es doch noch in eine nächste Runde. Ich habe mich daher etwas schwer mit dem Durchhalten getan, aber die Frage nach dem Motiv all der Taten und letztlich der Frage, was damals in Barcelona geschah, hat mich ausreichend gefesselt bis zum Ende. Der Roman ist definitiv nichts fürs nebenbei Lesen, da doch sehr viele Dinge geschehen und man bei vielen weiß man auch nicht, ob diese nochmal wichtig werden und sollte sie daher im Hinterkopf behalten. Es gibt sehr, sehr viele Tote - vor allem viele (fast) unnötige Opfer. Der Täter mordet quasi sich den Weg frei und dies ist schon recht brutal. Um die Härte des Täters und der Polizeitruppe zu unterstreichen, wird intensiv über Waffen und Schußtechnik philosophiert. Hier kann man erstaunliche Details lernen.
Alles im allem ein spannender Thriller mit Einblick in das Leben von Blinden und des Zusammenhalts in einer Spezialeinheit der Polizei. Der Schreibstil ist nichts für nebenbei, man muß konzentriert bleiben um die Geschichte zu verfolgen und die vielen Verstrickungen zu verstehen.
Für anspruchsvolle Leser auf der Suche nach einem spannenden Psychoduell auf jeden Fall eine Empfehlung (zur reinen Entspannung eher nicht zu empfehlen.)
Für alle Neugierigen - geht es hier zum Buch
Dienstag, 1. März 2016
Eve Chase: Black Rabbit Hall
Eve Chase Erstlingswerk ist ein seichter Schmöcker für verregnete Sonntage und vor allem für Liebhaber von alten englischen Herrenhäusern und deren Geheimnisse.
Die Geschichte spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen, welche sich abwechseln. Die Familiengeschichte der Altons spielt im Wesentlichen 1968/69 während die Geschichte von Lorna und ihrem Verlobten Jon in der Gegenwart spielt. Die Altons leben eigentlich in London und kommen nur während der Ferien nach Pencraw -genannt Black Rabbit Hall. Dort verleben sie eine unbeschwerte und teilweise auch unkonventionelle Zeit. Eines Tages jedoch geschieht ein Unglück und vor allem Amber, die älteste Tochter, ist ab da diejenige, die die Familie und deren Zusammenhalt erhält.
Parallel erfährt der Leser von Lorna, die auf der Suche nach einer Hochzeitslocation ist. In ihrer Erinnerung sieht sie sich mit ihrer Mutter vor den Toren von Black Rabbit Hall stehen. Sie fragt sich, was dran ist an ihrer Erinnerung und warum wird sie so magisch vom Haus angezogen. Schritt für Schritt eröffnet sich nicht nur ihre Geschichte sondern auch die der Familie Alton.
Die beiden Geschichten laufen lange parallel und das Verbindungsstück wird eigentlich in nur einem einzigen Gespräch über wenige Seiten aufgelöst. Insofern ist die Aufdeckung des Geheimnisses fast nebensächlich. In diesem Buch dominiert ganz klar die ältere Geschichte und diese nimmt den Leser mehr in den Bann. Die Gegenwartsgeschichte kam mir nur wie schmückendes Beiwerk vor und Lorna blieb mir leider auch sehr viel fremder als alle Mitglieder der Alton Familie.
Eve Chase macht die Landschafts Cornwalls fühlbar durch die Darstellung vom Wetter - es regnet verdammt oft - und der Beschreibungen vom Strand, Uferklippen und dichten Wald am Haus. Das Herrenhaus selbst wird ausführlich erklärt und man könnte quasi durch die Räume mitlaufen. Viele Details sind der Autorin dabei wichtig zu erwähnen, manche lassen die Geschehnisse lebhafter wirken (und grausamer), andere sind eher Füllstoff. Ein wenig kam der Eindruck daher, dass erst fest stand ein Buch über ein Herrenhaus zu schreiben und die Familiengeschichte um dieses herum aufgebaut wurde. Es fehlen die ganz großen neuen Ideen und das gewisse Etwas, was ein Buch zum "Nicht aus die Hand legbar" macht.
Man darf keine allzu großen überraschenden Wendungen erwarten und kein großen Spannungsbogen. Es ist eine solide erzählte Familiengeschichte mit überschaubaren, manches mal klischeehaften Charakteren, die leicht und flüssig zu lesen ist. Eine nette Unterhaltung für verregnete Tage und für Fans von Cornwall & Geschichten über englische Herrschafthäuser auf jeden Fall zu empfehlen.
Erwähnen möchte ich aber zu guter Schluß noch die tolle Haptik. Die Buchhülle ist leicht transparent und mit einem tollen Titeldesign bedruckt, das Buch selbst ohne Umschlag hat das mögliche Herrenhaus samt Garten als Motiv. Für alle, die sich die Zeit mit einer leichten, englischen Familiensaga versüßen möchten, geht es Hier zum Buch
Mittwoch, 24. Februar 2016
Arno Strobel: Die Flut
Während des Lesens mache ich mir manchmal Notizen über das Buch und nehme diese dann gern her zum Schreiben einer Rezension. Bei Arno Strobels "Die Flut" stand auf dem Zettel mehrfach ein und dasselbe Wort: spannend. Das ist dieses Buch auf jeden Fall und ich habe es kaum aus der Hand legen können.
Auf der Insel Amrum machen Julia und Michael gemeinsam Urlaub mit Michaels Arbeitskollegen Andreas und dessen Frau Martina. Andreas hat ein geerbtes Haus auf Amrum und möchte die Ferien nicht alleine mit seiner Frau verbringen. Warum das so ist, wird schnell klar und auch konsequent durch den ganzen Roman fortgeführt: Martina ist eine sarkastische, vom Leben mit Andreas genervte Ehefrau, die permanent meckert. Selbst als Leser ist man irgendwann von der Meckerei bedient und kann v.a. Julia verstehen, die ihr immer mehr aus dem Weg geht.
Mitten im Urlaub geschehen auf einmal Morde an Pärchen auf bestialische Art und Weise. Die Frau wird am Strand bei Ebbe eingegraben, der Mann daneben gefesselt. Bei Flut ertrinkt die Frau langsam und der Mann muss hilflos dabei zusehen. Die Morde steigern sich - eine logische Konsequenz.
Die ermittelden Polizisten bieten alle Klischees auf, die zu finden waren: böser Bulle, guter Bulle, dorftrotteliger Polizist und der Hilfssheriff. Trotzdem macht es Spaß, den Ermittlern über die Schulter zu schauen und mitzurätseln.
Die Spannungen und Ängste auf der Insel und zwischen den beiden Paaren werden glaubhaft beschrieben. Der Stress, den ein freilaufender Mörder erzeugt, ist quasi spürbar. Die vielen möglichen Verdächtigen machen es dem Leser schwer, auf die richtige Lösung zukommen. Ich habe immer wieder zwischen den Verdächtigen gewechselt, alle scheinen möglich zu sein.
Kleine Schwachpunkte gibt es allerdings ebenso. Die Darstellung der Julia hat mich zusehends genervt. Zum einen ist sie so toll/schön, dass alle sie begehren und anstarren. Das erscheint mir doch etwas übertrieben. Und zum anderen erfolgt als Reaktion auf Konflikte immer wieder dasselbe - sie rennt schreiend auf die Dünen heraus. Dies ist einfach anstrengend und teilweise so unnötig.
Wer einen Roman mit Lokalkolorit erwartet, ist hier leider nicht gut bedient. Die Insel ist als Schauplatz austauschbar und könnte jede Insel an der Nordsee sein. Typische Dinge wie lokaler Dialekt oder Traditionen sind Fehlanzeige, lokale Spezialitäten kommen am Rande vor, haben aber keinen direkten Einfluss auf die Handlung.
Das Ende des Thrillers kommt recht plötzlich und kurz, aber unerwartet und gibt daher einen schönen Abschluss. Für mich ist das Buch absolut zurecht auf den Bestsellerlisten und auf jeden Fall eine Empfehlung wert!
Andrea Sawatzki: Der Blick fremder Augen
Kein Kriminalroman im klassischen Sinne, eher ein Roman über die Psyche eines Mörders gespickt mit Ermittlungen einer Komissarin ist das neue Buch von Andrea Sawatzki "Der Blick fremder Augen". Die Komissarin Melanie Fallersleben wird mit mehreren Tötungen konfrontiert und schnell wird klar, dass es sich hierbei um einen Rachefeldzug handelt. Für den Leser wird der Täter schon früh offenbart und die Jagd - besser gesagt der Wunsch diesen Aufzuhalten - steht im Mittelpunkt.
Beschrieben wird die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven. Hierbei werden einzelne Charaktere und Erlebnisse wiedergegeben, was aber fast nur stichpunktartig erfolgt. Ein großes, gesamtes Bild lässt sich nur von der Hauptfigur, dem Täter bilden. Und hier ist auch das erschreckenste Bild - jahrelanger Missbrauch als Kind in verschiedenen Formen prägen das Leben des Täters. Andrea Sawatzki versteht es trotz ihrer nüchternen, kurzen Sätze das Grauen für den Leser erlebbar zu machen. Man leidet mit und man rächt mit.
Die Komissarin ist persönlich involviert und wird vom Täter mit einbezogen. Ich bin immer kein großer Fan von solchen Zufällen, aber es wird hier logisch und zurückhaltend angelegt, so dass es erträglich ist.
Spannend ist das Buch trotz der frühen Klarheit des Täters, da man wissen möchte, wie der Stop erfolgen wird und wer noch alles Opfer werden wird. Das naheliegenste Opfer trifft es dabei erst recht spät - man ist fast versucht zu sagen: Typisch, den Verursacher trifft es nicht (oder wie hier spät).
Ich habe das Buch recht schnell gelesen, da die Kapitel sehr kurz gehalten sind, die Perspektiven schnell wechseln und der Schreibstil sehr prägnant ist. Ich kann diesen Roman empfehlen, wenn man gern etwas über die psychischen Hintergründe von Morden erfährt und weniger über das Fangen des Täters.
Freitag, 12. Februar 2016
Mark Haddon: Der wunde Punkt
Schon 2007 erschien "Der wunde Punkt" von Mark Haddon und war lange auf meiner Leseliste. Im Roman über die Familie Hall erscheint im ersten Moment nur der normale Irrsinn zu herrschen: Mutter geht fremd mit ehemaligen Arbeitskollegen ihres Mannes, Tochter will das zweite Mal heiraten, der Sohn ist schwul, womit sich die spießigen Eltern noch nicht so recht anfreunden können und der Vater wird langsam verrückt.
Der Vater Georg Hall steht im Mittelpunkt des Romans. Er entdeckt eines Tages einen kleinen schwarzen Fleck auf seiner Haut an der Hüfte und denkte sofort, dass er Krebs hat und Sterben muss. Das Naheliegenste - zum Hautarzt gehen und abklären lassen - kommt für ihn nicht in Frage. Er steigert sich lieber in seine Furcht herein, verheimlicht es vor seiner Familie undwird von Tag zu Tag depressiver und wunderlicher. Dieses Wunderliche und die Geschehnisse rundherum die zweite Hochzeit der Tochter sind witzig beschrieben und machen den Roman kurzweilig. Über die Taten und das Verhalten des Vaters kann man teilweise sich aber nur wundern und den Kopf schütteln. Diese waren mir zu überspitzt und die Depression zu sehr ins lächerliche gezogen.
Der Roman hat alles, was einen Familienroman lesenswert macht. Er ist leicht und unterhaltsam geschrieben. An vielen Stellen kann man herzlich lachen und sich das Geschehen gut vorstellen. Das Ende lässt einen zufrieden zurück und ist schlüssig. Ein Roman über Liebe, Betrug, Krankheit, Frust, falsche Erwartungen und Scham mit viel Tragikkomik, lebendigen Personen und irgendwie skurril. Ein Lesegenuss mit nur kleinen Abstrichen aufgrund des etwas überdrehten Verhaltens des Vaters.
Erik Valeur: Das siebte Kind
Den Roman "Das siebte Kind" von Erik Valeur bekam ich ausgeliehen mit den Worten: "Ich habe es nur so 200 Seiten lang geschafft, das ist so langweilig." Dem kann man zunächst erstmal zustimmen. Das Buch umfasst ganze 800 Seiten und wenn man es geschafft hat, kann man rückblickend durchaus sagen, dass die ersten 250 -300 Seiten nichts für das Buch tun.
Die Kurzbeschreibung des Romans auf dem Klappentext klingt sehr spannend: "September 2001: Am Strand von Skodsborg in der Nähe des renommierten
Kinderheims Kongslund wird die Leiche einer unbekannte Frau gefunden.
Neben ihr ein Stück Treibholz, ein toter Kanarienvogel und ein
merkwürdig geknotetes Seil. Die Tote kann nicht identifiziert werden,
der Fall gerät in Vergessenheit – bis sich Jahre später das Bestehen des
Kinderheims zum sechzigsten Mal jährt und ein schreckliches Geheimnis
mit aller Gewalt ans Licht drängt. Ein Geheimnis, das mit dem Schicksal
sieben ehemaliger Waisenkinder verknüpft ist und das Dänemark bis in die
höchsten politischen Ebenen erschüttern wird …"
Leider beginnt das Buch aber erst einmal mit sehr ausführlicher Beschreibung der Beteiligten aus Politik und Presse. Hierbei wird vor allem die Verflechtung und gegenseitige Beeinflussung beider Seiten betont. Das Thema Ausländer und Abschiebungspraxis wird anhand zweier Gegner - Minister für Ausländerfragen und Anwalt für die Ausländer sowie das Thema Terroranschläge anhand vom 11. September 2001 ebenso eingeflochten. So gesehen eine durchaus aktuelle Themenwahl. Der Leser fragt sich aber stetig, was das denn nun genau mit den Waisenkindern und dem Waisenhaus auf sich hat und wieso so viele verschiedene Randthemen notwendig sind.
Für mich kam erst ab Mitte des Buches Spannung auf und ab da liest es sich der Roman flüssig. Dem Leser wird schnell klar, dass die Lösung nicht so einfach ist, wie sie zunächst dargstellt wird. Die Geheimnisse aus dem Waisenhaus und damit verbunden auch die Geheimnisse der Politiker, Presse und Polizei werden nach und nach gelüftet. Ganz klar wird die Skrupelosigkeit der Beteiligten dargestellt und die Verflechtung der verschiedenen Seiten wird kritisiert.
Zusätzlich zu den vielen schon vorhandenen Themen wird noch Abtreibungsproblematik und die Theorie, dass sich Gewalttätigkeit bzw. Geisteskrankheiten vererben abgehandelt. So kann man bei einem adoptierten Kind eben nie sicher sein, ob es nicht gewalttätige Eltern hatte und dann eben auch gewalttätig wird. Mir persönlich war das nun doch zu viel, weniger Themen hätten meiner Meinung nach jedenfalls genügt. Die Grundthese, dass adoptierte Kinder verkorkste Leben haben und nicht glücklich sein können, hat mir sehr missfallen.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschrieben und um mitzurätseln muss man aufpassen und genau lesen. Viele Personen werden ausführlich vorgestellt und einzelne Lebensereignisse beschrieben. Hier wieder das Problem für den Leser, dass man nicht immer weiß, ob diese Ereignisse für die eigentliche Geschichte und Auflösung wichtig sind oder nicht. Man muss sich daher viele kleine Sachen merken, um dann festzustellen, dass die gar nicht relevant sind. Der Verdacht, wer dahinter stecken könnte und wer welche Taten zu verantworten hat, kommt dem Leser aber doch früher oder später und die Auflösung ist keine ganz große Überraschung. Lediglich bei einer beteiligten Person war ich erstaunt, da diese vorher nicht viel Raum einnahm und dann doch sehr viel kriminelle Energie besessen hat.
Ich bin bei diesem Buch durchaus zwiegespalten. Eine klare Empfehlung ist es nicht, dafür ist zu langatmig und zu viele Nebenschauplätze. Die "Haupt"-Geschichte aber ist sehr spannend und die Auflösung hat mir gut gefallen. Wer ein geduldiger Leser ist und die ersten 300 Seiten besiegt, wird durchaus mit einem vielseitigen Roman belohnt.
Jean-Paul Didierlaurent: Die Sehnsucht des Vorlesers (e-book)
Ein kleines, aber feines Büchlein - diese Beschreibung trifft am besten auf Jean-Paul Didierlaurents Buch "Die Sehnsucht des Vorlesers" zu.
Beschrieben wird die Geschichte zweier Außenseiter - Guylain, der in einer Papierverwertungsfirma arbeitet und Julie, die als Toilettenfrau in einem Kaufhaus ihr Leben tristet. Guylain liebt eigentlich Bücher und jede Vernichtung tut ihm weh. Er rettet täglich einige Seiten aus den aussortierten Büchern und liest diese während der morgendlichen Zugfahrt auf Arbeit vor. Eines Tages findet er im Zug einen USB Stick. Neugierig liest er das darauf gespeicherte Tagebuch von Julie. Diese beschreibt ihre Erlebnisse als Toilettenfrau wunderbar tragisch-komisch. Als Leser kann man sich ihren Arbeitsalltag bildlich vorstellen. Guylain hat sofort das Gefühl hier eine Seelenverwandte gefunden zu haben und macht sich gemeinsam mit einem ehemaligen Arbeitskollegen auf die Suche nach der Tagebuchschreiberin.
Ich habe das Buch innerhalb von einem Tag gelesen, da es tatsächlich durch die verschiedene Einschübe von anderen Büchern bzw. dem Tagebuch von Julie sehr kurz ist. Viele Seiten füllen nur kurze Ausrisse aus dem Tagebuch oder aus den anderen Büchern. Aber nicht nur die Kürze des Buches macht ein Schnelllesen möglich, sondern auch der Inhalt selbst. Man möchte einfach wissen, ob Guylain Julie findet und ob es ein Happy End geben wird. Man fliegt nur so durch die Seiten und fiebert mit, ob die Beiden, die im Leben scheinbar verloren haben, nun doch einmal gewinnen.
Dieses kleine Büchlein ist wirklich ein großer Schatz. Man kann ein paar Stunden selbst dem Alltag entfliehen und das Lesen genießen. Ich habe mitgeschmachtet und kann das Lesen wärmstens empfehlen.
Donnerstag, 28. Januar 2016
Loredana Limone: Wie die Frauen von Borgo Propizio das Glück erfanden
Loredana Limones Roman "Wie die Frauen von Borgo Propizio das Glück erfanden" ist ein heiterer, vielfältiger aber leider etwas oberflächlicher Roman. Der Leser wird entführt in die kleine italienische Dorfwelt mit jeder Menge Liebe, Lebensflair und Klischees.
Im Dorf Borgo Propizio möchte Belinda nochmal neu starten und eine Milchbar eröffnen. Ihr Leben dreht sich seit jeher fast ausschließlich um Milch. Für den Umbau engagiert sie den Bauarbeiter Ruggero. Dieser findet dabei nicht nur Überraschungen beim Umbau im Haus vor, sondern überfährt beim Feierabend fast Mariolina. Die beiden brauchen nur einen Blick tief in die Augen und es ist um sie geschehen. Was nun folgt, sind eine Aneinanderreihung von Missverständnissen, Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Familien und die Jagd nach einem lang verschollenen Schmuckschatz.
Das Tempo und die Themenvielfalt im Roman ist enorm. Konflikte entstehen und werden aber innerhalb weniger Seiten schon wieder aufgelöst. Tatsächlich meist durch das direkte Gespräch miteinander. Manche Themen werden nur kurz angerissen und gehen kaum in die Tiefe, andere ziehen sich immerhin durchs ganze Buch wie z. Bsp. das Verhältnis zwischen Mariolina und ihrer Schwester. Allen gemeinsam ist aber, dass alles gut wird.
Ein wenig unglaubwürdig ist die ganze Geschichte schon und vielleicht auch ein wenig zu sehr romantisiert, aber letztlich ist es gerade dadurch ein Buch zum Träumen. Während des Lesens riecht man förmlich Italien und man wird in Sommerurlaubsstimmung versetzt. Das alle ihr Glück finden, wird konsequent durchgezogen und ist fast zu schön um wahr zu sein - eben ein moderenes Märchen vom erwachenden italienischen Dorf und der Sehnsucht nach Liebe. Ein Roman, der schön zu lesen ist und eine nette Möglichkeit darstellt, dem trüben Winter in Gedanken zu entfliehen. Erschienen jetzt neu als Taschenbuch beim Piper Verlag.
Donnerstag, 21. Januar 2016
Delphine Bertholon: Am Anfang war der Frost
Der Klappentext hat mich verführt, den Roman "Am Anfang war der Frost" zu lesen:
"1981. Grâce Bataille führt in ihrem malerischen Familienhaus in der
französischen Provinz ein Leben wie aus dem Bilderbuch – mit zwei
wunderbaren Kindern und einem Mann, der zwar wenig Zeit für sie hat, den
sie aber abgöttisch liebt. Doch alles bricht in sich zusammen als ein
neues Au-Pair-Mädchen bei ihnen anfängt … 2010. Nathan kehrt nach Hause
zurück, um wie immer mit Mutter und Schwester Weihnachten zu feiern.
Doch dieses Jahr ist alles anders. Sein Vater, der dreißig Jahre zuvor
wortlos verschwand, taucht wieder auf. Und plötzlich geschehen seltsame
Dinge im einst idyllischen Haus …"
Der Roman ist eine Mischung aus Horrorelementen, Kriminalroman und Familientragödie. Man hat fast den Eindruck, die Autorin konnte sich nicht so ganz entscheiden und hat alle Elemente vermischt. Mittels eines Tagesbuch, geschrieben von Grace, der Mutter in der Familie, wird die Zeit von 1981 beschrieben, als ihr Ehemann eines Tages von seinen Vertriebsreisen nicht zurückkehrt. In der Handlung 2010 ist Weihnachten und die Familie versammelt sich im Haus der Mutter. Der Vater kehrt überraschend zurück und will sich mit den Kindern treffen. Die Rückkehr des Vaters ist wie fast zu erwarten nur der Auslöser für die Geschichte. Das Treffen zwischen dem Vater und den beiden Kindern ist kurz, auf neutralem Boden und der Grund für die Rückkehr bleibt ein wenig im Dunkeln.
Wichtiger jedoch sind die Vorfälle damals und heute. Im Damals ist das junge polnische Au-pair ein Dorn im Auge der Mutter. Sie schreibt sich in ihrem Tagebuch immer mehr in Rage über das junge Mädchen, äußert den Verdacht, dass ihr Mann eine Affaire mit ihr hat und unterstellt beiden alles Böse der Welt. Sie schreibt ihren Frust in sehr derben Worten nieder und bricht dann eines Tages sehr plötzlich ab. Dabei schwört sie, nie wieder zu schreiben und man ahnt schon, dass etwas sehr Einschneidendes passiert sein muß.
In der Gegenwart hingegen geschehen auf einmal im Haus merkwürdige Dinge. Es scheint zu spuken und die Familie wird in Angst versetzt. Schritt für Schritt versuchen die Kinder hinter die Geschehnisse von damals und heute zu kommen. Dies gelingt am Ende, auch wenn der Ausgang der Geschichte erahnt werden kann.
Ich fand die Story durchaus spannend und die Poltergeist-Vorkommnisse tatsächlich beängstigend so banal sie auch waren. Ich konnte die Mutter in ihrem Handeln irgendwie verstehen und war doch anderseits erstaunt, zu was sie fähig war. Die Rolle des Vaters und seiner Rückkehr ist mehr eine Randgeschichte. Ich fand es schade, nicht mehr über den Vater von damals und seine Rolle zu erfahren. Dies wird nur sehr kurz erläutert. Wohingegen die Sicht der Mutter und ihre Gefühle sehr ausführlich behandelt werden. Insgesamt eine schöne Familientragödie mit Krimielementen und einem sehr schönen Spannungsbogen.
Stewart O'Nan: Die Chance
Hat eine Ehe nach 30 Jahren noch eine Chance oder nicht? Stewart O'Nan lässt uns teilhaben an der Ehekrise der zwei Amerikaner Art und Marion. Beide reisen an den Ort ihrer Hochzeitreise - die Niagara Falls. Die Reise erfolgt diesmal im Gegensatz zu vor 30 Jahren unter sehr ungünstigen Voraussetzungen: das Ehepaar ist pleite, versucht seit einem Jahr sein Haus zu verkaufen und will sich trennen. Mit einem Billigangebot und dem letzten Bargeld wollen sie noch einmal ein paar Tage gemeinsam verbringen und im Idealfall im Casino richtig gewinnen.
Die Trennung scheint vor allem von Seiten Marions motiviert, die offenbar über eine Affäre von Art mit Wendy nicht hinwegkommt. Wendy und die Affäre sind am Anfang sehr dominant, so dass man direkt den Auslöser der Krise darin sieht und sich erhofft, die beiden raufen sich zusammen. Umso erstaunter war ich, als herauskam, dass die Affäre schon 20 Jahre her ist. Das aber dies immer noch so dominant zwischen beiden steht, ist erstaunlich. Es scheint, als haben beide nur der Kinder wegen es so lange durchgehalten. Ihren beiden Kindern haben sie demzufolge auch von ihren Plänen zur Trennung noch nichts erzählt.
Art und Marion pflegen trotz der Trennungsabsichten noch einen sehr zärtlichen Umgang miteinander, wobei vor allem Art Marion alles recht machen will und quasi permanent auf der Hut ist, wie sie wohl reagiert. Marion ist für mich auch völlig unverständlich geblieben - freut sie sich einerseits aufs Singleleben und ist genervt von vielen kleinen Dingen die Art tut, springt auf der anderen Seite aber trotzdem mit ihm durchs Bett...Beide scheinen sich letztlich nicht im Klaren zu sein, was sie möchten und das Klischee vom oberflächlichen, nicht reflektierenden Amerikaner hat der Autor hier gut eingefangen.
Im ganzen Buch spielt Alkohol eine sehr große Rolle. Immer wieder werden Drinks bestellt, getrunken, Flaschen geöffnet - das alles offenbar, um die Zunge zu lockern und endlich ins Gespräch zu kommen. Auch über die tolle Aussicht, alle Attraktivitäten vor
Ort wird sehr oft berichtet. Fast schon ein kleiner Reiseberichtam Rande.
Die jedem Kapitel vorangestellte Wahrscheinlichkeit (z. Bsp.
"Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar eine zweite Hochzeitsreise zum selnem
Ort unternimmt: 1:9") gibt immer schon einen Hinweis auf den Inhalt des
Kapitels und fand ich als ein sehr witziges Element.
Für mich wurde die Chance aber vertan, einen fesselnden Roman zu schreiben. Die Geschichte plätschert dahin, hat kaum Höhepunkte oder Spannung. Die beiden Hauptpersonen waren mir zu oberflächlich und das Ende einerseits zu abrupt anderseits zu kitschig. Der Roman ist auf sehr wenige Personen, Orte und Handlungen beschränkt, was eine gute Chance ist, eine sehr tiefgehende Geschichte zu erzählen. Leider bleibt sie aber nichtssagend. Ich habe mich nur mit Mühe zum Ende durchgelesen, da ich letztlich den Ausgang der Ehe bzw. der Chance wissen wollte.
Montag, 18. Januar 2016
Giganten zum Staunen: Eisenbahnen. Spektakuläre Züge auf Ausziehtafeln
Das perfekte Buch für kleine und große Eisenbahnfans ist "Giganten zum Staunen: Eisenbahnen. Spektakuläre Züge auf Ausziehtafeln"aus dem Dorling Kindersley Verlag.
Die Altersempfehlung hat der Verlag auf 7-9 Jahre gesetzt, wir haben das Buch schon zum 5.Geburtstag dem eisenbahnverrücktem Kind geschenkt. Die Verarbeitung des Buches ist sehr hochwertig. Man kann viele Seiten mehrfach ausziehen, so dass ein langer Zug entsteht. Die Themen reichen von den ersten Eisenbahnen, dem ersten Eisenbahnbau, U-Bahnen, Gütertransport, Luxuszügen bis hin zu modernen Schnellzügen. Es gibt viele Bilder - sowohl Fotografien als auch Illustrationen - und zu jedem Bild erläutertende Texte. Man kann sowohl nur die Haupttexte lesen als auch jede Menge kleinerer Detailinformationen. Je nachdem wieviel Zeit man mit Vorlesen oder selber lesen verbringen will.
Die Informationen über die Eisenbahnen sind dabei vielfältig, wenn auch die üblichen, wie man sie aus den vielen Kinderbüchern über Eisenbahnen schon kennt. Einzigartig ist dieses Buch aber durch die Gestaltung mit den Rausziehtafeln und dem Relief auf dem Einband. Die Rausziehtafeln lassen sich ab und zu etwas schwer wieder reinschieben, hier benötigen Kinder auf jeden Fall Hilfe. Wir schauen dieses Buch daher meistens gemeinsam an. Für kleine Eisenbahnfans ist dieses Buch aber ein echter Gewinn v.a. im Vergleich zu den anderen Kindereisenbahnbüchern.
David Melling: Die wilden Strolche
Lange Zeit waren "Die wilden Strolche" von David Melling unser Lieblingsbuch. Sowohl die Geschichte als auch die Bilder haben mich begeistert.
Das Buch hat eine schöne Vorlese-Länge und der Text ist witzig geschrieben. Die Geschichte hat ein paar kleinere Flüche und Schimpfwörter. Wer Kinder kennt, weiß, wie diese das lieben, wenn Eltern Sätze wie "Ihr räudigen Trottel" vorlesen.
Die wilden Strolche sind eine Gruppe von Wölfen, die ihrem Klischee von den störenden, unsauberen und sich nicht benehmenden Tieren alle Ehre machen. Als alle Waldtiere fürein schönes Foto Aufstellung genommen haben, kommen die wilden Strolche wie immer zu spät und das allerschlimmste - sie zerstören das ganze Gruppenbilder. Die anderen Tiere sind daraufhin so sauer, dass sie die Wölfe von all ihren Festen ausschließen. Zunächst ist das den Wölfen egal, aber schon bald merken sie, wie langweilig es doch ohne Freunde ist und sie beschließen, sich besser zu benehmen. Dies muß natürlich geübt werden und so spionieren sie das brave Verhalten der anderen Tiere auf sehr witzige Art und Weise aus. Dieses Ausspionierbild ist für mich das beste Bild im Buch, da man soviel darauf entdecken kann und es einfach sehr witzig ist. Als die Wölfe endlich alles könne, trauen sie sich auch wieder zurück zu den Tieren und werden wieder aufgenommen - nur ganz so glatt geht das nicht, dann es wird Vollmond...
Viele witzige Bilder und Details, eine lustige Geschichte über das gute Benehmen und die versteckte Moral machen dieses Buch zu einem wahren Schatz und einer Kaufempfehlung für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren.
William Joyce: Die fliegenden Bücher des Mister Morris Lessmore
Wer Bücher liebt, wird dieses (Kinder-) Buch lieben. Die Geschichte ist einfach so wunderbar erzählt, so angenehm gereimt und die Illustrationen so liebenswert, das es mir jedes Mal wieder den Atem nimmt.
Inhaltsbeschreibung vom Buchrücken:"Mister Morris Lessmore liest und schreibt für sein Leben gern. Doch
eines Tages wirbelt ein schwerer Sturm seinen geordneten Alltag gehörig
durcheinander und Morris landet in einer seltsamen Schwarz-Weiß-Welt...Dort begegnet ihm ein freundlichesWesen, das ihn zu einem farbenfrohen Haus führt. Ein Haus, in dem nur Bücher leben."
Die Geschichte wird mit nur wenigen Worten erzählt, vielmehr erzählen die Bilder. Insofern ist es eher ein Bilderbuch als ein Vorlesebuch. Erstleser können sich an dem großen Text durchaus versuchen. Zielgruppe scheint mir aber fast mehr der vorlesende Erwachsene zu sein als Kinder. Für kleine Kinder ist diese Geschichte zu abstrakt, für den Bücherliebhaber aber genau das richtige. Die Aufmachung und das Format sind hochwertig, so dass der Preis von fast 15 Euro für die recht wenigen Seiten durchaus gerechtfertigt ist.
Ingo Siegner: Eliot und Isabella und das Geheimnis des Leuchtturms
Neben dem kleinen Drachen Kokosnuss hat Ingo Siegner auch noch eine andere Romanreihe. In der Hauptrolle dieser Romane steht der kleine Rattenjunge Eliot und seine Rattenfreundin Isabella. Diese erleben unterschiedlichste Abenteuer.
In "Eliot und Isabella und das Geheimnis des Leuchtturms" macht sich Eliot in den Ferien mit seinen Eltern auf Reisen. Lust hat er dazu schon mal keine, denn es geht auf die langweilige Insel Ratzekoog. Mit schlechter Laune macht sich Eliot mit seinen Eltern im Zug auf die Reise. Doch schon bald hellt sich seine Stimmung auf - denn auch seine Freundin Isabella ist an Bord.
Wie der Zufall es will, ebenso auf den Weg nach Ratzekoog. Es beginnt eine Zeit der kleinen und großen Abenteuer. Mit einer Freundin machen eben die Ferien viel mehr Spaß und so erkunden die beiden die Insel. Nicht lange und schon treffen sie auf Bocky Bockwurst und seine Bande. Was die nun ausgerechnet auch noch auf der Insel zusuchen haben und was es mit dem Gespenst im Leuchtturm auf sich hat, erzählt Siegner in seiner gewohnt witzigen, fröhlichen Art. Kleine wie große Leser fiebern mit bei der Rettung des Pinguins Rakete und beim Austricksen von Bocky Bockwurst.
Wie der Zufall es will, ebenso auf den Weg nach Ratzekoog. Es beginnt eine Zeit der kleinen und großen Abenteuer. Mit einer Freundin machen eben die Ferien viel mehr Spaß und so erkunden die beiden die Insel. Nicht lange und schon treffen sie auf Bocky Bockwurst und seine Bande. Was die nun ausgerechnet auch noch auf der Insel zusuchen haben und was es mit dem Gespenst im Leuchtturm auf sich hat, erzählt Siegner in seiner gewohnt witzigen, fröhlichen Art. Kleine wie große Leser fiebern mit bei der Rettung des Pinguins Rakete und beim Austricksen von Bocky Bockwurst.
Die Kapitel sind im Schnitt sechs Seiten lang, wobei die Schrift recht groß gedruckt ist und so von Leseanfängern ebenso probiert werden kann. Vor allem ist es aber einVorlesebuch mit witzigen Illustrationen von Ingo Siegner, welches einiges Vergnügen bereitet und man auch gern mehr als ein Kapitel vorliest. Die Geschichte ist spannend, unterhaltsam und vor allem kindgerecht. Das Buch ist der dritte Band der Eliot und Isabella-Reihe, aber man versteht die Erzählung auch ohne die vorangegangenen Bücher zu kennen. Ein für mich weitere Pluspunkt ist tatsächlich, dass die Bücher mal kein Hardcovereinband haben wie fast alle Kinderbücher, sondern Softcover. Dadurch kommen diese Bücher öfters mal mit auf Reisen, sie sind einfach die leichtesten.
Andreas H. Schmachtl: Snöfrid aus dem Wiesental. Die ganz und gar unglaubliche Rettung von Nordland
Ein weiteres Buch von Andreas H. Schmachtl in meinem Kinderbuchschrank ist die Geschichte vom Snöfrid. Wieder sind die Illustrationen ebenso vom Autor und ähnlich denen der Tilda Apfelkern-Reihe. Die Aufmachung des Buches ist wertig, mit Stoffbuchrücken, dickem Papier und Lesebändchen.
Snöfrid ist ein kleines Kerlchen, das in einer Höhle lebt und am liebsten seine Ruhe hat. Diese wird aber auf einmal empfindlich gestört, denn mitten in der Nacht stehen bei ihm drei Feenmännlein, die ihn um Hilfe bitten bei der Rettung der Prinzession Gunilla. Diese wurde entführt und verschleppt. Snöfrid ist es zwar gar nicht recht, aber wenn er nun mal der Ausgewählte zur Rettung ist, dann muss er losziehen. Dies tut er und erlebt natürlich jede Menge Abenteuer. Von realistischen Tieren bis hin zu Fabelwesen ist alles dabei.Und immer auch das kleine Gemecker, dass er ja eigentlich nur seine Ruhe will. Redseelig ist Snöfrid nicht. Am liebsten macht er nur "Hmpf". Der Autor erläutert dann immer, was er wohl gemeint haben könnte.
Das Buch ist mit 235 Seiten schon ein sehr langes Buch für Kinder, wobei die einzelnen Kapitel zwischen 6 und 7 Seiten haben. Jedem Kapitel steht eine kleine Zusammenfassung voran, die beschreibt, was passieren wird. Alle Kapitel bauen aufeinander auf und manche enden so spannend, dass man gleich noch ein Kapitel vorliest. Die Länge der Kapitel ist aber wieder ideal für den Abend und man findet in die Geschichte immer wieder rein. Die Ideen und Erlebnisse von Snöfrid sind lustig, fantasievoll und abenteuerlich. Das Ende durchaus überraschend und lohnt daher das Durchhalten. Neben der Geschichte sind es einmal mehr auch die Illustrationen, die dieses Buch zu einem echten kleinen Schatz unter den Kinderbüchern macht.
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