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Dienstag, 8. März 2016

Andreas Pflüger: Endgültig

Im Mittelpunkt von Andreas Pflügers Roman "Endgültig" steht die Ermittlerin Jenny Aaaron. Sie wurde bei einem Undercover-Einsatz in Barcelona so verletzt, dass sie ihr Augenlicht verloren hat. Zudem erinnert sie sich auch nur noch bruchstückenhaft daran, was geschehen ist. Fünf Jahre später wird sie von ihrer ehemaligen Einheit  - einer international agierenden Eliteinheit der Polizei, ähnlich dem SEK - angefordert, bei einem aktuellen Fall zu helfen. Schnell stellt sich heraus, hier geht es um Jenny Aaron persönlich. Für sie beginnt eine Reise in die Vergangenheit - Stück für Stück kommt heraus, was damals in Barcelona geschah und wer hinter all den Taten steckt.
Mehr wird von mir nicht verraten - das wäre auch kaum möglich, da es sehr viele Nebendetails, Geschichten aus der Kindheit, der Familie und Freunde gibt. Die ganze Polizeitruppe von damals und heute wird unterschiedlich intensiv dargestellt. Die eingeschworene Gemeinschaft, bei der jeder für den anderen bis zum Tod einsteht, steht komplett hinter Jenny. Alle wollen ihr helfen und sie retten.
Interessant am Roman ist die Darstellung der Jenny Aaaron als blinde Ermittlerin. Hier zeigt sich, dass der Autor sehr intentsiv recherchiert hat. Es wird glaubhaft und wirklich interessant erklärt, wie Jenny sich trotz Blindheit orientieren kann. Das sie dabei sogar mehr hört & sieht (spürt) als sehende Kollegen und damit sehr nützlich bei der Aufklärung ist, wirkt zwar zunächst übertrieben, aber durchaus vorstellbar.
Die ganze Geschichte selbst war für meinen Geschmack etwas zu lang. Es gab mehrfach Momente, wo ich dachte, dass es jetzt gleich zum Finale kommt und dann ging es doch noch in eine nächste Runde. Ich habe mich daher etwas schwer mit dem Durchhalten getan, aber die Frage nach dem Motiv all der Taten und letztlich der Frage, was damals in Barcelona geschah, hat mich ausreichend gefesselt bis zum Ende. Der Roman ist definitiv nichts fürs nebenbei Lesen, da doch sehr viele Dinge geschehen und man bei vielen weiß man auch nicht, ob diese nochmal wichtig werden und sollte sie daher im Hinterkopf behalten. Es gibt sehr, sehr viele Tote - vor allem viele (fast) unnötige Opfer. Der Täter mordet quasi sich den Weg frei und dies ist schon recht brutal. Um die Härte des Täters und der Polizeitruppe zu unterstreichen, wird intensiv über Waffen und Schußtechnik philosophiert. Hier kann man erstaunliche Details lernen.
Alles im allem ein spannender Thriller mit Einblick in das Leben von Blinden und des Zusammenhalts in einer Spezialeinheit der Polizei. Der Schreibstil ist nichts für nebenbei, man muß konzentriert bleiben um die Geschichte zu verfolgen und die vielen Verstrickungen zu verstehen.
Für anspruchsvolle Leser auf der Suche nach einem spannenden Psychoduell auf jeden Fall eine Empfehlung (zur reinen Entspannung eher nicht zu empfehlen.)
Für alle Neugierigen - geht es hier zum Buch

Mittwoch, 24. Februar 2016

Arno Strobel: Die Flut

Während des Lesens mache ich mir manchmal Notizen über das Buch und nehme diese dann gern her zum Schreiben einer Rezension. Bei Arno Strobels "Die Flut" stand auf dem Zettel mehrfach ein und dasselbe Wort: spannend. Das ist dieses Buch auf jeden Fall und ich habe es kaum aus der Hand legen können.
Auf der Insel Amrum machen Julia und Michael gemeinsam Urlaub mit Michaels Arbeitskollegen Andreas und dessen Frau Martina. Andreas hat ein geerbtes Haus auf Amrum und möchte die Ferien nicht alleine mit seiner Frau verbringen. Warum das so ist, wird schnell klar und auch konsequent durch den ganzen Roman fortgeführt: Martina ist eine sarkastische, vom Leben mit Andreas genervte Ehefrau, die permanent meckert. Selbst als Leser ist man irgendwann von der Meckerei bedient und kann v.a. Julia verstehen, die ihr immer mehr aus dem Weg geht. 
Mitten im Urlaub geschehen auf einmal Morde an Pärchen auf bestialische Art und Weise. Die Frau wird am Strand bei Ebbe eingegraben, der Mann daneben gefesselt. Bei Flut ertrinkt die Frau langsam und der Mann muss hilflos dabei zusehen. Die Morde steigern sich - eine logische Konsequenz.
Die ermittelden Polizisten bieten alle Klischees auf, die zu finden waren: böser Bulle, guter Bulle, dorftrotteliger Polizist und der Hilfssheriff. Trotzdem macht es Spaß, den Ermittlern über die Schulter zu schauen und mitzurätseln.
Die Spannungen und Ängste auf der Insel und zwischen den beiden Paaren werden glaubhaft beschrieben. Der Stress, den ein freilaufender Mörder erzeugt, ist quasi spürbar. Die vielen möglichen Verdächtigen machen es dem Leser schwer, auf die richtige Lösung zukommen. Ich habe immer wieder zwischen den Verdächtigen gewechselt, alle scheinen möglich zu sein.
Kleine Schwachpunkte gibt es allerdings ebenso. Die Darstellung der Julia hat mich zusehends genervt. Zum einen ist sie so toll/schön, dass alle sie begehren und anstarren. Das erscheint mir doch etwas übertrieben. Und zum anderen erfolgt als Reaktion auf Konflikte immer wieder dasselbe - sie rennt schreiend auf die Dünen heraus. Dies ist einfach anstrengend und teilweise so unnötig. 
Wer einen Roman mit Lokalkolorit erwartet, ist hier leider nicht gut bedient. Die Insel ist als Schauplatz austauschbar und könnte jede Insel an der Nordsee sein. Typische Dinge wie lokaler Dialekt oder Traditionen sind Fehlanzeige, lokale Spezialitäten kommen am Rande vor, haben aber keinen direkten Einfluss auf die Handlung.
Das Ende des Thrillers kommt recht plötzlich und kurz, aber unerwartet und gibt daher einen schönen Abschluss. Für mich ist das Buch absolut zurecht auf den Bestsellerlisten und auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

Donnerstag, 14. Januar 2016

Simon Beckett: Flammenbrut

Für mich war es der erste Roman von Simon Beckett, so dass ich keinen Vergleich zu seinen späteren sehr beliebten Büchern der Hunter-Reihe ziehen kann. Flammenbrut ist ein Frühwerk, welches ich in einer überarbeiteten Auflage von 2009 gelesen habe. 
Der Inhalt kurz zusammengefasst: Geschäftsfrau Kate ist auf Sinnsuche in ihrem Leben und findet, dass ein Kind genau das richtige jetzt wäre. Aber das ganze bitte ohne Partnerschaft, denn davon ist sie geheilt, seit sie vor 3 Jahren eine Beziehung zu ihrem damaligen Chef Paul hatte. Sie entscheidet sich daher für eine Samenspende. Eine anonyme Spende möchte sie nicht, deswegen sucht sie per Annonce einen Spender. Lediglich ein Kandidat meldet sich und ist perfekt, so dass sie die Befruchtung vornehmen lässt.
Dass das alles viel zu glatt verläuft und zu schön um wahr zu sein, ist, ahnt der Leser schon früh. Man möchte an mehreren Stellen Kate zurufen: "Nicht!" Die Geschichte insgesamt ist sehr vorhersehbar. Es ist eigentlich für fast jeden - außer Kate - klar, dass der Kandidat sich als jemand anderes ausgibt. Ihre halbherzigen Versuche, ihn zu überprüfen, enden immer in Gutgläubigkeit, die einfach nur anstrengend ist.
Das Buch pendelt immer zwischen Frauenroman mit Beziehungsproblemen und Thriller hin und her. Ein richtiger Thriller ist es meiner Ansicht nach nicht. Die Spannung ist zwar da, aber eben zu vorhersehbar und zu sehr mit unwichtigen Details ausgeschmückt. Oftmals werden Dinge erzählt, die rein gar nichts mit der Handlung zu tun haben - die keinen Sinn darstellen wie das Essen kochen oder welche Lichter Kate in ihrer Wohnung anschaltet. 
Leider für einen Thriller keine Leseempfehlung, für seichten Frauenroman schon eher.


Donnerstag, 3. Dezember 2015

Karen Sander: Wer nicht hören will, muss fühlen.

Mein zweiter Roman von Karen Sander ist gleichzeitig der zweite Thriller der Karen Sander Reihe im Rowohlt Verlag. Nach "Schwesterlein, komm stirb mit mir" folgte mit "Wer nicht hören will, muss fühlen" ein weiterer Thriller mit den Hautpfiguren Georg Stadler, dessen Team und der Psychologin Liz Montario. 

Erneut macht ein Serienmörder "die Runde" und die Polizei bittet um Mithilfe bei der mittlerweile in England lebenden Liz Montario. Diese steht auch sofort zur Verfügung und kann gleich ihren Problemen in England, wo sie wieder einmal in einem spektakulären Fall einen Verdächtigen entlastet hat, entfliehen. Diese England Geschichte und die Liebesgeschichte von ihr dort, läuft parallel zur Mörderverfolgung in Deutschland durch das ganze Buch - quasi als Nebenschauplatz. Eine Verbindung zwischen dem Fall in England und in Deutschland erfolgt nicht.

Der Mörder in Deutschland hinterläßt in den Kehlen seiner Opfer Zeitungsausschnitte. Diese Hinweise versucht das Team zu entschlüsseln und arbeitet dabei gegen die Zeit, denn es verschwinden weitere junge Menschen, die per Anhalter unterwegs waren. 

Die Geschichte ist schlüssig aufgebaut und hat viele kleinere Nebengeschichten, die zum Teil dann mit dem eigentlichen Mörder nichts zu tun haben. Der Leser wird aber dadurch ebenso wie das Ermittlerteam auf falsche Fährten geführt. Letztlich wird derwahre Täter aber ermittelt und dem Leser kommt ebenso der richtige Verdacht - ein Showdown erfolgt. 

Was mich persönlich wieder stört, ist die Verwicklung der Ermittler in den Fall. In diesem Buch ist Georg Stadtler persönlich involviert und seine geschätzte Kollegin Birgit wird zum Opfer. Für mich sind solche Handlungsstränge immer zu unrealistisch. Ein weiteres Manko ist, dass Frau Sander offenbar nur abgetrennte Gliedmaßen kennt. Auch im ersten Thriller der Reihe wurde schon fröhlich gehackt; in diesem Buch nun wieder. Ein Überraschungselement ist das nicht mehr. 

Spannend geschrieben ist die Fortsetzung dieser Reihe aber allemal, ich habe das Buch innerhalb von 1,5 Tagen verschlungen. Gut machbar, da es aus vielen kurzen Kapiteln besteht und so ein schnelles zwischendurch Lesen ermöglicht. Wer sich an dem persönlich involvierten nicht stört, findet hier einen gut gemachten Thriller mit einer komplexen Story in einem hohen Tempo erzählt. 

Donnerstag, 5. November 2015

Ursula Poznanski: Fünf

Ein Thriller, den ich kaum aus der Hand tun konnte und bei dem ich so in das Lesen vertieft war, dass man mich fürchterlich erschreckt hat, als man mich nur einfach kurz gerufen hat. So soll es doch sein! Leseempfehlung daher gleich am Anfang - ja dieses Buch ist spannend, hat eine rundherum gelungene, fantasievolle Story und lebendige Charaktere. Da konnte ich auch über die persönliche Einbindung der Komissarin in die Geschichte fast hinweglesen. Für Fans von Geocaching ist das Buch wahrscheinlich fast noch spannender als für andere, da sie sich in die Geocaching Jagd vom Mörder hinheinversetzen können.
Mittels einer Geocaching Jagd wird die Polizei zu verschiedenen Opfern geführt und versucht dabei natürlich schneller als der Täter zu sein. Dies misslingt das halbe Buch lang, so dass durchaus einige Opfer mit verschiedenen Grausamkeiten geqäult werden. Hier ist die Beschreibung teilweise so real, dass einem spontan das eine oder andere Körperteil weh tut beim Gedanken an die Form der Misshandlung. Die Jäger des Täters sind im Wesentlichen eine Komissarin, die mit ihrer Scheidung und dem Umsorgen ihrer beiden Kinder an sich schon genug zu tun hat und ein Ermittler, der frisch verliebt zu sein scheint. Ergänzend kommt noch der Kollege dazu, der Geocaching Experte ist, der forensische Psychiater, mit völlig absurden Theorien und der unsympatische Chef der Truppe. Die Neben- bzw.Privatgeschichten nehmen einen ausreichend großen Platz ein, machen aber das Buch auch lebendig. Den Kampf zwischen Beruf und Kinderbetreuung kann man sich gut vorstellen.
Die Motivation des Täters und die Auflösung der Story nimmt viele Seiten ein, so dass es nicht nur ein abruptes Ende gibt wie so häufig. Erschreckenderweise hat man sogar Verständnis für den Täter. Die ganze Geschichte ist gut konstruiert, man kann als Leser gut mitfiebern und rätseln. Die Lösung selbst wäre mir nicht eingefallen, das lag nicht unbedingt an fehlenden Informationen sondern eher an der Ungeheuerlichkeit im Vorgehen des Täters.

Montag, 19. Oktober 2015

Karen Sander: Schwesterlein, komm stirb mit mir

Ein deutscher Kriminalroman, der mal nicht lokalpatriotisch daher kommt, sondern sich an den ganz großen Thrillerautoren messen will. Leider ist das nur ein kläglicher Versuch. Die handelnden Figuren sind stereotyp. Man hat teilweise das Gefühl, dass alle üblichen Klischees abgearbeitet werden müssen. Spannung wird erzeugt in dem man den Leser vorwarnt, dass es gleich "hinter der Tür ganz schlimm kommt..."

Aber von Anfang an: nachdem ich viel positives über Karen Sanders Romane gelesen habe, wollte ich mir auch mal ein Bild machen und habe mir drei Romane vorgenommen. Den Erscheinungsdaten zu folgen, schien mir am logischsten, also starte ich mit "Schwesterlein, komm stirb mit mir".

Der Titel verwirrt am Anfang und macht erst gegen Ende Sinn. Da die Story etwas sehr konstruiert ist, bin ich auf die Lösung erstmal nicht gekommen. Dies ist durchaus positiv, da so die Spannung erhalten blieb und ich das Buch zu Ende gelesen habe. Allein für die Beschreibungen des Kommissars Georg Stadler und der Psychologin Liz Montario gibt es einen ganz großen Minuspunkt. Man hält es kaum aus, was da für Rollen verteilt werden: der taffe Polizist, der ein begehrenswerter Kerl ist und dem die Frauen nachrennen; seine Kolleginnen, die entweder völlig blass sind oder Sexbombe, die Psychologin, die eigentlich selbst ein gestörtes Huhn ist usw. Etwas weniger auftragen, wäre gut gewesen.

Der Spannungsbogen ist aber durchaus in Ordnung, die Morde purzeln nur so heran, man kommt kaum nach. Die gesamte Geschichte ist logisch und auch mal etwas neues. Die Beschreibungen der Leichen hat mich kaum geschockt, obwohl sich Karen Sander sehr viel Mühe bei den Grausamkeiten gegeben hat. Lesenswert ist es, Leseempfehlung würde ich aber v.a. für Krimifans nicht geben.

Dienstag, 26. Mai 2015

Kristina Ohlsson: Aschenputtel

Ein für Eltern erst mal besonders gruseliger Beginn: ein Zug fährt mit dem Kind ab, während Ihre Mutter am Bahnhof aufgehalten wird...am Endbahnhof wird das Kind dann entführt.

Was wie eine Zufallstat und "günstige" Gelegenheit aussieht, ist in Wahrheit eine ganz gezielte Entführung dieses Kindes. Weitere Grausamkeiten folgen...und am Ende erfolgt das spektakuläre Aufspüren des Täters.

Dabei ist dem Leser (leider) schon etwas eher klar, was die verschiedenen Opfer verbindet. Man möchte quasi die Polizisten rütteln und auf das naheliegende Verweisen. Hier ist die Schwäche des Thrillers - es wird viel über die verschiedenen Polizisten und deren Positionen geschrieben.

Trotzdem fand ich es spannend und interessantes Thema. Ich empfehle den Thriller als Urlaubslektüre :-)