Ich bin bei diesem Buch etwas gespalten, was die Leseempfehlung betrifft. Frau Roßmanith gibt gleich am Anfang die Anwort auf die Frage und überaschenderweise lautet diese einfach Ja. Frauen sind ihrer Meinung nach die besseren Mörder - nicht, weil sie es geschickter anstellen, weniger "erwischt" werden oder so - sondern weil sie aus moralisch ansprechenderen Gründen morden. Wer also Schlimmes in der Kindheit erlebt hat, der darf dann auch morden. Sehr merkwürdiger Ansatz. Sicherlich ist mir klar, worauf die Autorin heraus will, aber die angesammelten Beispiele lassen einen als Leser eher nicht mitfühlen und die Frage nach den Opfern wird ganz ausgeklammert. Die Geschichten aus der Praxis sind durchaus interessant zu lesen, die Schreibweise ist sehr einfach gehalten, so dass man schnell durch ist. Wissenschaftlich belegte Theorien gibt es leider viel zu wenig wieder und einen höheren Anspruch als Unterhaltung bietet das Buch daher nicht. Man kann es lesen, muss man aber nicht - und kaufen schon gar nicht.
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Freitag, 2. Oktober 2015
Dienstag, 12. Mai 2015
Claudia Brockmann: Warum Menschen töten. Eine Polizeipsychologin ermittelt
Claudia Brockmann ist Polizeipsychologin in Hamburg und berichtet in
ihrem Buch von fünf Fällen aus ihrer Arbeit. Dabei erläutert sie
mehrfach, dass das Hinzuziehen von Psychologen zu Kriminalfällen erst in
jüngerer Zeit erfolgte und das sie quasi zu den Pionieren mit gehörte.
Die Fälle sind durchgehend interessant und zumindest mit dem Fall
Dagobert auch weithin bekannt. Sie erklärt, welche Aufgaben
Polizeipsychologen haben und wie sie an die Fälle herangehen. Dabei gibt
sie einen interessanten Einblick in die tägliche Arbeit und macht
nachvollziehbar wie Täter aufgespürt werden konnten. Leider schafft sie
es nicht so recht, Struktur in ihre Erzählungen einzubringen, so dass
der Lesefluß unterbrochen wird. Spannend sind die Geschichten aber auf
jeden Fall, so dass man auch über das Hochlebenlassen der Psychologen
hinwegsehen kann.
Die Frage, warum Menschen töten, wird leider nicht allgemeingültig behandelt und somit ist der reißerische Titel unpassend. Die Täterpsyche wird bereits fertig analysiert dem Leser präsentiert - warum der Täter diese oder jene pyschische Störung hat/bekommen hat, bleibt leider außen vor. Insgesamt ist es ein Buch für kurzweilige Unterhaltung und auf jeden Fall mit interessanten Einzelfallstudien.
Die Fälle sind durchgehend interessant und zumindest mit dem Fall
Dagobert auch weithin bekannt. Sie erklärt, welche Aufgaben
Polizeipsychologen haben und wie sie an die Fälle herangehen. Dabei gibt
sie einen interessanten Einblick in die tägliche Arbeit und macht
nachvollziehbar wie Täter aufgespürt werden konnten. Leider schafft sie
es nicht so recht, Struktur in ihre Erzählungen einzubringen, so dass
der Lesefluß unterbrochen wird. Spannend sind die Geschichten aber auf
jeden Fall, so dass man auch über das Hochlebenlassen der Psychologen
hinwegsehen kann.Die Frage, warum Menschen töten, wird leider nicht allgemeingültig behandelt und somit ist der reißerische Titel unpassend. Die Täterpsyche wird bereits fertig analysiert dem Leser präsentiert - warum der Täter diese oder jene pyschische Störung hat/bekommen hat, bleibt leider außen vor. Insgesamt ist es ein Buch für kurzweilige Unterhaltung und auf jeden Fall mit interessanten Einzelfallstudien.
Dienstag, 24. März 2015
Lydia Benecke: Auf dünnem Eis: Die Psychologie des Bösen
Wenn man dieses Buch in die Hände
bekommt, muß man erstmal Mut beweisen, es zu öffnen bei diesem
schrecklichen Titelbild. Warum sich Frau Benecke in so ein kindlichem
verwischten Porträt präsentiert, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Es
wäre aber sehr schade, das Buch nicht zu lesen nur aufgrund des - wie
ich finde - schrecklichen Titelbildes.
Die
Frage, warum Menschen morden und Psychopathen werden/sind, steht im
Mittelpunkt des Buches. Ist man von Haus aus böse oder wird man erst
böse. Anhand von mehreren realen Verbrechern wird hier nachgestellt, wie
die Persönlichkeitsentwicklung von statten ging. Erschreckenderweise
kommt auch oft die Kindheit ins Spiel und die Versäumnisse &
Geschehnisse in selbiger. Die Erzählweise von Frau Benecke, die
Therapeutin, Psychologin und Referentin ist, ist dabei durchweg
spannend. Man möchte das Buch zu Ende lesen, auch wenn man kein Ende
ersehnt wie bei Romanen. Für ein Sachbuch ist dies wirklich gut
geschrieben und vor allem auch kurzweilig.
Die
verwendeten Beispielen stammen größtenteils nicht aus ihrer eigenen
Praxis - ein Manko - und sind teilweise auch allgemein bekannt. Ihr
eigenes Beispiel aus dem Bekanntenkreis ist eher oberflächlich und mir
wurde nicht so ganz klar, wieso sie zum Schluß kommt, dass er ein
Psychopath ist. Sie vertritt zudem die These, dass in jedem ein bißchen
Psychopath steckt und nur die meisten dies nicht "herauslassen". Neben
den Fallanalysen stellt sich Frau Benecke ausführlich selbst dar und
beschreibt auch ihre harte Kindheit, die sie zu diesem Menschen werden
lassen haben und diesen Job ausüben lassen. Dies ist ein wenig
melodramatisch und unnötig, wenn man das eigentliche Ansinnen des Buches
betrachtet.
Dafür, dass
es als Sachbuch recht unterhaltsam und fließend lesbar geschrieben ist,
bekommt es einen kleinen Daumen hoch, für die Selbstdarstellung und
wenig wirklich selbst erlebte Praxis Beschreibung leider einen
Minuspunkt. Ich würde es als lesenswert einstufen, mit kleinen
Abstrichen und Überblättern von Seiten.
Dienstag, 27. Januar 2015
Allen Frances: Wer oder was ist normal?
Immer wieder begegne ich im Alltag psychiatrischen Diagnosen -
einfach so, von Laien in den Raum geworfen und nur anhand weniger
Merkmale festgemacht. Selbstverständlich wird dies dann auch felsenfest
behauptet und Widerworte wild diskutiert. Ein schönes Beispiel ist für
mich ein Forum einer Frauenzeitung, in dem ich immer mal zur
Unterhaltung mitlese (selten mitschreibe). Hier werden auch allerhand
Beziehungsprobleme gewälzt und was da an Ratschlägen und Diagnosen
kommen, kann einem die Haare zu Berge stehen lassen. Z. Bsp. sobald ein
Mann mal etwas gestresst nach Hause kommt, einfach schlecht geschlafen
hat, vielleicht noch den Bus verpasst hat und so nun der Frau
missmuffelig entgegentritt, startet Frau einen Thread. Hier wird
ausgewalzt, wie wenig man sich beachtet fühlt und schwupsdiwups -
Eheberatung, Therapie, der Mann ist doch manisch depressiv...Und das
alles innerhalb weniger Seiten und von völlig fremden Menschen ganz klar
analysiert.
Ein anderes
Beispiel, was wohl v.a. auch Jungsmütter kennen, die spontane Analyse
Fremder oder auch Familienangehöriger, dass das Kind doch wohl nicht
etwa ADHS hat?! Ja, es ist aufgedreht, weil es sich freut, eben jene
Personen zu treffen, und ja, es will alles sofort erzählen, zeigen etc.
und verhaspelt sich dabei vielleicht. Aber deswegen ist es doch noch ein
normales, tobendes, fröhliches Kind...(und ganz zu schweigen davon,
dass es noch in einem Alter ist, wo diese Diagnose noch nicht gestellt
werden kann.)
Immer mehr
wird das Normale eingegrenzt und immer mehr Ticks und Macken zu
unnormalen Verhalten und therapiebedürftig erklärt. Hier steht natürlich
auch das Interesse der Ärzte und Pharmaindustrie dem Normalsein einfach
im Wege.
Bei der
Neuerstellung des DSM IV ( Diagnostisches und Statistisches Manual
Psychischer Störungen) gab es dementsprechend große Diskussionen über
die Ausweitung und Neuaufnahme psychiatrischer Erkrankungen. Auf der
einen Seite sind die Psychiater, die alles in Diagnosen zwängen möchten
und für jedes Wehwehchen eine Bezeichnung haben möchten. Die andere
Seite bilden die Psychiater, die wieder für mehr Normalität plädieren
und für ein überschaubares DSM. Einer der Verfechter ist Allen Frances.
Sein Buch "Normal. Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen" habe ich gerade gelesen und kann es allen, die einmal ein interessantes Sachbuch lesen wollen, empfehlen. Ich würde das Buch nicht unterhaltsam nennen, aber man kann es auf alle Fälle gut lesen und die Hintergründe, die Frances darlegt, sind durchaus auch für den Laien interessant. Frances warnt eindringlich vor einer überhandnehmenden Pathologisierung allgemeiner menschlicher Verhaltensweisen und schlägt auch gute Gegenmaßnahmen vor. Schönes Beispiel dabei ist für mich die Trauerarbeit - früher gab es ein Trauerjahr, dass auch optisch (schwarze Kleidung) eingehalten wurde. Heute wird bereits nach wenigen Wochen komplettes Funktionieren erwartet und es gäbe sofort den Rat der Therapie, wenn man nach 6 Monaten noch schwarz tragen würde...
Sein Buch "Normal. Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen" habe ich gerade gelesen und kann es allen, die einmal ein interessantes Sachbuch lesen wollen, empfehlen. Ich würde das Buch nicht unterhaltsam nennen, aber man kann es auf alle Fälle gut lesen und die Hintergründe, die Frances darlegt, sind durchaus auch für den Laien interessant. Frances warnt eindringlich vor einer überhandnehmenden Pathologisierung allgemeiner menschlicher Verhaltensweisen und schlägt auch gute Gegenmaßnahmen vor. Schönes Beispiel dabei ist für mich die Trauerarbeit - früher gab es ein Trauerjahr, dass auch optisch (schwarze Kleidung) eingehalten wurde. Heute wird bereits nach wenigen Wochen komplettes Funktionieren erwartet und es gäbe sofort den Rat der Therapie, wenn man nach 6 Monaten noch schwarz tragen würde...
Auch
ich stimme Frances zu, dass alltägliche und zum Leben dazugehörende
Sorgen und Seelenzustände nicht immer sofort als geistige Krankheiten zu
kategorisieren sind und so die Hilfe für die, die sie wirklich
benötigen, unnötig zu blockieren.
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