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Mittwoch, 18. November 2015

Hagen Seidel: Schrei vor Glück. Zalando oder shoppen gehen war gestern

Zur Abwechslung fand ein Sachbuch den Weg zu mir: von Hagen Seidel "Schrei vor Glück. Zalando oder shoppen gehen was gestern." Beim Titel weiß man eigentlich fast sofort, dass die Zalando Werbung mit den kreischenden Damen gemeint ist. Im Buch versucht Hagen Seidel die Entstehungsgeschichte von Zalando wiederzugeben und dem Phänomen des Erfolges auf den Grund zu gehen. 

Ich möchte eigentlich gar nicht viel dazu sagen, da ich es nur quer gelesen habe. Es war mir viel zu uninteressant, viel zu Mainstream und v.a. ohne wirkliche neue Informationen. Gefühlt ist das ganze eine kleine Homage an die Samwer-Brüder. Wer Branchenkenntnisse zum Onlinebusiness noch nicht hat, wird hier einiges sicherlich dazu lernen können. Mir persönlich war es zu langweilig.

Leider bleiben auch kritische Themen eher außen vor - wie Löhne, Arbeitsbedingungen und letztlich der fehlende Gewinn. Das Investoren aussteigen könnten, kommt nur am Rande zur Sprache. Autor Seidel sieht das ganze Unternehmen positiv und blickt optimistisch in die Zukunft für Zalando. Schauen wir mal...
Leseempfehlung gibts keine, da reichen ein paar online Blog Artikel aus, um genauso viel zu erfahren über Zalando.

Mittwoch, 4. November 2015

Ute Glaser: Die Elterntrickkiste

...So bekommen Sie Zahnputzverweigerer, Gemüseverächter und alle anderen Widerständler spielend in den Griff.

So der vielversprechende Untertitel dieses Ratgebers. Das Buch ist schon etwas länger in meinem Besitz und wird immer mal wieder zu Rate gezogen. Durchgelesen ist es recht schnell, da es sehr großzügig in Kapitel unterteilt ist und sehr große Überschriften enthält, aber eher kurze Texte. Man kann querlesen bzw. einfach darin stöbern. Gekauft habe ich das Buch nach einer Empfehlung einer Zeitschrift. Ich hatte mir innovative Ideen und die Lösung für so manch kleines oder auch großes Problem erhofft.
Die behandelten Themen sind Sprache, Konsequenz, Miteinander, Beim Essen, Im Bad, Im Kinderzimmer, Schlfen, Unterwegs und universale Rezepte für viele Zwecke. Die Autorin vertritt durchweg den Ansatz, Kinder klare Regeln zu geben und konsequent zu sein. Hier bin ich ganz bei ihr. Was ich aber vermisst habe, sind wirklich neue Ansätze oder Ideen. Vieles war mir schon klar, manches selbstverständlich. Nur weniges hat mich wirklich zum Reflektieren vom eigenen Handeln gebracht und ich habe auch nur wenige Tipps wirklich ausprobiert. Gut und wichtig finde ich, dass man das Wort Nein sparsam verwenden sollte und anderseits nicht mit Lob sparen sollte. Das vergisst man doch zu leicht im Alltag. 
Negativ ganz klar die Verhaltensregeln beim Essen - bis hin zum propagierten Aufessen. Aber man muß ja nicht alles umsetzen, was in einem Buch steht und kann sich selbst heraussuchen, was zu einem passt.
Ich finde dieses Buch durchaus hilfreich, da es viele verschiedene Themen behandelt, einen schnellen Überblick bzw. gezieltes Lesen der Tipps ermöglicht. Nicht alle Ideen sind innovativ oder neu, aber die Mischung an Ratschlägen ist durchaus gelungen. Bei einigen Ratschlägen hatte ich mir mehr Tiefgang gewünscht - z.Bsp. wie man einen Trinkverweigerer animiert. Hier ist ihre Idee nur ein Trinkspruch, Zuprosten und selber Vormachen. Das funktioniert aber eben nur kurzzeitig und ist in meinen Augen keine wirkliche Lösung. 
Ich tue mich etwas schwer mit einer Empfehlung für dieses Buch. Es ist nicht der schlechteste Elternratgeber, den ich kenne, aber eben auch nicht 100% hilfreich. Vielleicht am besten einfach mal selbst reinblättern und schauen, ob einem diese Tipps weiterhelfen.


Freitag, 2. Oktober 2015

Sigrun Roßmanith: Sind Frauen die besseren Mörder? Spektakuläre Fälle einer Gerichtspsychiaterin

Ich bin bei diesem Buch etwas gespalten, was die Leseempfehlung betrifft. Frau Roßmanith gibt gleich am Anfang die Anwort auf die Frage und überaschenderweise lautet diese einfach Ja. Frauen sind ihrer Meinung nach die besseren Mörder - nicht, weil sie es geschickter anstellen, weniger "erwischt" werden oder so - sondern weil sie aus moralisch ansprechenderen Gründen morden. Wer also Schlimmes in der Kindheit erlebt hat, der darf dann auch morden. Sehr merkwürdiger Ansatz. Sicherlich ist mir klar, worauf die Autorin heraus will, aber die angesammelten Beispiele lassen einen als Leser eher nicht mitfühlen und die Frage nach den Opfern wird ganz ausgeklammert. Die Geschichten aus der Praxis sind durchaus interessant zu lesen, die Schreibweise ist sehr einfach gehalten, so dass man schnell durch ist. Wissenschaftlich belegte Theorien gibt es leider viel zu wenig wieder und einen höheren Anspruch als Unterhaltung bietet das Buch daher nicht. Man kann es lesen, muss man aber nicht - und kaufen schon gar nicht.


Montag, 14. September 2015

Tanja Dusy: 1 Salat- 50 Dressings. Würzig, cremig, herrlich frisch.

Ich gebe ja zu, dass ich Kochbücher viel mehr liebe als Kochen an sich. Ich bleibe regelmäßig an den Kochbüchern hängen. Sei es nur der Sonderangebots Haufen am Eingang der Buchhandlung oder auch das eigentliche Regal der Kochbüchr. Ich könnte stundenlang darin blättern und mich inspirieren lassen. Dementsprechend gibt es bei mir daheim auch das ein oder andere Kochbuch. Das momentan Gute ist, dass es regelrecht eine Schwämme an Veganen Kochbüchern gibt. Diese interessieren mich Null, da diese Ernährungsform für mich und meine Familie zu radikal ist. Daher ist meine Kaufwut bezüglich Kochbücher ganz gut in den Griff zu bekommen :-) 

Nicht destro trotz gibt es einige schöne Kochbücher in meinem Schrank, die ich Euch auch nach und nach vorstellt möchte. Beginnend mit dem neusten Zugang: 1 Salat - 50 Dressings.

Mein Problem bei Salat ist immer wieder, dass mir nur Standarddressings einfallen oder gar die schnelle Kräutertüte von Knorr nur angerührt wird. Das das auch besser gehen muß, leuchtete mir schon lange ein und so schaute ich mir die Salatshaker mit aufgedruckten Rezepten an. Dort gab es aber so viele negative Kritiken, dass ich mich nicht so recht für einen entscheiden konnte. Gleichzeitig wurde mir aber immer wieder eingeblendet, dass ich ja auch ein Buch erwerben könnte über Dressings. Nachdem die Bewertungen recht unterschiedlich ausfielen, habe ich mir erstmal selbst ein Bild in der Buchhandlung gemacht und es für "Mitnahmenswert" beurteilt. 

Gleich das erste Dressing - eine Kräutervinaigrette - hat uns sensationell gut geschmeckt. Das Buch ist sehr schön aufgebaut, enthält ein paar grundlegende Informationen über Salate und Öle, am Ende Ideen, wie man Öle selbst herstellen kann und dazwischen eben jene 50 verschiedenen Dressings. Bei einigen Dressings werden komplette Rezepte mit Salaten vorgestellt und bei anderen nur das reine Dressing mit der Empfehlung, für welche Salate diese passend sein könnten. Wie bei den GU Kochbüchern fast immer, sind die Fotos natürlich wunderbar erstellt und machen sofort beim Ansehen Appetit.

Ein klein wenig Kritik kann man eventuell der Zutatenliste einiger Dressings zukommen lassen. Diese sind schon recht ausgefallen, so dass man diese gezielt kaufen muß. Ein spontanes Salat zubereiten ist daher nur mit einigen Rezepten möglich. In der Regel suche ich mir aber vorher die interessantesten Rezepte heraus, koche diese einmal und entscheide dann, ob diese ins Repertoire aufgenommen werden. Wenn dies so ist, dann sind die Zutaten im Hause bzw. kommen regelmäßig auf die Einkaufsliste, wenn Salat ansteht. GU hat dafür auch eine App zum Buch bei der man eine Einkaufsliste erstellen kann. Ich habe die nicht getestet, ich schreibe noch ganz traditionell Einkaufszettel. 

Ich bin sehr begeistert von den Dressingideen und finde dies mal ein wirklich gelungenes kleines Büchlein. Empfehlenswert für alle Blattsalate-Fans, die auch mal eine andere Note an ihrem Salat haben möchten als nur Essig/Öl Dressing.

Martin Wehrle: König Arsch. Mein Leben als Kunde- der ganz normale Wahnsinn.

Die Auflage, die ich gelesen habe, ist schon von 2012. Trotzdem sind die die Erlebnisse, die Martnin Wehrle beschreibt noch heute aktuell. Viel geändert hat sich also am Servicegedanken in den beschriebenen Bereichen nicht. 
Martin Wehrle erzählt in seinem Buch aus Kundensicht seine eigenen Erlebnisse und Erlebnisse, die in der Presse vorkamen. Dabei geht er vor allem auf die Deutsche Bahn, Supermärkte, Hotels und Onlineshops ein. Alle Geschichten sind kurz, schnell und unterhaltsam zu lesen. Bei vielen denkt man, ja genau, dass ist mir gestern auch so passiert. Bei manchen schüttelt man leider aber genervt den Kopf, weil man sich fragt, in welchem Jahrhundert der Autor lebt.

Ergänzt werden die Geschichten mit Ratschlägen und Hinweisen aus Tricks, die in den Geschäften angewandt werden und auf die der Leser bitte nicht mehr hereinfallen soll. Diese eingeschobenen Hinweise haben mich etwasirritiert, weil es so einen Spagat zwischen unterhaltsamen Geschichten und Ratgeberbuch gibt. Es ist also kein entweder - oder sondern offenbar beides. Das finde ich nicht so gelungen und hätte auch gut ohne diese Ratschläge auskommen können. 

Insgesamt ist es recht humorvoll und unterhaltsam, wenn man von einigen nicht mehr hundertprozentig aktuellen Situationen absieht, kann man das meiste gut nachvollziehen und wenn man es das nächste Mal wieder genauso erlebt, vielleicht sogar Lächelnd an dieses Buch zurückdenken. Für eine kurze Unterhaltung ist diese kleine Ansammlung an Geschichten durchaus lesenswert.

Dienstag, 21. Juli 2015

Isabel Völker: Mein Kind hat deine Läuse

Das Buch wurde von der Zeitschrift Nido hochgejubelt und auch in Auszügen abgedruckt. Da ich den Artikel zufällig gelesen habe und ganz amüsant fand, habe ich das Buch beim letzten Bibliotheksbesuch mitgenommen.

Vornweg: es liest sich schnell und flüssig weg. Aber es strengt auch an gegen Ende, da sich alles irgendwie wiederholt. Als Glosse in einer Zeitschrift oder auf einem Blog sicherlich ganz lustig, als Buch dann doch eher langweilig.

Isabel Völker hat E-Mail-Diskussionen aus Kita bzw. Grundschulen zwischen Eltern aus ganz Deutschland gesammelt und gibt diese auch direkt als E-Mail-Austausch wieder. Dabei werden alle Themen durchgeackert, die man als Eltern eines Kitakindes garantiert auch so oder ähnlich von Elternabenden oder Mailverkehren kennt. Da wird vor den Läusen gewarnt, der Preis vom Essen diskutiert und wie viel Bioessen denn nun sein muß.

Stellenweise ist das Buch sehr witzig und man erkennt sich selbst bzw. die anderen Eltern wieder. Eigentlich schon fast schockierend, über was sich die über-engagierten Eltern streiten und vor allem, dass man nie wirklich zu einer Einigung findet. Für eine lockere Abendlektüre ist es auf alle Fälle geeignet, mehr aber nicht.

Dienstag, 12. Mai 2015

Claudia Brockmann: Warum Menschen töten. Eine Polizeipsychologin ermittelt

Claudia Brockmann ist Polizeipsychologin in Hamburg und berichtet in ihrem Buch von fünf Fällen aus ihrer Arbeit. Dabei erläutert sie mehrfach, dass das Hinzuziehen von Psychologen zu Kriminalfällen erst in jüngerer Zeit erfolgte und das sie quasi zu den Pionieren mit gehörte.

Die Fälle sind durchgehend interessant und zumindest mit dem Fall Dagobert auch weithin bekannt. Sie erklärt, welche Aufgaben Polizeipsychologen haben und wie sie an die Fälle herangehen. Dabei gibt sie einen interessanten Einblick in die tägliche Arbeit und macht nachvollziehbar wie Täter aufgespürt werden konnten. Leider schafft sie es nicht so recht, Struktur in ihre Erzählungen einzubringen, so dass der Lesefluß unterbrochen wird. Spannend sind die Geschichten aber auf jeden Fall, so dass man auch über das Hochlebenlassen der Psychologen hinwegsehen kann.

Die Frage, warum Menschen töten, wird leider nicht allgemeingültig behandelt und somit ist der reißerische Titel unpassend. Die Täterpsyche wird bereits fertig analysiert dem Leser präsentiert - warum der Täter diese oder jene pyschische Störung hat/bekommen hat, bleibt leider außen vor. Insgesamt ist es ein Buch für kurzweilige Unterhaltung und auf jeden Fall mit interessanten Einzelfallstudien.

Dienstag, 7. April 2015

Antje Schendel: Die Tatortreinigerin: Ich komme, wenn das Leben geht

Ich gebe zu, ein wenig Sensationsgier und Lust auf gruselige Details hat mich zu diesem Buch greifen lassen. Der fast schon kitschige Untertitel "Ich komme, wenn das Leben geht" konnte mich nicht davon abbringen, es zu lesen. Das Lesen ging dann auch relativ flott, da auch ohne große Probleme mal quer gelesen werden kann.

Der Inhalt ist leider nicht so ganz, was man erwartet. Sicherlich will niemand exakt wissen, mit welcher chemischen Verbindung der Tatort gereinigt wird, aber etwas mehr Details wären schon schön gewesen. Frau Schendel beschreibt ihre Einsätze eher kurz, mit wenig Beschreibung ihrer genauen Arbeit. Mehr im Vordergrund steht wie sie zu diesem Beruf gekommen ist, was sie davor getan hat, welche Jobs noch gemacht wurden und wie die Krankheiten und Männer ihr Leben geprägt haben. Man könnte es auch einfach Autobiographie nennen von jemanden, der unter anderem auch als Tatortreinigerin gearbeitet hat.

Schade, dass das eigentliche Thema - wie einen der Titel ja vermuten läßt - so sehr Nebenthema ist. Dieses Buch ist leider glatt durchgefallen und nicht weiterzuempfehlen.

Dienstag, 24. März 2015

Lydia Benecke: Auf dünnem Eis: Die Psychologie des Bösen

Wenn man dieses Buch in die Hände bekommt, muß man erstmal Mut beweisen, es zu öffnen bei diesem schrecklichen Titelbild. Warum sich Frau Benecke in so ein kindlichem verwischten Porträt präsentiert, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Es wäre aber sehr schade, das Buch nicht zu lesen nur aufgrund des - wie ich finde - schrecklichen Titelbildes.

Die Frage, warum Menschen morden und Psychopathen werden/sind, steht im Mittelpunkt des Buches. Ist man von Haus aus böse oder wird man erst böse. Anhand von mehreren realen Verbrechern wird hier nachgestellt, wie die Persönlichkeitsentwicklung von statten ging. Erschreckenderweise kommt auch oft die Kindheit ins Spiel und die Versäumnisse & Geschehnisse in selbiger. Die Erzählweise von Frau Benecke, die Therapeutin, Psychologin und Referentin ist, ist dabei durchweg spannend. Man möchte das Buch zu Ende lesen, auch wenn man kein Ende ersehnt wie bei Romanen. Für ein Sachbuch ist dies wirklich gut geschrieben und vor allem auch kurzweilig.
Die verwendeten Beispielen stammen größtenteils nicht aus ihrer eigenen Praxis - ein Manko - und sind teilweise auch allgemein bekannt. Ihr eigenes Beispiel aus dem Bekanntenkreis ist eher oberflächlich und mir wurde nicht so ganz klar, wieso sie zum Schluß kommt, dass er ein Psychopath ist. Sie vertritt zudem die These, dass in jedem ein bißchen Psychopath steckt und nur die meisten dies nicht "herauslassen". Neben den Fallanalysen stellt sich Frau Benecke ausführlich selbst dar und beschreibt auch ihre harte Kindheit, die sie zu diesem Menschen werden lassen haben und diesen Job ausüben lassen. Dies ist ein wenig melodramatisch und unnötig, wenn man das eigentliche Ansinnen des Buches betrachtet.
Dafür, dass es als Sachbuch recht unterhaltsam und fließend lesbar geschrieben ist, bekommt es einen kleinen Daumen hoch, für die Selbstdarstellung und wenig wirklich selbst erlebte Praxis Beschreibung leider einen Minuspunkt. Ich würde es als lesenswert einstufen, mit kleinen Abstrichen und Überblättern von Seiten.

Dienstag, 27. Januar 2015

Allen Frances: Wer oder was ist normal?

Immer wieder begegne ich im Alltag psychiatrischen Diagnosen - einfach so, von Laien in den Raum geworfen und nur anhand weniger Merkmale festgemacht. Selbstverständlich wird dies dann auch felsenfest behauptet und Widerworte wild diskutiert. Ein schönes Beispiel ist für mich ein Forum einer Frauenzeitung, in dem ich immer mal zur Unterhaltung mitlese (selten mitschreibe). Hier werden auch allerhand Beziehungsprobleme gewälzt und was da an Ratschlägen und Diagnosen kommen, kann einem die Haare zu Berge stehen lassen. Z. Bsp. sobald ein Mann mal etwas gestresst nach Hause kommt, einfach schlecht geschlafen hat, vielleicht noch den Bus verpasst hat und so nun der Frau missmuffelig entgegentritt, startet Frau einen Thread. Hier wird ausgewalzt, wie wenig man sich beachtet fühlt und schwupsdiwups - Eheberatung, Therapie, der Mann ist doch manisch depressiv...Und das alles innerhalb weniger Seiten und von völlig fremden Menschen ganz klar analysiert.

Ein anderes Beispiel, was wohl v.a. auch Jungsmütter kennen, die spontane Analyse Fremder oder auch Familienangehöriger, dass das Kind doch wohl nicht etwa ADHS hat?! Ja, es ist aufgedreht, weil es sich freut, eben jene Personen zu treffen, und ja, es will alles sofort erzählen, zeigen etc. und verhaspelt sich dabei vielleicht. Aber deswegen ist es doch noch ein normales, tobendes, fröhliches Kind...(und ganz zu schweigen davon, dass es noch in einem Alter ist, wo diese Diagnose noch nicht gestellt werden kann.)
Immer mehr wird das Normale eingegrenzt und immer mehr Ticks und Macken zu unnormalen Verhalten und therapiebedürftig erklärt. Hier steht natürlich auch das Interesse der Ärzte und Pharmaindustrie dem Normalsein einfach im Wege.
Bei der Neuerstellung des DSM IV ( Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) gab es dementsprechend große Diskussionen über die Ausweitung und Neuaufnahme psychiatrischer Erkrankungen. Auf der einen Seite sind die Psychiater, die alles in Diagnosen zwängen möchten und für jedes Wehwehchen eine Bezeichnung haben möchten. Die andere Seite bilden die Psychiater, die wieder für mehr Normalität plädieren und für ein überschaubares DSM. Einer der Verfechter ist Allen Frances.

Sein Buch "Normal. Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen" habe ich gerade gelesen und kann es allen, die einmal ein interessantes Sachbuch lesen wollen, empfehlen. Ich würde das Buch nicht unterhaltsam nennen, aber man kann es auf alle Fälle gut lesen und die Hintergründe, die Frances darlegt, sind durchaus auch für den Laien interessant. Frances warnt eindringlich vor einer überhandnehmenden Pathologisierung allgemeiner menschlicher Verhaltensweisen und schlägt auch gute Gegenmaßnahmen vor. Schönes Beispiel dabei ist für mich die Trauerarbeit - früher gab es ein Trauerjahr, dass auch optisch (schwarze Kleidung) eingehalten wurde. Heute wird bereits nach wenigen Wochen komplettes Funktionieren erwartet und es gäbe sofort den Rat der Therapie, wenn man nach 6 Monaten noch schwarz tragen würde...
Auch ich stimme Frances zu, dass alltägliche und zum Leben dazugehörende Sorgen und Seelenzustände nicht immer sofort als geistige Krankheiten zu kategorisieren sind und so die Hilfe für die, die sie wirklich benötigen, unnötig zu blockieren.

Dienstag, 20. Januar 2015

Guido Maria Kretschmer: Eine Bluse macht noch keinen Sommer

Guido Maria Kretschmer: Eine Bluse macht noch keinen Sommer. Geschichten aus dem Kleiderschrank.

Das zweite Buch von Guido Maria Kretschmer ist im November 2014 erschienen. Nach dem Erfolg des ersten Buches ließ das zweite nicht lange auf sich warten. Für Fans von Guido natürlich ein Muß und das Schöne ist, dass man auch beim Lesen ihn selbst quasi im Ohr hat.

Das Buch liest sich gut und auch flüssig. Man kann aber dank der zahlreichen Kapitel auch gut Passagen überblättern, die einen nicht unbedingt interessieren.

Es werden im Buch verschiedene Kleidungsstücke durchgesprochen - Kostüm, Hosenanzug bis hin zur Leggins. Dabei erzählt er immer zuerst eine Geschichte aus seinem Leben - meist aus seinem Laden. Diese sind wirklich witzig und sehr bildhaft erzählt. Danach erfolgt die nähere Betrachtung des Kleidungsstücks, die verschiedenen Ausführungen und eine kurze Empfehlung für welchen Typ bzw. Figur Frau das Kleidungsstück geeignet ist. Eine umfassende Beratung - z. Bsp. ganze Outfits - erfolgt aber eher nicht.
Das Buch unterhält auf jeden Fall, etwas lernen kann man auch und für Fans und Modeinteressierte ist es eine klare Leseempfehlung.

Dienstag, 4. November 2014

Marie Kondo: Magic Cleaning - das perfekte Zuhause?

Ab und zu verirre ich mich in die Ratgeberabteilung der Buchhandlung und bleibe bei Büchern über Entrümplung, Ordnung, Aufräumen hängen. Dabei wanderte vor Jahren das Buch "Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" von Karen Kingston zu mir nach Hause. Fleißig habe ich dann ganz nach Feng Shui bestimmte Ecken freigeräumt. V.a. die für dein Reichtum. Hmm, nach Jahren kann ich sagen, hat nicht so recht geholfen, schlechter geworden ist es aber nicht. Gut an diesem Buch fand ich auf alle Fälle die Hilfe beim Entrümpeln von emotional behafteten Gegenständen. Wer kennt es nicht, das lieb gemeinte Geschenk der Oma, was so gar nicht zum Einrichtungsstil passt und irgendwie stört. Die Theorie von Kingston ist, dass jedes Mal, wenn man an so einem ungewollten Gegenstand vorbeiläuft, dies negative Energie an einen abgeben würde. Sie rät daher zum Entsorgen. Dabei werden aber auch Möglichkeiten wie weiter verschenken und ebay erlaubt.
Dies bringt mich zu dem Buch, über das ich eigentlich schreiben wollte: "Magic Cleaning. Wie richtige Aufräumen Ihr Leben verändert" von Marie Kondo. Sie ist nämlich für radikal wegschmeißen. Ein für mich großer Schwachpunkt an ihrer Aufräummethode. Marie Kondos Buch ist ein Bestseller aus Japan und ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige ihrer Vorschläge dort gut funktionieren.

Grundsätzlich wird erst mal nach Kategorien ausgemistet. Von dem wenig emotionalen zum hochemotionalen. Sprich: von der Kleidung über Bücher bis am Ende zu persönlichen Geschenken und Fotos. Dies macht für mich durchaus Sinn, weil man sich langsam herantastet und wer einmal im Aufräumwahn ist, kann sich dann gegen Ende auch leichter entscheiden. Auch die Herangehensweise alle Dinge derselben Kategorie an einem Ort zu vereinen und dann zu sortieren, ist sinnvoll, da es einen guten Überblick bringt und tatsächlich auch manche Doppelungen zu Tage bringt.
Nun kommt aber der Haken - nach welchem Kriterium soll man nun aussortieren? Marie Kondos Methode sieht tatsächlich vor, dass man jeden Gegenstand in die Hand nehmen soll und in sich horchen soll, was er einem bedeutet. Bedeutet er nichts, bringt er kein Gefühl, dann weg damit. Puh...mag sein, dass Japanerinnen darauf anspringen - mir war es definitiv zu esoterisch. Die Ausführungen dazu konnte ich nur kopfschüttelnd lesen. Und ja, mein Hosenanzug für Bewerbungen z. Bsp. hätte sofort in den Müll gemußt...dass das etwas unpraktisch wäre, versteht sich.

Auch die Radikalität bei Unterlagen/Papieren wie Kontoauszügen, Versicherungen, Garantiescheinen erscheint mir etwas zu gewagt für deutsche Verhältnisse. Sie läßt ihre Kunden hier auch so ziemlich alles wegschmeißen. Ihr Rat bezüglich Bedienungsanleitungen lautet: weg damit. Wenn man dann nicht mehr weiß, wie es geht, einfach in den Laden, das Personal fragen oder die Firma. Jawohl, als Kundendienstmanagerin, die ständig die Kosten niedrig halten muß, sind mir das echt die liebsten Ratschläge. Kunde hilf dir ja nicht selbst, indem du die Anleitung liest, nein, belege die Angestellten. Das dies bei älteren Geräten und bei weniger guten Fachkräften ebenfalls nach hinten losgehen kann, ist klar. Ich verstehe hier nur die Argumentation dahingehend, dass man vieles tatsächlich im Internet findet und nachlesen kann. Aber die ein oder andere Bedienungsanleitung durfte bei mir trotzdem bleiben.
Einen der wenigen Ratschläge, die ich übernommen habe, ist meine Posteingangskiste. Bislang flogen die unbearbeiteten Briefe, Kontoauszüge etc. bis zum Abheften auch eher auf dem Sofa oder Tisch herum. Nun gibt es einen schicken Karton in der Schrankwand, in der alles landet und dann bei Bedarf (es quillt über) sortiert und abgeheftet wird. Seitdem sieht es tatsächlich ordentlicher auf dem Sofa aus. Dies ist ja das Ziel und Anliegen von Marie Kondo - das die Ordnung einmal geschaffen ist und dann beibehalten wird. Das praktisch gar keine Riesenaufräumaktionen mehr nötig sind.

Ich fürchte, dass wird mir auch nach der Lektüre ihres Buches nicht so ganz gelingen.
Ein grandioses Beispiel noch für den esoterischen Ansatz der Methode ist die Sockenschublade. Man darf die Socken nämlich nicht einrollen - sie können sich sonst nicht entfalten und atmen. Oh ja...das Argument, dass sie gefaltet hübscher aussehen und einen schnelleren Überblick bieten, hat mich dann eher überzeugt, es zu versuchen und ich bin tatsächlich begeistert. Sieht doch netter aus als wilde Kullern:
Insgesamt würde ich Marie Kondos Buch aber nicht empfehlen. Es fehlen die wirklich neuen Tipps und die Ausflüge in die Esoterik sind wirklich Geschmackssache.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Gert Schilling: Verkaufstraining. Der Praxisleitfaden für das beratende Verkaufsgespräch

Nicht mehr ganz neu (2003), aber in Grundzügen trotzdem noch aktuell. Herr Schilling gibt eine gute Übersicht, wie man an Verkaufsgespräche herangehen kann und man erhält einige grundlegende Thesen mit auf den Weg.

Eine, die mir besonders gefiel: "Es ist nie jemand unsympathisch, der mehr zuhört als selbst erzählt."

Er behandelt in seinem Buch alle Schritte von Vorbereitung, Begrüßung, Umgang mit möglichen Einwänden und Preisangabe.

Das Buch ist zur Auffrischung für Akquise auf jeden Fall gut geeignet.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Siegfried Haider: Ausverkauft! Marketing kann so einfach sein

Ich bin leider sehr enttäuscht worden von diesem Buch und habe mich gegen Ende nur noch querlesend durchgequält. 

Hier ist ein Seminartrainer, der beschreibt, wie er seine Seminare und Dienstleistungen verkauft hat und welche Wege er dabei gegangen ist.

Die Tipps sind so oberflächlich und bekannt, dass ich immer die ganze Zeit auf die ganz große Erkenntnis gewartet habe. Ich konnte Sie für mich leider nicht finden, es waren allgemeine Phrasen abwechselnd mit seinen Erfolgsgeschichten.

Abwandelbar auf andere Marketingbereiche (also nicht Seminar/Trainer) war das ganze leider auch nur wenig. Der Titel und Klappentext verspricht hier leider meiner Meinung nach mehr, als er halten kann.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Tim Taxis: Heiß auf Kaltakquise. So verfielfachen Sie Ihren Erfolg am Telefon

Wie es manchmal so ist, man bekommt mit einem neuem Job auch mal neuen Aufgaben, die am Anfang völlig easy klingen, dann aber doch einen Haufen Probleme verursachen. Eine dieser Sachen ist Kaltakquise. Bis jetzt bin ich noch nicht überzeugt, ob das am Telefon noch der wirklich erfolgreiche Weg heutzutage noch ist, aber was mir auf alle Fälle geholfen hat, ist das Buch von Tim Taxis.

Er führt einem gut Fehler vor Augen, läßt einen auch aus Kundensicht auf das Gespräch schauen und gibt jede Menge sinnvolle Anregungen. Das Skript, was ich nach seinen Anregungen mir gebaut habe, hat zumindest bislang dazu geführt, den richtigen Ansprechpartner an das Telefon zu bekommen und keiner Abwimmmlung mehr zu erliegen. Ich habe allerdings den Verdacht, dass einige Tricks durchaus auch alle anderen Vertriebler anwenden und das Gegenüber am Telefon schon quasi die Augen verdreht.
Aus dem Buch konnte ich viele Anregungen und Motivationen mitnehmen für den täglichen Kampf um den Neukunden. Es ist praxisorientiert und hat genügend konrekte Beispiele, lediglich das Selbstlob ist ein wenig anstrengend. Daumen klar hoch, empfehlenswert auf alle Fälle.

Dienstag, 16. September 2014

Bernd Röthlingshöfer: Werbung mit kleinem Budget. Der Ratgeber für Existenzgründer und Unternehmen

In dem Taschenbuch (ich habe Auflage von 2008 gelesen) wird klein, kompakt und übersichtlich die ersten Schritte zu einem erfolgreichen Marketing beschrieben. Dabei liegt der Fokus etwas mehr auf den Existenzgründern und wie das Budget "korrekt" eingeteilt werden sollte.

Er gibt dabei eine leicht verständliche Übersicht über verschiedene Werbeformeln, Prospektarten und Internetwerbung. Alles bleibt dabei eher im Überblicksbereich - aber für Vertiefung kann man sich ja dann entsprechend andere Literatur/Trainings suchen.

Ich finde sein Buch sehr gelungen, habe es schnell gelesen und immerhin auch 3 Seiten Notizen gemacht.