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Donnerstag, 28. Januar 2016

Loredana Limone: Wie die Frauen von Borgo Propizio das Glück erfanden

Loredana Limones Roman "Wie die Frauen von Borgo Propizio das Glück erfanden" ist ein heiterer, vielfältiger aber leider etwas oberflächlicher Roman. Der Leser wird entführt in die kleine italienische Dorfwelt mit jeder Menge Liebe, Lebensflair und Klischees.
 
Im Dorf Borgo Propizio möchte Belinda nochmal neu starten und eine Milchbar eröffnen. Ihr Leben dreht sich seit jeher fast ausschließlich um Milch. Für den Umbau engagiert sie den Bauarbeiter Ruggero. Dieser findet dabei nicht nur Überraschungen beim Umbau im Haus vor, sondern überfährt beim Feierabend fast Mariolina. Die beiden brauchen nur einen Blick tief in die Augen und es ist um sie geschehen. Was nun folgt, sind eine Aneinanderreihung von Missverständnissen, Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Familien und die Jagd nach einem lang verschollenen Schmuckschatz. 

Das Tempo und die Themenvielfalt im Roman ist enorm. Konflikte entstehen und werden aber innerhalb weniger Seiten schon wieder aufgelöst. Tatsächlich meist durch das direkte Gespräch miteinander. Manche Themen werden nur kurz angerissen und gehen kaum in die Tiefe, andere ziehen sich immerhin durchs ganze Buch wie z. Bsp. das Verhältnis zwischen Mariolina und ihrer Schwester.  Allen gemeinsam ist aber, dass alles gut wird. 

Ein wenig unglaubwürdig ist die ganze Geschichte schon und vielleicht auch ein wenig zu sehr romantisiert, aber letztlich ist es gerade dadurch ein Buch zum Träumen. Während des Lesens riecht man förmlich Italien und man wird in Sommerurlaubsstimmung versetzt. Das alle ihr Glück finden, wird konsequent durchgezogen und ist fast zu schön um wahr zu sein - eben ein moderenes Märchen vom erwachenden italienischen Dorf und der Sehnsucht nach Liebe. Ein Roman, der schön zu lesen ist und eine nette Möglichkeit darstellt, dem trüben Winter in Gedanken zu entfliehen. Erschienen jetzt neu als Taschenbuch beim Piper Verlag.



Dienstag, 5. Januar 2016

Lucy Clarke: Der Sommer, in dem es zu schneien begann

Ein Buch, was ich zunächst nur wegen der optischen Gestaltung und dem lustigen Titel gekauft habe, ist Lucy Clarks "Der Sommer, in dem es zu schneien begann".
Was von der reinen Zusammenfassung auf dem Klappentext nach einem sehr traurigen Liebesroman klingt, entpuppt sich als eine vielschichtige Geschichte rund um Liebe, Geheimnisse und Verrat. Nicht immer sind die Dinge so, wie sie einem zu nächst scheinen.
Hauptperson Eva verliebt sich Hals über Kopf in Jackson und heiratet diesen. Immer wieder bittet sie ihn, zusammen in seine Heimat Tasmanien zu reisen, um seine Heimat und Familie kennenzulernen. Er lehnt das aber ab und erfindet Ausreden. Bereits wenige Monate nach der Hochzeit verstirbt Jackson - er ertrinkt in der rauen See beim Angeln. Eva beschließt daraufhin, nach Tasmanien zu reisen. Sie trifft hier auf Jacksons Vater und Bruder, die zunächst sehr abweisend reagieren. Erst nach und nach kommen sich Eva und Jacksons Bruder näher. Er nimmt sie mit zum Tauchen und Eva erfährt immer mehr Wahrheiten über ihren Ehemann. Sie stellt fest, dass sie einen ganz anderen Mann kannte - etwa einen Lügner? 
Was für mich zunächst nur nach einer traurigen Liebesgeschichte aussah, wird immer teifgründiger und vor allem überraschender. Wahrscheinlich kann auch Eva kaum glauben, was sie alles erfährt und wie es zu dem Unfall am Meer kommen konnte. Man fiebert mit Eva mit und vor allem leidet man mit ihr mit. Das Buch ist fesselnd geschrieben und es liest sich recht schnell. Man möchte einfach des Rätsels Lösung kennen und kann daher das Buch nur schwer aus den Händen legen. Die Landschaftsbeschreibungen von Tasmanien und dem Tauchen runden diesen Roman ab. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen!


Donnerstag, 5. November 2015

Ferdinand von Schirach: Verbrechen

Lange auf meiner Liste, endlich mal in die Hände bekommen. Gerade bei solchen Bestsellern frage ich mich ja immer, sind die wirklich so gut oder hatte da einfach nur jemand Glück einen Hype zu erwischen. 
Ferdinand von Schirach seines Zeichens Strafverteidiger aus Berlin bereitet in seinem literarischen Werk elf Geschichten aus seinem Berufsleben auf. Dabei wird angegeben, dass diese wahr seien. Das kann man so hinnehmen oder nicht - ändert ja nichts an den Geschichten, die sehr schnell zu lesen sind. Seine Beschreibungen sind durchweg klar und mit knappen, kurzen Sätzen. Die Geschichten lassen sich dadurch sehr angenehm lesen und man hat auch das Gefühl, er berschränkt sich nur auf das nötigste. Kein großes Juristendeutsch, keine großen Ausführungen wie genau der Prozess dann ablief - dies wird alles nur kurz angerissen und macht das Buch auch für Nicht-Juristen spannend und erklärt womöglich auch den Erfolg.
Auffällig ist, dass die Schicksale ohne Mitleid für die Lebensumstände der Verbrecher erzählt werden. Der Leser kann hier also durchaus selbst sich eine Meinung bilden und Sympathie für oder gegen den Verbrecher/Opfer entwickeln. Als Strafverteidiger ist erlogischerweise weitaus mehr auf der Seite der Verbrecher und erzählt aus deren Sicht. 
Die Geschichten lesen sich flüssig und leicht hinweg, man kann das Buch gut in ein/zwei Tagen durchlesen. Es ist, wie ich finde, nicht umsonst hochgelobt. Die Art zu schreiben und die ausgewählten Geschichten sind interessant und kurzweilig.

Dienstag, 21. Juli 2015

Isabel Völker: Mein Kind hat deine Läuse

Das Buch wurde von der Zeitschrift Nido hochgejubelt und auch in Auszügen abgedruckt. Da ich den Artikel zufällig gelesen habe und ganz amüsant fand, habe ich das Buch beim letzten Bibliotheksbesuch mitgenommen.

Vornweg: es liest sich schnell und flüssig weg. Aber es strengt auch an gegen Ende, da sich alles irgendwie wiederholt. Als Glosse in einer Zeitschrift oder auf einem Blog sicherlich ganz lustig, als Buch dann doch eher langweilig.

Isabel Völker hat E-Mail-Diskussionen aus Kita bzw. Grundschulen zwischen Eltern aus ganz Deutschland gesammelt und gibt diese auch direkt als E-Mail-Austausch wieder. Dabei werden alle Themen durchgeackert, die man als Eltern eines Kitakindes garantiert auch so oder ähnlich von Elternabenden oder Mailverkehren kennt. Da wird vor den Läusen gewarnt, der Preis vom Essen diskutiert und wie viel Bioessen denn nun sein muß.

Stellenweise ist das Buch sehr witzig und man erkennt sich selbst bzw. die anderen Eltern wieder. Eigentlich schon fast schockierend, über was sich die über-engagierten Eltern streiten und vor allem, dass man nie wirklich zu einer Einigung findet. Für eine lockere Abendlektüre ist es auf alle Fälle geeignet, mehr aber nicht.

Dienstag, 17. März 2015

Sabine Kronbichler: Das Verstummen der Krähe

"Das Verstummen der Krähe" ist ein sehr gelungener Kriminalroman. Die Spannung wird durch das ganze Buch gehalten und das Mitraten und Vermuten, wer der Mörder ist, ist dem Leser jederzeit möglich. Die Handlungstränge machen Sinn und das Ergebnis ebenso. Es wird einem nicht einfach eine Lösung präsentiert, sondern mit dem Leser zusammen "erarbeitet". So muß ein spannender Krimi sein!

Der Ausgang der Geschichte ist, dass die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo vor einem besonders schwierigen Auftrag steht. Die Verstorbene Theresa Lenhardt möchte ihr Erbe ihren besten Freunden hinterlassen. Doch die Erbschaft darf nur freigegeben werden, wenn Frau Mahlo einen Mord von vor 6 Jahren im Freundeskreis aufklärt. Theresa Lenhardts Mann  war dafür in ihren Augen unschuldig verurteilt worden.
Als Kristina Mahlo mit den Hinterbliebenen Kontakt aufnimmt und tief in der Vergangenheit der Erben gräbt, taucht plötzlich der Name ihres Bruders Ben auf, der vor vielen Jahren einfach spurlos verschwand. Kristina ermittelt weiter im Freundeskreis der Toten und stellt sich immer wieder die Frage, welche Verbindung zwischen den fünf Personen und ihrem verschollenen Bruder besteht.
Die gesamte Geschichte ist in "Ich"-Erzähler  Perspektive geschrieben und hat ein paar nette Nebengeschichten wie die Krähe, die täglich vorbei schaut auf dem Hof, die Eltern von Frau Mahlo, die seit dem Verschwinden des Bruders eine gestörte Beziehung haben etc.
Einzig, was mich etwas störte, war die Themenvielfalt die angerissen wurde - von künstlicher Befruchtung über V-Mann, Überfall im Park, sehr teure abgeschnittene Bonsaibäume usw.  Etwas weniger Themen hätten eventuell auch genügt.

Durch die Spannung und die letztliche Auflösung der Geschichte, aber eine klare Leseempfehlung.