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Montag, 28. März 2016

Sarah Lark: Eine Hoffnung am Ende der Welt

Ab und zu darf es bei mir auch mal Herz-Scherz sein und etwas zum Träumen. Tatsächlich war "Eine Hoffnung am Ende der Welt" das erste Buch, welches ich von Sarah Lark gelesen habe. Auf meinem E-Reader schlummern noch ein paar Bücher aus der Neuseeland-Reihe, denen ich vielleicht noch eine Chance gebe.
Hier aber zunächst etwas zum neuesten Werk von Sarah Lark. Die Geschichte beginnt mit Helena und Luzyna - zwei Schwestern - die als Waisen auf der Flucht aus Polen in Persien landen. Auf die Flucht wird im Buch mehrfach Bezug genommen - sowohl über Polen als auch das kalte Sibirien, wo die Familie im Bergbau zwangsarbeiten musste, erfährt der Leser immer mal wieder etwas. Ich fand das gar nicht so uninteressant, da man ja meistens nur die deutsche Sicht des zweiten Weltkrieges kennt, aber nicht unbedingt die Verfolgung in Polen. Wie dem auch sei, beide Schwestern sind in einem Flüchtlingslager und nur eine bekommt die Möglichkeit weiter nach Neuseeland zu reisen. Durch einige Umstände ist es letztlich Helena, die nach Neuseeland reist. Im Flüchltingslager dort hat sie dann sofort einen guten Draht zur Betreuerin Miranda, die ihr letztlich James McKenzie vorstellt. James stammt aus einer sehr wohlhabenden Familie aus Neuseeland und - ich sags mal so - die Dinge nehmen ihren Lauf.
Große Überraschungen darf man in diesem Roman nicht erwarten. Vieles ist vorhersehbar. Es gibt nur wenig Dramatik, dafür aber viel Geschichte über die Maoris. Man kann einige Seiten überblättern und ist trotzdem noch mitten im Geschehen. Ich habe das Buch zu Ende gelesen in der Hoffnung, eine Wendung oder überraschende Handlung käme noch. Es warleider nicht der Fall. Es ist ein leichter, seichter Roman für Zwischendurch, eine Empfehlung leider nur für hoffnungslose Romantiker mit Neuseelandliebe.

Alyson Richman:Der italienische Garten

Ein Roman für Zwischendurch und für kleine Romantiker - "Der italienische Garten"von Alyson Richman. Der Roman spielt in Italien im Jahr 1943, welches geprägt ist von Besetzung, Verfolgung und Widerstandskampf. Die junge Frau Elodie hat ein hervorragendes Gedächtnis und ein Talent zum Cello spielen. Beides nutzt sie zum Widerstandskampf, nachdem ihr Vater an den Folgen einer Folter verstirbt. In Folge mehrere Ereignisse muss sie aber fliehen und kommt in das kleine Dörfchen Portofino, wo sie Angelo bei sich aufnimmt. Nicht nur Elodie, sondern auch der Arzt Angelo haben eine geheimnisvolle Geschichte, die beide sich erst nach und nach eröffnen.
Der Roman lässt sich flüssig lesen und  hat einen schönen Spannungsbogen, da man bei beiden Geschichten - der Lebensgeschichte von Elodie und der Geschichte von Angelo - den Ausgang wissen möchte. Die Autorin versteht es, zwischen Gegenwart und Rückblenden sowie zwischen den beiden Handlungsträngen hin und her zu wechseln, ohne das man den Faden verliert. Alles fügt sich sehr harmonisch zusammen und den Leser berührt vor allem die vielen verschiedenen Formen der Liebe. Dabei spielt die Geschichte zu Zeiten des 2. Weltkrieges, welcher mit allen Schrecken bildhaft und gut recherchiert beschrieben wird. Trotzdem sehe ich in dem Buch mehr einen Liebesroman als einen historischen Roman. Die Geschichte ist harmonisch und - ich spoilere jetzt ein wenig- es gibt ein Happy End. Mit gerade diesem habe ich mich etwas schwer getan, da die Ereignisse in relativ kurzer Zeit erfolgen. Mit einer etwas größeren Zeitspanne, wäre es für mich nachvollziehbarer. Aber nichts desto trotz, ist es ein schöner Roman zum Mitfiebern und zum "Nicht-aus-der-Hand-legen".

Dienstag, 8. März 2016

Jessie Burton: Die Magie der kleinen Dinge

Kennt ihr das, wenn man möchte, dass ein Buch nicht endet, man es aber trotzdem rasend schnell liest? Genau das ist mir mit Jessie Burtons Roman "Die Magie der kleinen Dinge" geschehen. Die Geschichte spielt 1686 in Amsterdam. Die junge Frau Pertonella wird mit dem älteren Handelsmann Johannes Brandt verheiratet. Sie entkommt damit der Armut ihrer Familie und hofft auf ein schönes Leben mit Ehemann und Kindern. Als sie zu ihrem neuen Zuhause kommt, wird sie sehr kalt begrüßt von der Schwester ihres Mannes. Sie gibt ihr das Gefühl, unerwünscht zu sein. Im Haus leben noch das Hausmädchen Cornelia und der Diener Otto. Ihr Ehemann glänzt mit Abwesenheit und wenn er daheim ist, lässt er Nella links liegen. Sie versteht die Welt nicht und bekommt, um bei Laune gehalten zu werden, ein Puppenhaus von ihm geschenkt. Dieses ist zunächst leer, aber schon bald erhält sie mysteriöse Sendungen mit Möbeln und Puppen von einer Miniaturistin zugesandt, die scheinbar die Zukunft voraussagen und auf ein Familiengeheimnis hindeuten.
Nella war mir von Anfang an sympatisch und ich habe mit ihr gelitten, als ihr die Kälte im Hause Brandt entgegenschlug und als das Geheimnis Johannes entlüftet wird, stockte auch mir der Atem. Die Geschichte entführt einen in das Amsterdam der Gilden und erzählt eine Geschichte voll Doppelmoral und der Macht des Geldes. Lange Zeit kann sich die Familie Brandt das Schweigen erkaufen und die Feinde in Schach halten. Bis eines Tages die Stimmung kippt und die Familie samt Nella mit in den Abgrund zu ziehen droht. Der Roman ist flüssig und spannend erzählt. Es gibt überraschende Wendungen und Enthüllungen, die Geschichte fesselt einen.
Für mich ein absolut großartiger Roman, der einen berührt und den man kaum aus den Händen legen kann. Eine sehr schöne Geschichte mit viel Gefühl, aber nur wenig Kitsch.

Dienstag, 1. März 2016

Eve Chase: Black Rabbit Hall

Eve Chase Erstlingswerk ist ein seichter Schmöcker für verregnete Sonntage und vor allem für Liebhaber von alten englischen Herrenhäusern und deren Geheimnisse.
Die Geschichte spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen, welche sich abwechseln. Die Familiengeschichte der Altons spielt im Wesentlichen 1968/69 während die Geschichte von Lorna und ihrem Verlobten Jon in der Gegenwart spielt. Die Altons leben eigentlich in London und kommen nur während der Ferien nach Pencraw -genannt Black Rabbit Hall. Dort verleben sie eine unbeschwerte und teilweise auch unkonventionelle Zeit. Eines Tages jedoch geschieht ein Unglück und vor allem Amber, die älteste Tochter, ist ab da diejenige, die die Familie und deren Zusammenhalt erhält. 
Parallel erfährt der Leser von Lorna, die auf der Suche nach einer Hochzeitslocation ist. In ihrer Erinnerung sieht sie sich mit ihrer Mutter vor den Toren von Black Rabbit Hall stehen. Sie fragt sich, was dran ist an ihrer Erinnerung und warum wird sie so magisch vom Haus angezogen. Schritt für Schritt eröffnet sich nicht nur ihre Geschichte sondern auch die der Familie Alton.
Die beiden Geschichten laufen lange parallel und das Verbindungsstück wird eigentlich in nur einem einzigen Gespräch über wenige Seiten aufgelöst. Insofern ist die Aufdeckung des Geheimnisses fast nebensächlich. In diesem Buch dominiert ganz klar die ältere Geschichte und diese nimmt den Leser mehr in den Bann. Die Gegenwartsgeschichte kam mir nur wie schmückendes Beiwerk vor und Lorna blieb mir leider auch sehr viel fremder als alle Mitglieder der Alton Familie.
Eve Chase macht die Landschafts Cornwalls fühlbar durch die Darstellung vom Wetter - es regnet verdammt oft - und der Beschreibungen vom Strand, Uferklippen und dichten Wald am Haus. Das Herrenhaus selbst wird ausführlich erklärt und man könnte quasi durch die Räume mitlaufen. Viele Details sind der Autorin dabei wichtig zu erwähnen, manche lassen die Geschehnisse lebhafter wirken (und grausamer), andere sind eher Füllstoff. Ein wenig kam der Eindruck daher, dass erst fest stand ein Buch über ein Herrenhaus zu schreiben und die Familiengeschichte um dieses herum aufgebaut wurde. Es fehlen die ganz großen neuen Ideen und das gewisse Etwas, was ein Buch zum "Nicht aus die Hand legbar" macht.
Man darf keine allzu großen überraschenden Wendungen erwarten und kein großen Spannungsbogen. Es ist eine solide erzählte Familiengeschichte mit überschaubaren, manches mal klischeehaften  Charakteren, die leicht und flüssig zu lesen ist. Eine nette Unterhaltung für verregnete Tage und für Fans von Cornwall & Geschichten über englische Herrschafthäuser auf jeden Fall zu empfehlen.
Erwähnen möchte ich aber zu guter Schluß noch die tolle Haptik. Die Buchhülle ist leicht transparent und mit einem tollen Titeldesign bedruckt, das Buch selbst ohne Umschlag hat das mögliche Herrenhaus samt Garten als Motiv. Für alle, die sich die Zeit mit einer leichten, englischen Familiensaga versüßen möchten, geht es Hier zum Buch


Mittwoch, 24. Februar 2016

Andrea Sawatzki: Der Blick fremder Augen

Kein Kriminalroman im klassischen Sinne, eher ein Roman über die Psyche eines Mörders gespickt mit Ermittlungen einer Komissarin ist das neue Buch von Andrea Sawatzki "Der Blick fremder Augen". Die Komissarin Melanie Fallersleben wird mit mehreren Tötungen konfrontiert und schnell wird klar, dass es sich hierbei um einen Rachefeldzug handelt. Für den Leser wird der Täter schon früh offenbart und die Jagd - besser gesagt der Wunsch diesen Aufzuhalten - steht im Mittelpunkt. 
Beschrieben wird die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven. Hierbei werden einzelne Charaktere und Erlebnisse wiedergegeben, was aber fast nur stichpunktartig erfolgt. Ein großes, gesamtes Bild lässt sich nur von der Hauptfigur, dem Täter bilden. Und hier ist auch das erschreckenste Bild - jahrelanger Missbrauch als Kind in verschiedenen Formen prägen das Leben des Täters. Andrea Sawatzki versteht es trotz ihrer nüchternen, kurzen Sätze das Grauen für den Leser erlebbar zu machen. Man leidet mit und man rächt mit.  
Die Komissarin ist persönlich involviert und wird vom Täter mit einbezogen. Ich bin immer kein großer Fan von solchen Zufällen, aber es wird hier logisch und zurückhaltend angelegt, so dass es erträglich ist.

Spannend ist das Buch trotz der frühen Klarheit des Täters, da man wissen möchte, wie der Stop erfolgen wird und wer noch alles Opfer werden wird. Das naheliegenste Opfer trifft es dabei erst recht spät - man ist fast versucht zu sagen: Typisch, den Verursacher trifft es nicht (oder wie hier spät). 

Ich habe das Buch recht schnell gelesen, da die Kapitel sehr kurz gehalten sind, die Perspektiven schnell wechseln und der Schreibstil sehr prägnant ist. Ich kann diesen Roman empfehlen, wenn man gern etwas über die psychischen Hintergründe von Morden erfährt und weniger über das Fangen des Täters.





Freitag, 12. Februar 2016

Mark Haddon: Der wunde Punkt

Schon 2007 erschien "Der wunde Punkt" von Mark Haddon und war lange auf meiner Leseliste. Im Roman über die Familie Hall erscheint im ersten Moment nur der normale Irrsinn zu herrschen: Mutter geht fremd mit ehemaligen Arbeitskollegen ihres Mannes, Tochter will das zweite Mal heiraten, der Sohn ist schwul, womit sich die spießigen Eltern noch nicht so recht anfreunden können und der Vater wird langsam verrückt.

Der Vater Georg Hall steht im Mittelpunkt des Romans. Er entdeckt eines Tages einen kleinen schwarzen Fleck auf seiner Haut an der Hüfte und denkte sofort, dass er Krebs hat und Sterben muss. Das Naheliegenste - zum Hautarzt gehen und abklären lassen -  kommt für ihn nicht in Frage. Er steigert sich lieber in seine Furcht herein, verheimlicht es vor seiner Familie undwird von Tag zu Tag depressiver und wunderlicher. Dieses Wunderliche und die Geschehnisse rundherum die zweite Hochzeit der Tochter sind witzig beschrieben und machen den Roman kurzweilig. Über die Taten und das Verhalten des Vaters kann man teilweise sich aber nur wundern und den Kopf schütteln. Diese waren mir zu überspitzt und die Depression zu sehr ins lächerliche gezogen.

Der Roman hat alles, was einen Familienroman lesenswert macht. Er ist leicht und unterhaltsam geschrieben. An vielen Stellen kann man herzlich lachen und sich das Geschehen gut vorstellen. Das Ende lässt einen zufrieden zurück und ist schlüssig. Ein Roman über Liebe, Betrug, Krankheit, Frust, falsche Erwartungen und Scham mit viel Tragikkomik, lebendigen Personen und irgendwie skurril. Ein Lesegenuss mit nur kleinen Abstrichen aufgrund des etwas überdrehten Verhaltens des Vaters.

Erik Valeur: Das siebte Kind

Den Roman "Das siebte Kind" von Erik Valeur bekam ich ausgeliehen mit den Worten: "Ich habe es nur so 200 Seiten lang geschafft, das ist so langweilig." Dem kann man zunächst erstmal zustimmen. Das Buch umfasst ganze 800 Seiten und wenn man es geschafft hat, kann man rückblickend durchaus sagen, dass die ersten 250 -300 Seiten nichts für das Buch tun. 

Die Kurzbeschreibung des Romans auf dem Klappentext klingt sehr spannend: "September 2001: Am Strand von Skodsborg in der Nähe des renommierten Kinderheims Kongslund wird die Leiche einer unbekannte Frau gefunden. Neben ihr ein Stück Treibholz, ein toter Kanarienvogel und ein merkwürdig geknotetes Seil. Die Tote kann nicht identifiziert werden, der Fall gerät in Vergessenheit – bis sich Jahre später das Bestehen des Kinderheims zum sechzigsten Mal jährt und ein schreckliches Geheimnis mit aller Gewalt ans Licht drängt. Ein Geheimnis, das mit dem Schicksal sieben ehemaliger Waisenkinder verknüpft ist und das Dänemark bis in die höchsten politischen Ebenen erschüttern wird …"

Leider beginnt das Buch aber erst einmal mit sehr ausführlicher Beschreibung der Beteiligten aus Politik und Presse. Hierbei wird vor allem die Verflechtung und gegenseitige Beeinflussung beider Seiten betont. Das Thema Ausländer und Abschiebungspraxis wird anhand zweier Gegner - Minister für Ausländerfragen und Anwalt für die Ausländer sowie das Thema Terroranschläge anhand vom 11. September 2001 ebenso eingeflochten. So gesehen eine durchaus aktuelle Themenwahl. Der Leser fragt sich aber stetig, was das denn nun genau mit den Waisenkindern und dem Waisenhaus auf sich hat und wieso so viele verschiedene Randthemen notwendig sind.

Für mich kam erst ab Mitte des Buches Spannung auf und ab da liest es sich der Roman flüssig. Dem Leser wird schnell klar, dass die Lösung nicht so einfach ist, wie sie zunächst dargstellt wird. Die Geheimnisse aus dem Waisenhaus und damit verbunden auch die Geheimnisse der Politiker, Presse und Polizei werden nach und nach gelüftet. Ganz klar wird die Skrupelosigkeit der Beteiligten dargestellt und die Verflechtung der verschiedenen Seiten wird kritisiert.

Zusätzlich zu den vielen schon vorhandenen Themen wird noch Abtreibungsproblematik und die Theorie, dass sich Gewalttätigkeit bzw. Geisteskrankheiten vererben abgehandelt. So kann man bei einem adoptierten Kind eben nie sicher sein, ob es nicht gewalttätige Eltern hatte und dann eben auch gewalttätig wird. Mir persönlich war das nun doch zu viel, weniger Themen hätten meiner Meinung nach jedenfalls genügt. Die Grundthese, dass adoptierte Kinder verkorkste Leben haben und nicht glücklich sein können, hat mir sehr missfallen.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschrieben und um mitzurätseln muss man  aufpassen und genau lesen. Viele Personen werden ausführlich vorgestellt und einzelne Lebensereignisse beschrieben. Hier wieder das Problem für den Leser, dass man nicht immer weiß, ob diese Ereignisse für die eigentliche Geschichte und Auflösung wichtig sind oder nicht. Man muss sich daher viele kleine Sachen merken, um dann festzustellen, dass die gar nicht relevant sind. Der Verdacht, wer dahinter stecken könnte und wer welche Taten zu verantworten hat, kommt dem Leser aber doch früher oder später und die Auflösung ist keine ganz große Überraschung. Lediglich bei einer beteiligten Person war ich erstaunt, da diese vorher nicht viel Raum einnahm und dann doch sehr viel kriminelle Energie besessen hat.

Ich bin bei diesem Buch durchaus zwiegespalten. Eine klare Empfehlung ist es nicht, dafür ist zu langatmig und zu viele Nebenschauplätze. Die "Haupt"-Geschichte aber ist sehr spannend und die Auflösung hat mir gut gefallen. Wer ein geduldiger Leser ist und die ersten 300 Seiten besiegt, wird durchaus mit einem vielseitigen Roman belohnt.

Jean-Paul Didierlaurent: Die Sehnsucht des Vorlesers (e-book)

Ein kleines, aber feines Büchlein - diese Beschreibung trifft am besten auf Jean-Paul Didierlaurents Buch "Die Sehnsucht des Vorlesers" zu. 

Beschrieben wird die Geschichte zweier Außenseiter - Guylain, der in einer Papierverwertungsfirma arbeitet und Julie, die als Toilettenfrau in einem Kaufhaus ihr Leben tristet. Guylain liebt eigentlich Bücher und jede Vernichtung tut ihm weh. Er rettet täglich einige Seiten aus den aussortierten Büchern und liest diese während der morgendlichen Zugfahrt auf Arbeit vor. Eines Tages findet er im Zug einen USB Stick. Neugierig liest er das darauf gespeicherte Tagebuch von Julie. Diese beschreibt ihre Erlebnisse als Toilettenfrau wunderbar tragisch-komisch. Als Leser kann man sich ihren Arbeitsalltag bildlich vorstellen. Guylain hat sofort das Gefühl hier eine Seelenverwandte gefunden zu haben und macht sich gemeinsam mit einem ehemaligen Arbeitskollegen auf die Suche nach der Tagebuchschreiberin.

Ich habe das Buch innerhalb von einem Tag gelesen, da es tatsächlich durch die verschiedene Einschübe von anderen Büchern bzw. dem Tagebuch von Julie sehr kurz ist. Viele Seiten füllen nur kurze Ausrisse aus dem Tagebuch oder aus den anderen Büchern. Aber nicht nur die Kürze des Buches macht ein Schnelllesen möglich, sondern auch der Inhalt selbst. Man möchte einfach wissen, ob Guylain Julie findet und ob es ein Happy End geben wird. Man fliegt nur so durch die Seiten und fiebert mit, ob die Beiden, die im Leben scheinbar verloren haben, nun doch einmal gewinnen.

Dieses kleine Büchlein ist wirklich ein großer Schatz. Man kann ein paar Stunden selbst dem Alltag entfliehen und das Lesen genießen. Ich habe mitgeschmachtet und kann das Lesen wärmstens empfehlen.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Loredana Limone: Wie die Frauen von Borgo Propizio das Glück erfanden

Loredana Limones Roman "Wie die Frauen von Borgo Propizio das Glück erfanden" ist ein heiterer, vielfältiger aber leider etwas oberflächlicher Roman. Der Leser wird entführt in die kleine italienische Dorfwelt mit jeder Menge Liebe, Lebensflair und Klischees.
 
Im Dorf Borgo Propizio möchte Belinda nochmal neu starten und eine Milchbar eröffnen. Ihr Leben dreht sich seit jeher fast ausschließlich um Milch. Für den Umbau engagiert sie den Bauarbeiter Ruggero. Dieser findet dabei nicht nur Überraschungen beim Umbau im Haus vor, sondern überfährt beim Feierabend fast Mariolina. Die beiden brauchen nur einen Blick tief in die Augen und es ist um sie geschehen. Was nun folgt, sind eine Aneinanderreihung von Missverständnissen, Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Familien und die Jagd nach einem lang verschollenen Schmuckschatz. 

Das Tempo und die Themenvielfalt im Roman ist enorm. Konflikte entstehen und werden aber innerhalb weniger Seiten schon wieder aufgelöst. Tatsächlich meist durch das direkte Gespräch miteinander. Manche Themen werden nur kurz angerissen und gehen kaum in die Tiefe, andere ziehen sich immerhin durchs ganze Buch wie z. Bsp. das Verhältnis zwischen Mariolina und ihrer Schwester.  Allen gemeinsam ist aber, dass alles gut wird. 

Ein wenig unglaubwürdig ist die ganze Geschichte schon und vielleicht auch ein wenig zu sehr romantisiert, aber letztlich ist es gerade dadurch ein Buch zum Träumen. Während des Lesens riecht man förmlich Italien und man wird in Sommerurlaubsstimmung versetzt. Das alle ihr Glück finden, wird konsequent durchgezogen und ist fast zu schön um wahr zu sein - eben ein moderenes Märchen vom erwachenden italienischen Dorf und der Sehnsucht nach Liebe. Ein Roman, der schön zu lesen ist und eine nette Möglichkeit darstellt, dem trüben Winter in Gedanken zu entfliehen. Erschienen jetzt neu als Taschenbuch beim Piper Verlag.



Donnerstag, 21. Januar 2016

Delphine Bertholon: Am Anfang war der Frost

Der Klappentext hat mich verführt, den Roman "Am Anfang war der Frost" zu lesen: 

 "1981. Grâce Bataille führt in ihrem malerischen Familienhaus in der französischen Provinz ein Leben wie aus dem Bilderbuch – mit zwei wunderbaren Kindern und einem Mann, der zwar wenig Zeit für sie hat, den sie aber abgöttisch liebt. Doch alles bricht in sich zusammen als ein neues Au-Pair-Mädchen bei ihnen anfängt … 2010. Nathan kehrt nach Hause zurück, um wie immer mit Mutter und Schwester Weihnachten zu feiern. Doch dieses Jahr ist alles anders. Sein Vater, der dreißig Jahre zuvor wortlos verschwand, taucht wieder auf. Und plötzlich geschehen seltsame Dinge im einst idyllischen Haus …"

Der Roman ist eine Mischung aus Horrorelementen, Kriminalroman und Familientragödie. Man hat fast den Eindruck, die Autorin konnte sich nicht so ganz entscheiden und hat alle Elemente vermischt. Mittels eines Tagesbuch, geschrieben von Grace, der Mutter in der Familie, wird die Zeit von 1981 beschrieben, als ihr Ehemann eines Tages von seinen Vertriebsreisen nicht zurückkehrt. In der Handlung 2010 ist Weihnachten und die Familie versammelt sich im Haus der Mutter. Der Vater kehrt überraschend zurück und will sich mit den Kindern treffen. Die Rückkehr des Vaters ist wie fast zu erwarten nur der Auslöser für die Geschichte. Das Treffen zwischen dem Vater und den beiden Kindern ist kurz, auf neutralem Boden und der Grund für die Rückkehr bleibt ein wenig im Dunkeln.
Wichtiger jedoch sind die Vorfälle damals und heute. Im Damals ist das junge polnische Au-pair ein Dorn im Auge der Mutter. Sie schreibt sich in ihrem Tagebuch immer mehr in Rage über das junge Mädchen, äußert den Verdacht, dass ihr Mann eine Affaire mit ihr hat und unterstellt beiden alles Böse der Welt. Sie schreibt ihren Frust in sehr derben Worten nieder und bricht dann eines Tages sehr plötzlich ab. Dabei schwört sie, nie wieder zu schreiben und man ahnt schon, dass etwas sehr Einschneidendes passiert sein muß.
In der Gegenwart hingegen geschehen auf einmal im Haus merkwürdige Dinge. Es scheint zu spuken und die Familie wird in Angst versetzt. Schritt für Schritt versuchen die Kinder hinter die Geschehnisse von damals und heute zu kommen. Dies gelingt am Ende, auch wenn der Ausgang der Geschichte erahnt werden kann.
Ich fand die Story durchaus spannend und die Poltergeist-Vorkommnisse tatsächlich beängstigend so banal sie auch waren. Ich konnte die Mutter in ihrem Handeln irgendwie verstehen und war doch anderseits erstaunt, zu was sie fähig war. Die Rolle des Vaters und seiner Rückkehr ist mehr eine Randgeschichte. Ich fand es schade, nicht mehr über den Vater von damals und seine Rolle zu erfahren. Dies wird nur sehr kurz erläutert. Wohingegen die Sicht der Mutter und ihre Gefühle sehr ausführlich behandelt werden. Insgesamt eine schöne Familientragödie mit Krimielementen und einem sehr schönen Spannungsbogen.



Stewart O'Nan: Die Chance

Hat eine Ehe nach 30 Jahren noch eine Chance oder nicht? Stewart O'Nan lässt uns teilhaben an der Ehekrise der zwei Amerikaner Art und Marion. Beide reisen an den Ort ihrer Hochzeitreise - die Niagara Falls. Die Reise erfolgt diesmal im Gegensatz zu vor 30 Jahren unter sehr ungünstigen Voraussetzungen: das Ehepaar ist pleite, versucht seit einem Jahr sein Haus zu verkaufen und will sich trennen. Mit einem Billigangebot und dem letzten Bargeld wollen sie noch einmal ein paar Tage gemeinsam verbringen und im Idealfall im Casino richtig gewinnen.
Die Trennung scheint vor allem von Seiten Marions motiviert, die offenbar über eine Affäre von Art mit Wendy nicht hinwegkommt. Wendy und die Affäre sind am Anfang sehr dominant, so dass man direkt den Auslöser der Krise darin sieht und sich erhofft, die beiden raufen sich zusammen. Umso erstaunter war ich, als herauskam, dass die Affäre schon 20 Jahre her ist. Das aber dies immer noch so dominant zwischen beiden steht, ist erstaunlich. Es scheint, als haben beide nur der Kinder wegen es so lange durchgehalten. Ihren beiden Kindern haben sie demzufolge auch von ihren Plänen zur Trennung noch nichts erzählt. 
Art und Marion pflegen trotz der Trennungsabsichten noch einen sehr zärtlichen Umgang miteinander, wobei vor allem Art Marion alles recht machen will und quasi permanent auf der Hut ist, wie sie wohl reagiert. Marion ist für mich auch völlig unverständlich geblieben - freut sie sich einerseits aufs Singleleben und ist genervt von vielen kleinen Dingen die Art tut, springt auf der anderen Seite aber trotzdem mit ihm durchs Bett...Beide scheinen sich letztlich nicht im Klaren zu sein, was sie möchten und das Klischee vom oberflächlichen, nicht reflektierenden Amerikaner hat der Autor hier gut eingefangen. 
Im ganzen Buch spielt Alkohol eine sehr große Rolle. Immer wieder werden Drinks bestellt, getrunken, Flaschen geöffnet - das alles offenbar, um die Zunge zu lockern und endlich ins Gespräch zu kommen. Auch über die tolle Aussicht, alle Attraktivitäten vor Ort wird sehr oft berichtet. Fast schon ein kleiner Reiseberichtam Rande.
Die jedem Kapitel vorangestellte Wahrscheinlichkeit (z. Bsp. "Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar eine zweite Hochzeitsreise zum selnem Ort unternimmt: 1:9") gibt immer schon einen Hinweis auf den Inhalt des Kapitels und fand ich als ein sehr witziges Element. 
Für mich wurde die Chance aber vertan, einen fesselnden Roman zu schreiben. Die Geschichte plätschert dahin, hat kaum Höhepunkte oder Spannung. Die beiden Hauptpersonen waren mir zu oberflächlich und das Ende einerseits zu abrupt anderseits zu kitschig. Der Roman ist auf sehr wenige Personen, Orte und Handlungen beschränkt, was eine gute Chance ist, eine sehr tiefgehende Geschichte zu erzählen. Leider bleibt sie aber nichtssagend. Ich habe mich nur mit Mühe zum Ende durchgelesen, da ich letztlich den Ausgang der Ehe bzw. der Chance wissen wollte.

Montag, 18. Januar 2016

Ralf Rothmann: Im Frühling sterben

Ralf Rothmann ist mit "Im Frühling sterben" ein bewegender und überzeugender Antikriegsroman gelungen. Jeder Satz ist wohl überlegt und treffend. 
Der Autor beginnt seine Geschichte mit einer Beschreibung des Vaters Walter 30 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Der Vater hat hart gearbeitet im Bergwerk, war nie krank, hatte keine Freunde und wirklich Freude schien er auch nie zu haben. Warum das so ist, wird im Laufe der Geschichte klar. Erzählt wird die Geschichte zweier Freunde, gerade 17 Jahre alt und als Melker auf einem Hof in Norddeutschland. Kurz vor Ende des Krieges 1945 werden beide noch zwangsrekrutiert, erhalten eine kurze Ausbildung und werden nach Ungarn an die Front geschickt. Walter hat es dabei vermeindlich besser, er darf einen LKW fahren, während sein Freund Fiete an die Front muß. Die beiden Freunde haben klar verteilte Rollen - während Walter vernünftig ist und folgt, beschäftigt sich Fiete schon früh mit dem Gedanken der Flucht. Obwohl Walter ihm es mehrfach erfolgreich ausredet, versucht es Fiete eines Tages doch und wird erwischt. Er wird zum Tode verurteilt und ausgerechnet Walter soll ihn mit anderen Kameraden erschießen. Die Gewissensfrage nagt sehr an Walter und wird letztlich sein ganz Leben beeinflussen.
Die Situation ist fast unvorstellbar und lässt den Leser mitleiden. Die Frage, wie man selbst in dieser Situation gehandelt hätte, steht unausgesprochen im Raum. Die ganze Lage im letzten Kriegsjahr in Ungarn, wo viele schon ausgebrannt sind, das Ende des Krieges quasi schon in der Luft liegt, beschreibt Rothmann mit sehr klaren Bildern und macht die Situation für den Leser lebendig. Der Wahnsinn, dass junge Männer in den Krieg getrieben werden, beschreibt er nüchtern und das macht den Leser gleichzeitig so fassungslos. 
Ein Roman mit keinem Wort zuviel, Stil und klarer Aussage. Absolut lesenswert.



Donnerstag, 14. Januar 2016

Andy Weir: Der Marsianer: Rettet Mark Watney

Andy Weirs Roman "Der Marsianer: Rettet Mark Watney" greift ein Horrorszenario auf, welches so noch nicht geschehen kann, aber man sich trotzdem sehr gut vorstellen kann. Der Astronaut Mark Watney wird von seinen Astronautenkollegen auf den Mars vergessen. Was zunächst unglaublich klingt, erklärt sich schon nach wenigen Seiten. Während eines Sandsturms wird Mark Watney von herumfliegenden Teilen getroffen und bleibt bewußtlos liegen. Die anderen Astronauten retten sich zunächst zum Raumfahrzeug zurück. Dort prüfen sie die Werte, die der Raumanzug von Mark sendet und entscheiden schweren Herzens, dass er nicht zu retten ist und retten sich zunächst erstmal selbst, in dem sie die Mission abbrechen und vom Mars wegfliegen.
So unglaublich das nun klingt, habe ich erwartet, dass Mark völlig auf sich gestellt ist und auch nichts mehr auf dem Mars hat. Das das keinen Sinn ergibt, ist mir nach dem Lesen nun auch klar. Es gibt nämlich in diesem Roman auf dem Mars eine Raumstation, die mit allerhand Technik ausgestattet ist und in die er sich zunächst - wieder erwacht und doch noch gesund und munter - flüchtet. Die nächsten 400 Seiten beschäftigen sich damit, wie er über 2 Jahre überlebt, an der Technik rumbastelt und welche Pläne er macht. Leider kommt dabei die  psychologische Komponente viel zu kurz. Ich hatte erwartet, mehr von den Problemen der Einsamkeit und Isolation zu lesen. Mark ist über lange Zeit komplett von jeglicher Kommunikation abgetrennt und ihm droht zudem der Hungertod. Das alles scheint er aber gelassen zu nehmen. Gut finde ich, dass er wenigstens ab und zu ironisch seine sehr schlechte Lage kommentiert. Hier bleibt es aber leider bei sehr oberflächlichigen Kommentaren. Im Gegensatz dazu wird in aller Ausführlichkeit die technische Seite beschrieben. Wen schon immer interessiert hat, welche Geräte alles so eine Raumstation hat und wie die funktionieren, wird in diesem Roman sehr gut bedient. Einige der technischen Probleme bzw. deren Lösung wiederholen sich aber. Dies macht den ganzen Roman um die Rettung von Mark leider sehr langatmig. Manche Seiten mit technischen Lösungen kann getrost überblättern und trotzdem der Handlung noch folgen. 
Ich habe den Roman trotzdem verschlungen, da man ja nun mal wissen will, ob und wie er gerettet wird. Meine Erwartungen bezüglich der psychologischen Seite dieses Unglücks wurden dabei aber leider nicht erfüllt. Eine interessante, technisch ausführliche Story ist es aber allemal.

Dienstag, 5. Januar 2016

Jodi Picoult: Bis ans Ende der Geschichte

Jodi Picoults Roman "Bis ans Ende der Geschichte" ist nichts für schnelle, laue Unterhaltung. Dafür hat dieser Roman zu viel Tiefgang. Er beschäftigt den Leser auch über das Lesen hinaus und läßt einen nur schwer los. 
Im Mittelpunkt steht Sage Singer, welche eine leidenschaftliche Bäckerin ist und nur nachts arbeitet. Sie lernt in der Bäckerei den pensionierten und im Ort sehr geschätzten Josef Weber kennen. Mit ihm freundet sie sich an bis er sie eines Tages bittet, ihm beim Sterben zu helfen, weil er ein Geheimnis hat. Schnell wird schon am Anfang klar, zu welcher Art Geheimnis es gehen wird und worin der Gewissenskonflikt bestehen wird. Sage ist jüdischer Abstammung und Josef Weber heißt in Wahrheit anders und war SS-Offizier in Auschwitz. Er bittet Sage stellvertretend für die von ihn getöteten Juden um Vergebung. 
Mit vielen verschiedenen Erzählebenen und aus unterschiedlichen Sichtweisen wird hier von Jodi Picoult ein heikles Thema intelligent und mit viel Tiefgang beschrieben. Neben der eigentlichen Frage, ob Vergebung in dieser Form möglich ist, wird dem Leser auch das Leben von Sage und ihrer Familie nahe gebracht. Dabei werden Themen wie Ehebruch, Tod, Trauer, Unfall, Schuldgefühle, Freundschaft und letztlich auch Liebe in Einklang gebracht. Die Themen werden logisch miteinander verwoben und bauen aufeinander auf. Die Judenverfolgung wird anschaulich durch die Ich-Erzählung der Großmutter von Sage wiedergegeben. Parallel erzählt Josef seine Geschichte und wie er tun konnte, was er tat. Dem Leser wird dabei keine Vorverurteilung mitgegeben. Er kann selbst entscheiden, für welche Handlung er Verständnis aufbringen kann und welche nicht. Nicht nur einmal fragt man sich, wie man selbst in dieser Situation gehandelt hätte.  
Jodi Picoult läßt ihre Hauptfigur Sage viel reflektieren über die Frage, ob Vergebung möglich ist und ob sie Josef beim Sterben helfen soll. Dies geschieht mit sehr vielen klugen und schönen Worten. Der Leser taucht ganz hinein in die Geschichte und kann dieser auch nach dem Lesen nicht entfliehen. Für mich ein ganz großes Lesehighlight - trotz oder eben wegen des schweren Themas.

Lucy Clarke: Der Sommer, in dem es zu schneien begann

Ein Buch, was ich zunächst nur wegen der optischen Gestaltung und dem lustigen Titel gekauft habe, ist Lucy Clarks "Der Sommer, in dem es zu schneien begann".
Was von der reinen Zusammenfassung auf dem Klappentext nach einem sehr traurigen Liebesroman klingt, entpuppt sich als eine vielschichtige Geschichte rund um Liebe, Geheimnisse und Verrat. Nicht immer sind die Dinge so, wie sie einem zu nächst scheinen.
Hauptperson Eva verliebt sich Hals über Kopf in Jackson und heiratet diesen. Immer wieder bittet sie ihn, zusammen in seine Heimat Tasmanien zu reisen, um seine Heimat und Familie kennenzulernen. Er lehnt das aber ab und erfindet Ausreden. Bereits wenige Monate nach der Hochzeit verstirbt Jackson - er ertrinkt in der rauen See beim Angeln. Eva beschließt daraufhin, nach Tasmanien zu reisen. Sie trifft hier auf Jacksons Vater und Bruder, die zunächst sehr abweisend reagieren. Erst nach und nach kommen sich Eva und Jacksons Bruder näher. Er nimmt sie mit zum Tauchen und Eva erfährt immer mehr Wahrheiten über ihren Ehemann. Sie stellt fest, dass sie einen ganz anderen Mann kannte - etwa einen Lügner? 
Was für mich zunächst nur nach einer traurigen Liebesgeschichte aussah, wird immer teifgründiger und vor allem überraschender. Wahrscheinlich kann auch Eva kaum glauben, was sie alles erfährt und wie es zu dem Unfall am Meer kommen konnte. Man fiebert mit Eva mit und vor allem leidet man mit ihr mit. Das Buch ist fesselnd geschrieben und es liest sich recht schnell. Man möchte einfach des Rätsels Lösung kennen und kann daher das Buch nur schwer aus den Händen legen. Die Landschaftsbeschreibungen von Tasmanien und dem Tauchen runden diesen Roman ab. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen!


Donna Tartt: Distelfink

Mein Lieblingsbuch war viele Jahre der Erstlingsroman "Die geheime Geschichte" von Donna Tartt. Umso trauriger war ich, dass es kein neues Buch gab. Tatsächlich hat sich die Autorin aber einfach nur viel Zeit gelassen (mir kommt spontan Walter Moers in den Sinn bei dem ich ähnlich auf die Fortsetzung fiebere). Nur alle 10 Jahre veröffentlicht Donna Tartt einen Roman.

In den neuen, dritten Roman "Der Distelfink" bin ich zunächst nur schwer rein gekommen. Die Fesselung war irgendwie nicht von Anfang an gegeben. Da hieß es also erstmal durchhalten, was sich aber sehr gelohnt hat. Erzählt wird die Lebensgeschichte von Theodor Decker. Nach der Trennung seiner Eltern lebt Theodor mit seiner Mutter in New York. Eines Tages sind beide auf den Weg zur Schule für eine Besprechung mit Lehrern/Direktor, da Theodor mit einem Freund beim Rauchen auf dem Schulhof gesehen wurde. Auf dem Weg dahin machen Sie einen kurzen Abstecher in eine Kunstausstellung, um einige seltene Bilder anzusehen. Unter anderem auch das Bild "Der Distelfink" von einem niederländischen Maler. Während Theordor sich dieses Bild noch ansieht, geht seine Mutter kurz Richtung Museumsshop. Es erfolgt ein Anschlag auf das Gebäude und die meisten Besucher sterben - so auch Theodors Mutter. Er kann leicht verletzt "fliehen" und nimmt dabei das Gemälde vom Distelfink an sich. Dieses Bild wird ihn vortan begleiten auf seinem Weg - von Pflegefamilie, seinem Vater in LasVegas, bei seiner Arbeit im Antiquitätenladen...Wie sehr dieses Bild sein Leben beeinflussen wird, wird erst im Laufe des gut 1000 Seiten langen Buch klar und es erfolgen einige spannende Wendungen.

Der Leser wird mitgenommen auf eine Reise quer durchs Land und durch die Gefühle von Theodor. Trotz der Dicke des Buches ist es an keiner Stelle langatmig, sondern immer wieder spannend und detailreich. Es gibt lustiges und trauriges, schockierendes aber auch überraschendes. Also eine sehr gute Mischung von allem. Donna Tartt schafft es beeindruckend, einem zu zeigen, wie schnell ein Leben in andere Bahnen geraten kann, vom geraden, langweiligen Weg weg hin zu einem immer kriminelleren Leben. Man fiebert als Leser mit Theodor mit und wünscht sich geradezu, dass ihm Gutes widerfährt. Das Buch ist sicherlich keine leichte Kost, aber leicht und flüssig zu lesen, so dass einem die Dicke nicht abschrecken sollte.



Sonntag, 3. Januar 2016

Lucinda Riley: Die sieben Schwestern

Ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, habe ich das Buch "Die sieben Schwestern" von Lucinda Riley nicht gelesen, sondern gehört. Die Hörbuchvariante ist eine etwas gekürzte Fassung des Romans und kommt daher mit 8 CDs á etwa einer Stunde. Erzählt wirdvon 3 verschiedenen Erzählern, so das eine Unterscheidung der beiden Erzählebenen gut möglich ist.

Die Geschichte von "Die sieben Schwestern"hat Lcuinda Riley geschickt angelegt. Dieses Buch ist der Auftakt zu einer Reihe und womöglich werden bis zu 7 Bücher am Ende erscheinen. Da nicht alle Geheimnisse bzw. Fragen im Buch gelöst werden, wird der Leser auf die Folter gespannt und "soll" möglichst die nächsten Bände auch noch lesen. Momentan gibt es aber bislang nur Band 2 "Die Sturmschwester". Wann die weiteren Bände folgen, ist ungewiss.

Im ersten Band dreht sich alles um die älteste Schwester Maia. Sie wird von der Haushälterin des noblen Anwesens in der Schweiz telefonisch darüber informiert, dass ihr Vater Pa Salt gestorben wäre. Sie eilt nach Hause und informiert ihre 6 Schwestern ebenso. Vor Ort erfährt sie, dass bereits innerhalb eines Tages eine Seebestattung stattgefunden hat ohne Trauergäste. Dies an sich führt schon zu wilden Spekulationen und Vermutungen - bei den Schwestern und beim Leser. Eine wirkliche Auflösung erfolgt hier aber in Band 1 nicht. Stattdessen hat Pa Salt für jede der Schwestern Hinweise über ihre Herkunft hinterlassen, da alle zu unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Orten/Familien adoptiert wurden. Der Leser kann nun im ersten Band die Suche nach den Eltern von Maia verfolgen, welche diese nach Brasilien führt. Hier findet sie bald ihre mutmaßliche Großmutter und erfährt durch Briefe und Erzählungen die Familiengeschichte. Diese wird als zweite, fast eigenständige Geschichte erzählt. Die Hauptfigur Isabel - genannt Bel - erfüllt dabei alle Klischees, die man sich fast denken kann. Auch die anderen Figuren sind sehr schwarz-weiss gezeichnet. Anfangen vom Vater, der unbedingt in Adelskreise anerkannt werden will als Mann, der sich alles selbst erarbeitet hat; über die böse Schwiegermutter, die Bel nie wirklich traut bis hin zum adeligen Mann, der natürlich häßlich, versoffen und dumm ist. Mir hat diese Geschichte trotz ihrer Klischees aber emotional besser gefallen, da man sich in die Zeit zurück träumen kann und sich durchaus die Zwänge vorstellen kann, unter denen Isabel zu leiden hatte. 
Parallel dazu lernt der Leser Maias Geschichte, das Land Brasilien, geschichtliche Hintergründe zur Christusfigur und zu guter Letzt kennen und es entsteht noch eine Liebesgeschichte. Diesen Teil empfand ich eher als langweilig und zu vorhersehbar. Warum die Figuren auch immer wieder in ihrer Landessprache Ausrufe machen, statt dies zu übersetzen, erschloss sich mir nicht und hat mich auch sehr gestört.
Am Ende sind viele Fragen noch offen, man hat als Leser so den einen oder anderen Verdacht...in einem kleinen Ausblick wird schon etwas von der nächsten Schwester (und damit dem nächsten Band) angedeutet. 
Insgesamt ist der Auftaktroman eine gute Idee, es gibt einige spannende Fragen und Wendungen. Ein Teil wird beantwortet, ein Teil bleibt offen. Die Lebensgeschichte der ältesten Tochter Maia und ihrer Familie ist in sich schlüssig und liest (bzw. bei mir ja hört) sich schnell sowie unterhaltsam. Wenn man über einige vorhersehbare Dinge hinwegsieht, ist es durchaus ein gelungener und unterhaltsamer Frauenroman.  

Montag, 21. Dezember 2015

Cecelia Ahern: Der Glasmurmelsammler

Heute bin ich mal ein klein wenig auf Abwegen unterwegs, da ich Bücher von Cecelia Ahern normalerweise links liegen lasse. Der Titel "Der Glasmurmelsammler" und das Titelbild haben mich aber verleitet, es doch nochmal zu versuchen. Vorweg gleich - es wird bei dem einen Versuch bleiben :-)

Die Handlung hat zwei verschiedene Zeitebenen. Einmal das aktuelle Geschehen, welches komplett an einem Tag geschieht und zum anderen die Rückblicke auf das Leben von Fergus. Fergus hat nach einem Schlaganfall seine Erinnerung verloren und seine Tochter Sabrina versucht ihm zu helfen. Nachdem sie mehrere Kartons aus der alten Wohnung ihres Vaters in die Hände bekommt, findet sie dessen Glasmurmelsammlung. Von diesem Hobby hat sie bislang nichts gewußt und auch die Mutter weiß von nichts. Sabrina macht sich auf die Suche nach den Hintergründen und deckt weitere Geheimnisse auf. Sie selbst reflektiert dabei auch über ihr eigenes Leben und sieht in der Geheimniskrämerei ihres Vaters auch den Grund für ihre eigene Verschlossenheit und verkorkstes Leben.

Die Geschichte des Vaters in Rückblenden nimmt etwas mehr Raum ein und wird ab Mitte des Buches etwas spannend. Der Leser empfindet Mitleid und Sympathie mit ihm und man kann sich das Geschehene gut vorstellen. Sabrina ihre Rolle hingegen nervte mich. Sie hängt in einem völlig stupiden Leben fest, erkennt das auch, aber ändert daran auf gar keinen Fall etwas. Sie selbst redet sich ständig ein, dass sie ein tolles Leben hat, scheint es aber gleichzeitig selbst nicht zu glauben. Mir blieb sie einfach fremd. 

Die ganze Geschichte plätschert dahin, es gibt keine größeren Überraschungen, Wendungen oder Spannungsbögen. Der Sinn der ganzen Geschichte bzw. was Frau Ahern damit erzählen wollte, bleibt verborgen. Das Ende ist offen gestaltet, man kann sich selbst vorstellen, wie Sabrina und ihr Vater mit dem Wissen um sein Geheimnis umgehen werden.  

Fazit: eine durchaus berührende und bewegende Geschichte von Fergus die zwischen Lachen und Tränen alles parat hält. Mir gefielen die Rückblenden besser als die Geschichte der Tochter. Ganz überzeugt hat mich das Buch leider nicht.

Mittwoch, 18. November 2015

Nora Roberts: Ein dunkles Geschenk

Also eines steht nach dem Buch fest - ich brauche eine Pause von Nora Roberts. Die Story ist interessant, die Protagonisten sympathisch, Spannung ist gegeben und trotzdem war ich ab Mitte des Buches irgendwie genervt von der heilen Welt. Das das Gute gewinnen wird, steht von vornherein fest und nimmt einem fast die Spannung. Man bleibt nur dran, weil man wissen will, wie die Hauptfiguren es schaffen, die Bösen zu besiegen. Dass sie siegen werden, zweifelt man an keiner Stelle im Roman. Wirklich anstengend fand ich aber die entstehenden Beziehungen und das man gleich zwei Heiratsanträge vom Stapel lassen mußte. Etwas weniger Dramatik hätte auch genügt und würde die Geschichte glaubwürdiger machen.  
Kurz zur Story an sich: Lila ist eine Vagabundin ohne festen Wohnsitz, die als Homesitterin und Autorin ihr Geld verdient. Während des homesittings beobachtet sie gern die Nachbarschaft. Eines Tages wird sie so Zeugin von einem Mord an einem Pärchen vom Haus gegenüber. Auf der Polizeistelle steht sie dann dem Bruder des Ermordeten gegenüber und freundet sich mit ihm an. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Mörder und zunächst v.a. nach dem Grund von dem Mord. Die Nachforschungen führen sie in die Kunstsammler-Szene und schon bald besteht auch für ihr beider Leben äußerste Gefahr.
Wie schon anfangs erwähnt, steht bei Nora Roberts neben der kriminalistischen Geschichte ja auch immer die romantische Seite im Vordergrund. Die Liebesgeschichte nimmt einen großen Platz im Roman ein und macht die Mördersuche fast zum Nebenschauplatz. Man hat hier also eher einen Liebes-/Frauenroman vor sich als einen Krimi. Gut gemacht ist der Roman auf jeden Fall, da die Story ausreichend Spannung, gute Charaktere und viele Schauplätze hat. Für mich nicht das beste Roberts Buch, aber durchaus lesenswert für nette Unterhaltung auf dem herbstlichen Sofa oder im Urlaub am Strand.

Donnerstag, 12. November 2015

Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Ein Buch nach seinem Cover und Titel auszuwählen, beinhaltet immer ein gewisses Risiko, aber läßt einen auch so manches unbekannte Werk entdecken. Das Buch von Robin Sloan "Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra" hat so ein tolles, geheimnisvolles Cover, dass ich mich auf die Story sehr gefreut habe. 
Zu Beginn des Buches wird vom arbeitslosen Clay berichtet, der eine Anstellung in eben dieser Buchhandlung des Mr. Penumbras erhält. Er übernimmt die Nachtschicht und wundert sich schon bald über die Besucher des Ladens, den geringen Umsatz und alle die rätselhaften Bücher im hinteren Teil des Ladens, die er nicht ansehen darf. Wie nicht anders zu erwarten, siegt die Neugier und Clay versucht mit Freunden das Geheimnis um die rätselhaften Bücher zu lösen. Bis dahin ist die Geschichte wirklich schön, spannend und erfüllt alles, was man von einem Buch über eine Buchhandlung erwartet. Leider, leider kommt dann Google ins Spiel und man hat das Gefühl eine Werbeschrift über "wie toll ist es für Google zu arbeiten" in den Händen zu halten. Sicherlich zeigt die Geschichte auch die Grenzen von Google und der neuen Technik auf und man ist ein wenig schadenfroh, aber das ganze wird so uninteressant erzählt, dass man sich durch den Rest des Buches eher schleppt als genießt. 
Lasst es lieber im Buchladen liegen, da kann es weiter schön aussehen...