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Freitag, 12. Februar 2016

Jean-Paul Didierlaurent: Die Sehnsucht des Vorlesers (e-book)

Ein kleines, aber feines Büchlein - diese Beschreibung trifft am besten auf Jean-Paul Didierlaurents Buch "Die Sehnsucht des Vorlesers" zu. 

Beschrieben wird die Geschichte zweier Außenseiter - Guylain, der in einer Papierverwertungsfirma arbeitet und Julie, die als Toilettenfrau in einem Kaufhaus ihr Leben tristet. Guylain liebt eigentlich Bücher und jede Vernichtung tut ihm weh. Er rettet täglich einige Seiten aus den aussortierten Büchern und liest diese während der morgendlichen Zugfahrt auf Arbeit vor. Eines Tages findet er im Zug einen USB Stick. Neugierig liest er das darauf gespeicherte Tagebuch von Julie. Diese beschreibt ihre Erlebnisse als Toilettenfrau wunderbar tragisch-komisch. Als Leser kann man sich ihren Arbeitsalltag bildlich vorstellen. Guylain hat sofort das Gefühl hier eine Seelenverwandte gefunden zu haben und macht sich gemeinsam mit einem ehemaligen Arbeitskollegen auf die Suche nach der Tagebuchschreiberin.

Ich habe das Buch innerhalb von einem Tag gelesen, da es tatsächlich durch die verschiedene Einschübe von anderen Büchern bzw. dem Tagebuch von Julie sehr kurz ist. Viele Seiten füllen nur kurze Ausrisse aus dem Tagebuch oder aus den anderen Büchern. Aber nicht nur die Kürze des Buches macht ein Schnelllesen möglich, sondern auch der Inhalt selbst. Man möchte einfach wissen, ob Guylain Julie findet und ob es ein Happy End geben wird. Man fliegt nur so durch die Seiten und fiebert mit, ob die Beiden, die im Leben scheinbar verloren haben, nun doch einmal gewinnen.

Dieses kleine Büchlein ist wirklich ein großer Schatz. Man kann ein paar Stunden selbst dem Alltag entfliehen und das Lesen genießen. Ich habe mitgeschmachtet und kann das Lesen wärmstens empfehlen.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Anja Jonuleit: Die fremde Tochter

Ich habe mich anfangs sehr schwer getan mit diesem Buch und bin letztlich froh, durchgehalten zu haben. Die Geschichte fängt sehr harmlos und langsam an, um dann gegen Ende nicht nur mehr Fahrt sondern auch mehr Dramatik aufzubauen.

Lin Berwanger, die Hauptfigur, erfährt ein Familiengeheimnis und unter anderem dadurch auch, dass ihr Vater der TeemeisterMonsieur Cho ist. Sie sucht diesen kurz auf und verschwindet danach. Cho begibt sich auf die Suche nach ihr und lüftet Stück für Stück das Geheimnis.

Erzählt wird aus zwei Perspektiven - einmal die Familiengeschichte angefangen 1978 in Frankreich & China und die aktuelle Zeit mit der Suche von Cho nach seiner Tochter. Beide Zeitzonen werden ca. alle drei Seiten gewechselt. Also sehr kurze Abschnitte, was das schnelle Weglegen des Buches erlaubt. An manchen Stellen hat mich die "alte" Geschichte mehr gefesselt und ich habe die Seiten der Suche eher überflogen. Monsieur Cho löste bei mir keine so richtige Fazination aus. Er blieb vor allem in der Beschreibung von 1979 eher blass und imHintergrund. Umso mehr kann man sich aber in das Leiden der Frauen der Familie Berwanger hineinversetzen und mitfühlen.

Die Beschreibungen der Teezubereitung nimmt einen großen Teil vor allem am Anfang des Buches ein und ist ein wenig ermüdend. Umso mehr lohnt es sich, weiter zu lesen und das auflösende Ende kennenzulernen.

Leseempfehlung :-)

Dienstag, 6. Januar 2015

Graham Swift: Wärst du doch hier

Herrje, da steht bei Amazon in der Bewertung, dass das Buch spannend ist...und ich quälte mich durch. Ich habe immer wieder erwartet, gleich kommt ein Ereignis, gleich passiert etwas...aber nein, es dümpelt vor sich hin und lediglich auf den letzten Seiten konnte ich etwas Spannung finden.


Die Geschichte ist recht schnell zusammengefasst: Hauptakteur Jack beschreibt in verschiedenen Rückblenden, gern auch recht durcheinander, das Familienleben und da v.a. den Tod der Familienmitglieder - Mutter stirbt an Erkrankung in Folgen der zweiten Schwangerschaft, Vater erschießt sich, Bruder fällt im Krieg. Hinzu kommt Ellie als Liebe seines Lebens und vom Nachbarhof. Zwischen den beiden entsteht eine Spannung über die vielen Jahre und am Ende dann das einzig aufregende im Buch. 
Graham Swift beschreibt sehr ausführlich die Familiengefüge und die Gefühle aller Handelnden. Oft gibt es auch Überlegungen, was "hätte" passieren können. Was "wäre wenn". Letztlich fand ich das Buch einfach nur ermüdend und ich habe extrem viele Seiten nur quer gelesen. Eine Lesempfehlung gibt es hier leider ganz und gar nicht.