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Montag, 28. März 2016

Hendrik Berg: Lügengrab

Kommissar Krumme ist urlaubsreif und verreist auf die Hallig Hooge für zwei Wochen. Alle wundern sich, dass er gerade so eine kleine Insel auswählt, er aber wünscht sich nichts als Ruhe. Schon auf der Überfahrt lernt er Swantje kennen, die nach drei Jahren ihre Heimat das erste Mal besuchen möchte. Sie wurde damals kurz vor der Hochzeit von ihrem Bräutigam Marc sitzen gelassen. So ganz kann sie das nach wie vor nicht glauben, weil er ohne ein Wort verschwand und alle ihre Freunde ihn zuletzt sahen, aber nicht so recht mit der Wahrheit rausrücken. Es kommt fast, wie vermutet, Kommissar Krumme hat keinen ruhigen Urlaub, sondern wird immer mehr in die Geschichte von damals hereingezogen und sein Gefühl sagt auch ihm, dass etwas mit dem Verschwinden von Marc nicht stimmt. 
Der Kriminalroman ist lange eher eine Geschichte über den Urlaub des Kommissars, eine Beschreibung der Einwohner der Hallig und zu guter Letzt eine ausführliche Beschreibung von der Nordseeinsel und dem Wattenmeer. Erst langsam nimmt die Geschichte Fahrtauf. Unterbrochen wird das ganze immer mal wieder von kleinen anonym beschriebenen Morden, die dem Leser erahnen lassen, dass auf der Insel ein Ungeheuerzu wohnen scheint. Man beginnt mit dem Verdächtigen aller, kann sich aber kaum einen Reim wirklich darauf machen. Zum Showdown wird es dann richtig dramatisch und spannend, die Auflösung hat mir persönlich sehr gut gefallen und war definitiv anders, als erwartet. So sollte ein Kriminalroman sein! Wer zudem noch Lokalkolorit schätzt - in dem Fall Nordsee-Insel - dem ist dieser Roman sehr zu empfehlen.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Arno Strobel: Die Flut

Während des Lesens mache ich mir manchmal Notizen über das Buch und nehme diese dann gern her zum Schreiben einer Rezension. Bei Arno Strobels "Die Flut" stand auf dem Zettel mehrfach ein und dasselbe Wort: spannend. Das ist dieses Buch auf jeden Fall und ich habe es kaum aus der Hand legen können.
Auf der Insel Amrum machen Julia und Michael gemeinsam Urlaub mit Michaels Arbeitskollegen Andreas und dessen Frau Martina. Andreas hat ein geerbtes Haus auf Amrum und möchte die Ferien nicht alleine mit seiner Frau verbringen. Warum das so ist, wird schnell klar und auch konsequent durch den ganzen Roman fortgeführt: Martina ist eine sarkastische, vom Leben mit Andreas genervte Ehefrau, die permanent meckert. Selbst als Leser ist man irgendwann von der Meckerei bedient und kann v.a. Julia verstehen, die ihr immer mehr aus dem Weg geht. 
Mitten im Urlaub geschehen auf einmal Morde an Pärchen auf bestialische Art und Weise. Die Frau wird am Strand bei Ebbe eingegraben, der Mann daneben gefesselt. Bei Flut ertrinkt die Frau langsam und der Mann muss hilflos dabei zusehen. Die Morde steigern sich - eine logische Konsequenz.
Die ermittelden Polizisten bieten alle Klischees auf, die zu finden waren: böser Bulle, guter Bulle, dorftrotteliger Polizist und der Hilfssheriff. Trotzdem macht es Spaß, den Ermittlern über die Schulter zu schauen und mitzurätseln.
Die Spannungen und Ängste auf der Insel und zwischen den beiden Paaren werden glaubhaft beschrieben. Der Stress, den ein freilaufender Mörder erzeugt, ist quasi spürbar. Die vielen möglichen Verdächtigen machen es dem Leser schwer, auf die richtige Lösung zukommen. Ich habe immer wieder zwischen den Verdächtigen gewechselt, alle scheinen möglich zu sein.
Kleine Schwachpunkte gibt es allerdings ebenso. Die Darstellung der Julia hat mich zusehends genervt. Zum einen ist sie so toll/schön, dass alle sie begehren und anstarren. Das erscheint mir doch etwas übertrieben. Und zum anderen erfolgt als Reaktion auf Konflikte immer wieder dasselbe - sie rennt schreiend auf die Dünen heraus. Dies ist einfach anstrengend und teilweise so unnötig. 
Wer einen Roman mit Lokalkolorit erwartet, ist hier leider nicht gut bedient. Die Insel ist als Schauplatz austauschbar und könnte jede Insel an der Nordsee sein. Typische Dinge wie lokaler Dialekt oder Traditionen sind Fehlanzeige, lokale Spezialitäten kommen am Rande vor, haben aber keinen direkten Einfluss auf die Handlung.
Das Ende des Thrillers kommt recht plötzlich und kurz, aber unerwartet und gibt daher einen schönen Abschluss. Für mich ist das Buch absolut zurecht auf den Bestsellerlisten und auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

Andrea Sawatzki: Der Blick fremder Augen

Kein Kriminalroman im klassischen Sinne, eher ein Roman über die Psyche eines Mörders gespickt mit Ermittlungen einer Komissarin ist das neue Buch von Andrea Sawatzki "Der Blick fremder Augen". Die Komissarin Melanie Fallersleben wird mit mehreren Tötungen konfrontiert und schnell wird klar, dass es sich hierbei um einen Rachefeldzug handelt. Für den Leser wird der Täter schon früh offenbart und die Jagd - besser gesagt der Wunsch diesen Aufzuhalten - steht im Mittelpunkt. 
Beschrieben wird die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven. Hierbei werden einzelne Charaktere und Erlebnisse wiedergegeben, was aber fast nur stichpunktartig erfolgt. Ein großes, gesamtes Bild lässt sich nur von der Hauptfigur, dem Täter bilden. Und hier ist auch das erschreckenste Bild - jahrelanger Missbrauch als Kind in verschiedenen Formen prägen das Leben des Täters. Andrea Sawatzki versteht es trotz ihrer nüchternen, kurzen Sätze das Grauen für den Leser erlebbar zu machen. Man leidet mit und man rächt mit.  
Die Komissarin ist persönlich involviert und wird vom Täter mit einbezogen. Ich bin immer kein großer Fan von solchen Zufällen, aber es wird hier logisch und zurückhaltend angelegt, so dass es erträglich ist.

Spannend ist das Buch trotz der frühen Klarheit des Täters, da man wissen möchte, wie der Stop erfolgen wird und wer noch alles Opfer werden wird. Das naheliegenste Opfer trifft es dabei erst recht spät - man ist fast versucht zu sagen: Typisch, den Verursacher trifft es nicht (oder wie hier spät). 

Ich habe das Buch recht schnell gelesen, da die Kapitel sehr kurz gehalten sind, die Perspektiven schnell wechseln und der Schreibstil sehr prägnant ist. Ich kann diesen Roman empfehlen, wenn man gern etwas über die psychischen Hintergründe von Morden erfährt und weniger über das Fangen des Täters.





Freitag, 12. Februar 2016

Erik Valeur: Das siebte Kind

Den Roman "Das siebte Kind" von Erik Valeur bekam ich ausgeliehen mit den Worten: "Ich habe es nur so 200 Seiten lang geschafft, das ist so langweilig." Dem kann man zunächst erstmal zustimmen. Das Buch umfasst ganze 800 Seiten und wenn man es geschafft hat, kann man rückblickend durchaus sagen, dass die ersten 250 -300 Seiten nichts für das Buch tun. 

Die Kurzbeschreibung des Romans auf dem Klappentext klingt sehr spannend: "September 2001: Am Strand von Skodsborg in der Nähe des renommierten Kinderheims Kongslund wird die Leiche einer unbekannte Frau gefunden. Neben ihr ein Stück Treibholz, ein toter Kanarienvogel und ein merkwürdig geknotetes Seil. Die Tote kann nicht identifiziert werden, der Fall gerät in Vergessenheit – bis sich Jahre später das Bestehen des Kinderheims zum sechzigsten Mal jährt und ein schreckliches Geheimnis mit aller Gewalt ans Licht drängt. Ein Geheimnis, das mit dem Schicksal sieben ehemaliger Waisenkinder verknüpft ist und das Dänemark bis in die höchsten politischen Ebenen erschüttern wird …"

Leider beginnt das Buch aber erst einmal mit sehr ausführlicher Beschreibung der Beteiligten aus Politik und Presse. Hierbei wird vor allem die Verflechtung und gegenseitige Beeinflussung beider Seiten betont. Das Thema Ausländer und Abschiebungspraxis wird anhand zweier Gegner - Minister für Ausländerfragen und Anwalt für die Ausländer sowie das Thema Terroranschläge anhand vom 11. September 2001 ebenso eingeflochten. So gesehen eine durchaus aktuelle Themenwahl. Der Leser fragt sich aber stetig, was das denn nun genau mit den Waisenkindern und dem Waisenhaus auf sich hat und wieso so viele verschiedene Randthemen notwendig sind.

Für mich kam erst ab Mitte des Buches Spannung auf und ab da liest es sich der Roman flüssig. Dem Leser wird schnell klar, dass die Lösung nicht so einfach ist, wie sie zunächst dargstellt wird. Die Geheimnisse aus dem Waisenhaus und damit verbunden auch die Geheimnisse der Politiker, Presse und Polizei werden nach und nach gelüftet. Ganz klar wird die Skrupelosigkeit der Beteiligten dargestellt und die Verflechtung der verschiedenen Seiten wird kritisiert.

Zusätzlich zu den vielen schon vorhandenen Themen wird noch Abtreibungsproblematik und die Theorie, dass sich Gewalttätigkeit bzw. Geisteskrankheiten vererben abgehandelt. So kann man bei einem adoptierten Kind eben nie sicher sein, ob es nicht gewalttätige Eltern hatte und dann eben auch gewalttätig wird. Mir persönlich war das nun doch zu viel, weniger Themen hätten meiner Meinung nach jedenfalls genügt. Die Grundthese, dass adoptierte Kinder verkorkste Leben haben und nicht glücklich sein können, hat mir sehr missfallen.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschrieben und um mitzurätseln muss man  aufpassen und genau lesen. Viele Personen werden ausführlich vorgestellt und einzelne Lebensereignisse beschrieben. Hier wieder das Problem für den Leser, dass man nicht immer weiß, ob diese Ereignisse für die eigentliche Geschichte und Auflösung wichtig sind oder nicht. Man muss sich daher viele kleine Sachen merken, um dann festzustellen, dass die gar nicht relevant sind. Der Verdacht, wer dahinter stecken könnte und wer welche Taten zu verantworten hat, kommt dem Leser aber doch früher oder später und die Auflösung ist keine ganz große Überraschung. Lediglich bei einer beteiligten Person war ich erstaunt, da diese vorher nicht viel Raum einnahm und dann doch sehr viel kriminelle Energie besessen hat.

Ich bin bei diesem Buch durchaus zwiegespalten. Eine klare Empfehlung ist es nicht, dafür ist zu langatmig und zu viele Nebenschauplätze. Die "Haupt"-Geschichte aber ist sehr spannend und die Auflösung hat mir gut gefallen. Wer ein geduldiger Leser ist und die ersten 300 Seiten besiegt, wird durchaus mit einem vielseitigen Roman belohnt.

Donnerstag, 14. Januar 2016

Simon Beckett: Flammenbrut

Für mich war es der erste Roman von Simon Beckett, so dass ich keinen Vergleich zu seinen späteren sehr beliebten Büchern der Hunter-Reihe ziehen kann. Flammenbrut ist ein Frühwerk, welches ich in einer überarbeiteten Auflage von 2009 gelesen habe. 
Der Inhalt kurz zusammengefasst: Geschäftsfrau Kate ist auf Sinnsuche in ihrem Leben und findet, dass ein Kind genau das richtige jetzt wäre. Aber das ganze bitte ohne Partnerschaft, denn davon ist sie geheilt, seit sie vor 3 Jahren eine Beziehung zu ihrem damaligen Chef Paul hatte. Sie entscheidet sich daher für eine Samenspende. Eine anonyme Spende möchte sie nicht, deswegen sucht sie per Annonce einen Spender. Lediglich ein Kandidat meldet sich und ist perfekt, so dass sie die Befruchtung vornehmen lässt.
Dass das alles viel zu glatt verläuft und zu schön um wahr zu sein, ist, ahnt der Leser schon früh. Man möchte an mehreren Stellen Kate zurufen: "Nicht!" Die Geschichte insgesamt ist sehr vorhersehbar. Es ist eigentlich für fast jeden - außer Kate - klar, dass der Kandidat sich als jemand anderes ausgibt. Ihre halbherzigen Versuche, ihn zu überprüfen, enden immer in Gutgläubigkeit, die einfach nur anstrengend ist.
Das Buch pendelt immer zwischen Frauenroman mit Beziehungsproblemen und Thriller hin und her. Ein richtiger Thriller ist es meiner Ansicht nach nicht. Die Spannung ist zwar da, aber eben zu vorhersehbar und zu sehr mit unwichtigen Details ausgeschmückt. Oftmals werden Dinge erzählt, die rein gar nichts mit der Handlung zu tun haben - die keinen Sinn darstellen wie das Essen kochen oder welche Lichter Kate in ihrer Wohnung anschaltet. 
Leider für einen Thriller keine Leseempfehlung, für seichten Frauenroman schon eher.


Montag, 14. Dezember 2015

Charlotte Link: Die Betrogene

In Charlotte Links neuem Kriminalroman "Die Betrogene" ist Kate Linville die Hauptperson und damit auch die sich als Betrogene fühlende. Nachdem ihr Leben eher farblos und in ruhigen Bahnen verlaufen ist, wird ihr Vater- ein ehemaliger Polizist - grausam ermordet. Die Polizei vor Ort scheint im Dunklem zu Tappen, so dass sie als Tochter und Polizistin bei Scotland Yard in ihr Elternhaus zurückkehrt und mit den Ermittlungen beginnt. Im Laufe dieser geschehen weitere Morde und die Vergangenheit ihres Vaters entpuppt sich als nicht ganz so makellos wie angenommen. Kate fühlt sich daher von ihrem Vater getäuscht und betrogen. Sie macht sich auf die Suche nach dem Mörder und dem Grund der Rache. Der zunächst für die Polizei Hauptverdächtige verübt  in einem zweiten Schauplatz mehrere Verbrechen und wird so zu einer interessanten Nebengeschichte.

Spannung ist -fast wie bei Charlotte Link gewohnt - zweifelsfrei vorhanden. Die Geschichte lässt sich trotz der gut 640 Seiten schnell lesen und hat nur an einigen wenigen Stellen Längen. Die "Zweitgeschichte" um den Hauptverdächtigen ist in sich schlüssig und stellenweise fast noch spanndender als die eigentliche Frage nach dem Mörder von Kates Vater. Alle Charaktere werden mit einer Biographie versehen, die ihr Handeln logisch erscheinen lässt und die die Sympathie des Lesers eindeutig zu den "Guten" leitet. Jeder der Handelnden hat sein Päckchen zu tragen - wie eben auch im richtigen Leben. Dabei werden aber die Charakteristik und die Probleme nicht unendlich ausgewalzt, sondern bleiben immer nur Bestandteil für das Handeln der Personen. 

Der Grund für die Morde wird langsam aufgedeckt und man kann sehr lange miträtseln. Mir schwante ein Teil des Grundes schon recht bald, wer aber dahinter steckte, blieb mir auch recht lang verborgen, so dass Spannung bis fast zur letzten Seite herrschte. Der Showdown war ein wenig typisch für Rettung in letzter Sekunde und wirkte daher leider etwas unglaubwürdig.Gut fand ich, dass nach dem Showdown noch einmal der Fortgang erzählt wurde und der Grund für die Morde zusammengefasst wurde. Sicherlich brauchte es das nicht wirklich, aber es gibt einen schönen Abschluss.

Die ganze Story ist gut durchdacht, lebendig und nur mit einigen kleinen Längen z.Bsp. als ausführlich der Ermittlungsstand diskutiert wird.

Ich habe es sehr gern und schnell gelesen und finde es durchaus empfehlenswert.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Jochen Rausch: Rache

Spiegel-online schrieb über den Erzählband "Trieb"von Jochen Rausch: "Es wird Sie umhauen. Versprochen!"Ähnlich kann ich das neue Buch von Jochen Rausch "Rache"ebenfalls zusammenfassen. Ich bin begeistert von den Erzählungen und der Wortgewalt von diesem Autor.

In insgesamt elf Geschichten fasst er Situationen aus dem Leben, fast schon Alltag, auf, in denen die Hauptfigur Rache übt. Als Leser fiebert man fast ausschließlich mit dem Täter, dem Rachesuchenden, mit und hat kaum Bedauern für die Opfer übrig. Die Täter sind ausschließlich Männer, die Frage, ob die Opfer wirklich Schuld haben, wird nicht gestellt. Auch das es manchmal falsche Opfer trifft, wird offen gelassen. Der Leser kann hier selbst sein Urteil bilden.

In den Geschichten wechselt Jochen Rausch die Erzählperspektiven und Zeitebenen quasi fließend. Trotzdem lassen sich die Geschichten flüssig lesen und bereiten ein leichtes Frösteln ganz ohne die Brutalität, die viele Thrillerautoren dafür benötigen. Nach jeder Geschichte musste ich erstmal durchatmen und diese quasi "sacken lassen". 

In einigen Geschichten wechselt der Erzähler zwischen verschiedenen Beteiligten in schnellem Tempo hin und her, so dass man aus verschiedenen Blickwinkeln ein und dasselbe Geschehnis betrachten kann. Gerade diese Erzählungen fand ich besonders gelungen, da sie ein umfassenderes Bild vom Täter und der Tat überliefern.

Die Geschichten haben eine große Bandbreite - angefangen von dem betrogenen Partner, über den missbrauchten Messdiener, der sich am Pfarrer rächt bis hin zum DDR-Verfolgten, der seinem Verräter plötzlich gegenüber steht. Durch diese Vielfalt ist es dem Leser möglich, eine eigene Situation sich gut vorzustellen bzw. sich hinein zu versetzen.  Und gerade das macht dieses Buch so unheimlich und die Erzählungen so spannend. Der Leser fragt sich automatisch, würde ich das auch tun?

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Karen Sander: Wer nicht hören will, muss fühlen.

Mein zweiter Roman von Karen Sander ist gleichzeitig der zweite Thriller der Karen Sander Reihe im Rowohlt Verlag. Nach "Schwesterlein, komm stirb mit mir" folgte mit "Wer nicht hören will, muss fühlen" ein weiterer Thriller mit den Hautpfiguren Georg Stadler, dessen Team und der Psychologin Liz Montario. 

Erneut macht ein Serienmörder "die Runde" und die Polizei bittet um Mithilfe bei der mittlerweile in England lebenden Liz Montario. Diese steht auch sofort zur Verfügung und kann gleich ihren Problemen in England, wo sie wieder einmal in einem spektakulären Fall einen Verdächtigen entlastet hat, entfliehen. Diese England Geschichte und die Liebesgeschichte von ihr dort, läuft parallel zur Mörderverfolgung in Deutschland durch das ganze Buch - quasi als Nebenschauplatz. Eine Verbindung zwischen dem Fall in England und in Deutschland erfolgt nicht.

Der Mörder in Deutschland hinterläßt in den Kehlen seiner Opfer Zeitungsausschnitte. Diese Hinweise versucht das Team zu entschlüsseln und arbeitet dabei gegen die Zeit, denn es verschwinden weitere junge Menschen, die per Anhalter unterwegs waren. 

Die Geschichte ist schlüssig aufgebaut und hat viele kleinere Nebengeschichten, die zum Teil dann mit dem eigentlichen Mörder nichts zu tun haben. Der Leser wird aber dadurch ebenso wie das Ermittlerteam auf falsche Fährten geführt. Letztlich wird derwahre Täter aber ermittelt und dem Leser kommt ebenso der richtige Verdacht - ein Showdown erfolgt. 

Was mich persönlich wieder stört, ist die Verwicklung der Ermittler in den Fall. In diesem Buch ist Georg Stadtler persönlich involviert und seine geschätzte Kollegin Birgit wird zum Opfer. Für mich sind solche Handlungsstränge immer zu unrealistisch. Ein weiteres Manko ist, dass Frau Sander offenbar nur abgetrennte Gliedmaßen kennt. Auch im ersten Thriller der Reihe wurde schon fröhlich gehackt; in diesem Buch nun wieder. Ein Überraschungselement ist das nicht mehr. 

Spannend geschrieben ist die Fortsetzung dieser Reihe aber allemal, ich habe das Buch innerhalb von 1,5 Tagen verschlungen. Gut machbar, da es aus vielen kurzen Kapiteln besteht und so ein schnelles zwischendurch Lesen ermöglicht. Wer sich an dem persönlich involvierten nicht stört, findet hier einen gut gemachten Thriller mit einer komplexen Story in einem hohen Tempo erzählt. 

Mittwoch, 18. November 2015

Nora Roberts: Ein dunkles Geschenk

Also eines steht nach dem Buch fest - ich brauche eine Pause von Nora Roberts. Die Story ist interessant, die Protagonisten sympathisch, Spannung ist gegeben und trotzdem war ich ab Mitte des Buches irgendwie genervt von der heilen Welt. Das das Gute gewinnen wird, steht von vornherein fest und nimmt einem fast die Spannung. Man bleibt nur dran, weil man wissen will, wie die Hauptfiguren es schaffen, die Bösen zu besiegen. Dass sie siegen werden, zweifelt man an keiner Stelle im Roman. Wirklich anstengend fand ich aber die entstehenden Beziehungen und das man gleich zwei Heiratsanträge vom Stapel lassen mußte. Etwas weniger Dramatik hätte auch genügt und würde die Geschichte glaubwürdiger machen.  
Kurz zur Story an sich: Lila ist eine Vagabundin ohne festen Wohnsitz, die als Homesitterin und Autorin ihr Geld verdient. Während des homesittings beobachtet sie gern die Nachbarschaft. Eines Tages wird sie so Zeugin von einem Mord an einem Pärchen vom Haus gegenüber. Auf der Polizeistelle steht sie dann dem Bruder des Ermordeten gegenüber und freundet sich mit ihm an. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Mörder und zunächst v.a. nach dem Grund von dem Mord. Die Nachforschungen führen sie in die Kunstsammler-Szene und schon bald besteht auch für ihr beider Leben äußerste Gefahr.
Wie schon anfangs erwähnt, steht bei Nora Roberts neben der kriminalistischen Geschichte ja auch immer die romantische Seite im Vordergrund. Die Liebesgeschichte nimmt einen großen Platz im Roman ein und macht die Mördersuche fast zum Nebenschauplatz. Man hat hier also eher einen Liebes-/Frauenroman vor sich als einen Krimi. Gut gemacht ist der Roman auf jeden Fall, da die Story ausreichend Spannung, gute Charaktere und viele Schauplätze hat. Für mich nicht das beste Roberts Buch, aber durchaus lesenswert für nette Unterhaltung auf dem herbstlichen Sofa oder im Urlaub am Strand.

Donnerstag, 5. November 2015

Ursula Poznanski: Fünf

Ein Thriller, den ich kaum aus der Hand tun konnte und bei dem ich so in das Lesen vertieft war, dass man mich fürchterlich erschreckt hat, als man mich nur einfach kurz gerufen hat. So soll es doch sein! Leseempfehlung daher gleich am Anfang - ja dieses Buch ist spannend, hat eine rundherum gelungene, fantasievolle Story und lebendige Charaktere. Da konnte ich auch über die persönliche Einbindung der Komissarin in die Geschichte fast hinweglesen. Für Fans von Geocaching ist das Buch wahrscheinlich fast noch spannender als für andere, da sie sich in die Geocaching Jagd vom Mörder hinheinversetzen können.
Mittels einer Geocaching Jagd wird die Polizei zu verschiedenen Opfern geführt und versucht dabei natürlich schneller als der Täter zu sein. Dies misslingt das halbe Buch lang, so dass durchaus einige Opfer mit verschiedenen Grausamkeiten geqäult werden. Hier ist die Beschreibung teilweise so real, dass einem spontan das eine oder andere Körperteil weh tut beim Gedanken an die Form der Misshandlung. Die Jäger des Täters sind im Wesentlichen eine Komissarin, die mit ihrer Scheidung und dem Umsorgen ihrer beiden Kinder an sich schon genug zu tun hat und ein Ermittler, der frisch verliebt zu sein scheint. Ergänzend kommt noch der Kollege dazu, der Geocaching Experte ist, der forensische Psychiater, mit völlig absurden Theorien und der unsympatische Chef der Truppe. Die Neben- bzw.Privatgeschichten nehmen einen ausreichend großen Platz ein, machen aber das Buch auch lebendig. Den Kampf zwischen Beruf und Kinderbetreuung kann man sich gut vorstellen.
Die Motivation des Täters und die Auflösung der Story nimmt viele Seiten ein, so dass es nicht nur ein abruptes Ende gibt wie so häufig. Erschreckenderweise hat man sogar Verständnis für den Täter. Die ganze Geschichte ist gut konstruiert, man kann als Leser gut mitfiebern und rätseln. Die Lösung selbst wäre mir nicht eingefallen, das lag nicht unbedingt an fehlenden Informationen sondern eher an der Ungeheuerlichkeit im Vorgehen des Täters.

Ferdinand von Schirach: Verbrechen

Lange auf meiner Liste, endlich mal in die Hände bekommen. Gerade bei solchen Bestsellern frage ich mich ja immer, sind die wirklich so gut oder hatte da einfach nur jemand Glück einen Hype zu erwischen. 
Ferdinand von Schirach seines Zeichens Strafverteidiger aus Berlin bereitet in seinem literarischen Werk elf Geschichten aus seinem Berufsleben auf. Dabei wird angegeben, dass diese wahr seien. Das kann man so hinnehmen oder nicht - ändert ja nichts an den Geschichten, die sehr schnell zu lesen sind. Seine Beschreibungen sind durchweg klar und mit knappen, kurzen Sätzen. Die Geschichten lassen sich dadurch sehr angenehm lesen und man hat auch das Gefühl, er berschränkt sich nur auf das nötigste. Kein großes Juristendeutsch, keine großen Ausführungen wie genau der Prozess dann ablief - dies wird alles nur kurz angerissen und macht das Buch auch für Nicht-Juristen spannend und erklärt womöglich auch den Erfolg.
Auffällig ist, dass die Schicksale ohne Mitleid für die Lebensumstände der Verbrecher erzählt werden. Der Leser kann hier also durchaus selbst sich eine Meinung bilden und Sympathie für oder gegen den Verbrecher/Opfer entwickeln. Als Strafverteidiger ist erlogischerweise weitaus mehr auf der Seite der Verbrecher und erzählt aus deren Sicht. 
Die Geschichten lesen sich flüssig und leicht hinweg, man kann das Buch gut in ein/zwei Tagen durchlesen. Es ist, wie ich finde, nicht umsonst hochgelobt. Die Art zu schreiben und die ausgewählten Geschichten sind interessant und kurzweilig.

Montag, 26. Oktober 2015

Camilla Läckberg: Die Totgesagten

Dieses Wochenende stand wieder ein Kriminalroman auf den Plan und ich habe das Buch tatsächlich schon durch. Das spricht ganz eindeutig dafür, dass "Die Totgesagten"von Camilla Läckberg ein solider Kriminalroman mit einem sehr guten Spannungsbogen ist.

Zu Beginn werden die verschiedenen Figuren recht schnell eingeführt. Alle erhalten eine kleine Hintergrundgeschichte (Hochzeitsvorbereitung, Liebesgeschichte, Schwangerschaft, schweres Unglück...). Diese wird im ganzen Roman für jede Figur verfolgt, aber immer in sehr angenehmen Dosen und man kann sehr schön mitleiden mit den Personen. Warum letztlich die Morde geschehen "mußten", wird sehr logisch aufgebaut und man kann die Entwicklung hin zum Mörder sehr gut nachvollziehen. Auch die Polizeiermittler lassen einen miträtseln und erst kurz vor Ende dämmerte mir, wer hinter all dem steckt.

Eine Zusammenfassung des Inhaltes ohne zuviel vorweg zu nehmen, ist relativ schwer, da alles schließlich miteinander verwoben wird. Vielleicht einfach der Klappentext, der mich neugierig gemacht hat auf dieses Buch: "Die Hochzeitsvorbereitungen von Erica Falck und Patrik Hedström werden von einer blutigen Mordserie überschattet. Die einzige Fährte: Neben den brutal zugerichteten Frauen finden die Ermittler eine Seite aus dem Märchen Hänsel und Gretel."

Ganz klare Leseempfehlung für spannenden Kriminalroman mit sympathischen Figuren und flüssigem Erzählstil.

Montag, 19. Oktober 2015

Karen Sander: Schwesterlein, komm stirb mit mir

Ein deutscher Kriminalroman, der mal nicht lokalpatriotisch daher kommt, sondern sich an den ganz großen Thrillerautoren messen will. Leider ist das nur ein kläglicher Versuch. Die handelnden Figuren sind stereotyp. Man hat teilweise das Gefühl, dass alle üblichen Klischees abgearbeitet werden müssen. Spannung wird erzeugt in dem man den Leser vorwarnt, dass es gleich "hinter der Tür ganz schlimm kommt..."

Aber von Anfang an: nachdem ich viel positives über Karen Sanders Romane gelesen habe, wollte ich mir auch mal ein Bild machen und habe mir drei Romane vorgenommen. Den Erscheinungsdaten zu folgen, schien mir am logischsten, also starte ich mit "Schwesterlein, komm stirb mit mir".

Der Titel verwirrt am Anfang und macht erst gegen Ende Sinn. Da die Story etwas sehr konstruiert ist, bin ich auf die Lösung erstmal nicht gekommen. Dies ist durchaus positiv, da so die Spannung erhalten blieb und ich das Buch zu Ende gelesen habe. Allein für die Beschreibungen des Kommissars Georg Stadler und der Psychologin Liz Montario gibt es einen ganz großen Minuspunkt. Man hält es kaum aus, was da für Rollen verteilt werden: der taffe Polizist, der ein begehrenswerter Kerl ist und dem die Frauen nachrennen; seine Kolleginnen, die entweder völlig blass sind oder Sexbombe, die Psychologin, die eigentlich selbst ein gestörtes Huhn ist usw. Etwas weniger auftragen, wäre gut gewesen.

Der Spannungsbogen ist aber durchaus in Ordnung, die Morde purzeln nur so heran, man kommt kaum nach. Die gesamte Geschichte ist logisch und auch mal etwas neues. Die Beschreibungen der Leichen hat mich kaum geschockt, obwohl sich Karen Sander sehr viel Mühe bei den Grausamkeiten gegeben hat. Lesenswert ist es, Leseempfehlung würde ich aber v.a. für Krimifans nicht geben.

Nora Roberts: Die letzte Zeugin

Meine perfekte Urlaubslektüre war der Roman "Die letzte Zeugin" von Nora Roberts. Entgegen der Beschreibung auf dem Buchumschlag ist das Buch mehr Liebesroman als Thriller. Es liest sich zwar flüssig und teilweise auch spannend, hat aber gerade mit der Liebesgeschichte seine Längen. Für ein nebenbei Lesen am Strand super.

Das Buch startet mit einer Rückblende. Elizabeth Fitch, die Hauptfigur und bis dato brave Tochter, bricht aus ihrer Welt aus und amüsiert sich mit einer Freundin für eine Nacht. Leider geraten die beiden Mädchen dabei an die Russenmafia und die Freundin wird erschossen. Dies beobachtet Elizabeth und flieht. Von da an lebt sie unter falschen Identitäten und permanent auf der Flucht. 

Im Roman springt man dann auf 12 Jahre später - wo sie sich in einem kleinem Ort in Arkansas niedergelassen hat und versteckt lebt. Zufällig verliebt sich der Ortssheriff in sie und stellt ihr solange nach, bis sie sich erweichen lässt. Diese Geschichte hat nicht nur ihre Längen sondern auch fürchterliche Klischees. Ich habe teilweise sehr schnell geblättert...

Zum Showdown muß es natürlich am Ende noch kommen - leider ist der recht kurz und vorhersehbar.

Die Buchidee ist sehr gut, die Umsetzung im Mittelteil leider etwas langatmig, deswegen nur als Urlaubslektüre empfehlenswert.

Freitag, 2. Oktober 2015

Peter Hoeg: Der Susan Effekt

Peter Hoegs neuer Thriller ist vor allem erstmal eines: ein typischer, klassischer und perfekter Hoeg-Roman. Man braucht etwas Muße, um durchzuhalten und alle Zusammenhänge zu verstehen. Spannend ist er aber ohne Frage und ich bin begeistert.

Die Hauptfigur Susan hat eine Eigenart, alle zum Reden zu bringen. Die Menschen verspüren sofort Zutrauen zu er Physikerin und vertrauen ihr alles Mögliche an, so dass sie für die Wissenschaft und Politik durchaus eine interessante Persönlichkeit ist.  

Zusammen mit ihrer dänischen Familie erlebt Susan am Anfang des Buches einen wahren Albtraum in Indien: Der Vater brennt mit einer 17jährigen Maharadscha-Tochter durch, Susan kommt wegen versuchten Totschlags ins indische Gefängnis, ihr Sohn ebenso wegen versuchten Antiquitätenschmuggel und die Tochter brennt mit einem Priester durch. 

Um ihre Familie und sich zu retten, wird Susan aufgefordert, in Dänemark ein Protokoll der letzten Sitzung einer Geheimgesellschaft zu besorgen. Diese Organisation nennt sich Zukunfskommision und macht Vorhersagen zu politischen und wirtschaftlichen Ereignissen. Susan kennt einige Mitglieder davon wie sich herausstellt und besucht nacheinander diese. Sie versucht, an dieses Protokoll zu bekommen und erlebt dabei jede Menge Morde, überraschende Wendungen - und am Ende im großen Finale auch noch die Überraschung, wer hinter all dem steckt.

In dem Buch gibt es jede Menge abstruses, komisches, ernstes, gruseliges - eine Mischung aus allem eben. Die Hauptfigur Susan blieb mir völlig unsympathisch. Ein Mitfiebern fand nicht statt, aber der Spannungsbogen ist gut, so dass man auf jeden Fall dran bleibt bis zum Schluss.

Für mich eine klare Leseempfehlung!

Dienstag, 26. Mai 2015

Kristina Ohlsson: Aschenputtel

Ein für Eltern erst mal besonders gruseliger Beginn: ein Zug fährt mit dem Kind ab, während Ihre Mutter am Bahnhof aufgehalten wird...am Endbahnhof wird das Kind dann entführt.

Was wie eine Zufallstat und "günstige" Gelegenheit aussieht, ist in Wahrheit eine ganz gezielte Entführung dieses Kindes. Weitere Grausamkeiten folgen...und am Ende erfolgt das spektakuläre Aufspüren des Täters.

Dabei ist dem Leser (leider) schon etwas eher klar, was die verschiedenen Opfer verbindet. Man möchte quasi die Polizisten rütteln und auf das naheliegende Verweisen. Hier ist die Schwäche des Thrillers - es wird viel über die verschiedenen Polizisten und deren Positionen geschrieben.

Trotzdem fand ich es spannend und interessantes Thema. Ich empfehle den Thriller als Urlaubslektüre :-)

Dienstag, 17. März 2015

Sabine Kronbichler: Das Verstummen der Krähe

"Das Verstummen der Krähe" ist ein sehr gelungener Kriminalroman. Die Spannung wird durch das ganze Buch gehalten und das Mitraten und Vermuten, wer der Mörder ist, ist dem Leser jederzeit möglich. Die Handlungstränge machen Sinn und das Ergebnis ebenso. Es wird einem nicht einfach eine Lösung präsentiert, sondern mit dem Leser zusammen "erarbeitet". So muß ein spannender Krimi sein!

Der Ausgang der Geschichte ist, dass die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo vor einem besonders schwierigen Auftrag steht. Die Verstorbene Theresa Lenhardt möchte ihr Erbe ihren besten Freunden hinterlassen. Doch die Erbschaft darf nur freigegeben werden, wenn Frau Mahlo einen Mord von vor 6 Jahren im Freundeskreis aufklärt. Theresa Lenhardts Mann  war dafür in ihren Augen unschuldig verurteilt worden.
Als Kristina Mahlo mit den Hinterbliebenen Kontakt aufnimmt und tief in der Vergangenheit der Erben gräbt, taucht plötzlich der Name ihres Bruders Ben auf, der vor vielen Jahren einfach spurlos verschwand. Kristina ermittelt weiter im Freundeskreis der Toten und stellt sich immer wieder die Frage, welche Verbindung zwischen den fünf Personen und ihrem verschollenen Bruder besteht.
Die gesamte Geschichte ist in "Ich"-Erzähler  Perspektive geschrieben und hat ein paar nette Nebengeschichten wie die Krähe, die täglich vorbei schaut auf dem Hof, die Eltern von Frau Mahlo, die seit dem Verschwinden des Bruders eine gestörte Beziehung haben etc.
Einzig, was mich etwas störte, war die Themenvielfalt die angerissen wurde - von künstlicher Befruchtung über V-Mann, Überfall im Park, sehr teure abgeschnittene Bonsaibäume usw.  Etwas weniger Themen hätten eventuell auch genügt.

Durch die Spannung und die letztliche Auflösung der Geschichte, aber eine klare Leseempfehlung.

Dienstag, 10. Februar 2015

Beverley Harper: Heller Mond in schwarzer Nacht

Das Buch ist mir durch Zufall in die Hände gefallen. Es ist schon etwas älter und nur noch gebraucht erhältlich. Es wird wohl eher auch keine Neuauflage geben, denn es ist ein Roman von vielen. Mich hat das Buch aber so gefesselt, dass ich es immer kaum erwarten konnte, weiterzulesen. Dies finde ich immer ein gutes Zeichen.

Zunächst werden die ersten gut 300 Seiten die Personen vorgestellt, die im Roman vorkommen. Hierbei gibt es die unterschiedlichsten Charaktere und Konstellationen. Allen gemeinsam ist ein Aufenthalt in einer Lodge in Namibia. In der luxuriösen Safari-Lodge im Etoscha Nationalpark erwarten Angestellte und Ranger die letzte Besuchergruppe des Jahres. Die reichen Gäste aus Europa und Übersee sind verzaubert von Landschaft und Tierwelt. Eine Elefantenkuh zwingt schließlich eine Gruppe von Zoologiestudenten, ebenfalls in der Lodge Zuflucht zu suchen. Es bilden sich erwartungsgemäß erste Paare, wobei die Ranger etwas einseitig dargestellt werden. Diesen wird ein Animationsklischee verpasst, welche die Gäste nicht nur zur Safari und zum Essen begleiten, sondern auch noch anderweitig beglücken. Dies ist etwas daneben und auch für die eigentliche Geschichte überflüssig.

Spannend wird die ganze Geschichte dann erst richtig mit dem Überfall von Rebellen aus Angola. Diese nehmen alle Gäste und Angestellte als Geiseln und sortieren nach Nutzen aus. Ziel ist es, mit den nützlichen Geiseln Erpressergelder zu erhalten. Eine Odysee durch das Hinterland von Namibia in Richtung Angola beginnt und der Kampf ums Überleben. Ich gebe zu, dass ich ein paar Seiten quer gelesen habe, da mich die genaue politische Beschreibung nun nicht mehr interessiert hat.

Gut ist am Ende - als die Geiselnahme beendet wurde - noch ein Ausblick kommt, was aus den einzelnen Personen geworden ist. Dies gibt einen schönen Abschluss.