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Dienstag, 1. März 2016

Eve Chase: Black Rabbit Hall

Eve Chase Erstlingswerk ist ein seichter Schmöcker für verregnete Sonntage und vor allem für Liebhaber von alten englischen Herrenhäusern und deren Geheimnisse.
Die Geschichte spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen, welche sich abwechseln. Die Familiengeschichte der Altons spielt im Wesentlichen 1968/69 während die Geschichte von Lorna und ihrem Verlobten Jon in der Gegenwart spielt. Die Altons leben eigentlich in London und kommen nur während der Ferien nach Pencraw -genannt Black Rabbit Hall. Dort verleben sie eine unbeschwerte und teilweise auch unkonventionelle Zeit. Eines Tages jedoch geschieht ein Unglück und vor allem Amber, die älteste Tochter, ist ab da diejenige, die die Familie und deren Zusammenhalt erhält. 
Parallel erfährt der Leser von Lorna, die auf der Suche nach einer Hochzeitslocation ist. In ihrer Erinnerung sieht sie sich mit ihrer Mutter vor den Toren von Black Rabbit Hall stehen. Sie fragt sich, was dran ist an ihrer Erinnerung und warum wird sie so magisch vom Haus angezogen. Schritt für Schritt eröffnet sich nicht nur ihre Geschichte sondern auch die der Familie Alton.
Die beiden Geschichten laufen lange parallel und das Verbindungsstück wird eigentlich in nur einem einzigen Gespräch über wenige Seiten aufgelöst. Insofern ist die Aufdeckung des Geheimnisses fast nebensächlich. In diesem Buch dominiert ganz klar die ältere Geschichte und diese nimmt den Leser mehr in den Bann. Die Gegenwartsgeschichte kam mir nur wie schmückendes Beiwerk vor und Lorna blieb mir leider auch sehr viel fremder als alle Mitglieder der Alton Familie.
Eve Chase macht die Landschafts Cornwalls fühlbar durch die Darstellung vom Wetter - es regnet verdammt oft - und der Beschreibungen vom Strand, Uferklippen und dichten Wald am Haus. Das Herrenhaus selbst wird ausführlich erklärt und man könnte quasi durch die Räume mitlaufen. Viele Details sind der Autorin dabei wichtig zu erwähnen, manche lassen die Geschehnisse lebhafter wirken (und grausamer), andere sind eher Füllstoff. Ein wenig kam der Eindruck daher, dass erst fest stand ein Buch über ein Herrenhaus zu schreiben und die Familiengeschichte um dieses herum aufgebaut wurde. Es fehlen die ganz großen neuen Ideen und das gewisse Etwas, was ein Buch zum "Nicht aus die Hand legbar" macht.
Man darf keine allzu großen überraschenden Wendungen erwarten und kein großen Spannungsbogen. Es ist eine solide erzählte Familiengeschichte mit überschaubaren, manches mal klischeehaften  Charakteren, die leicht und flüssig zu lesen ist. Eine nette Unterhaltung für verregnete Tage und für Fans von Cornwall & Geschichten über englische Herrschafthäuser auf jeden Fall zu empfehlen.
Erwähnen möchte ich aber zu guter Schluß noch die tolle Haptik. Die Buchhülle ist leicht transparent und mit einem tollen Titeldesign bedruckt, das Buch selbst ohne Umschlag hat das mögliche Herrenhaus samt Garten als Motiv. Für alle, die sich die Zeit mit einer leichten, englischen Familiensaga versüßen möchten, geht es Hier zum Buch


Freitag, 12. Februar 2016

Erik Valeur: Das siebte Kind

Den Roman "Das siebte Kind" von Erik Valeur bekam ich ausgeliehen mit den Worten: "Ich habe es nur so 200 Seiten lang geschafft, das ist so langweilig." Dem kann man zunächst erstmal zustimmen. Das Buch umfasst ganze 800 Seiten und wenn man es geschafft hat, kann man rückblickend durchaus sagen, dass die ersten 250 -300 Seiten nichts für das Buch tun. 

Die Kurzbeschreibung des Romans auf dem Klappentext klingt sehr spannend: "September 2001: Am Strand von Skodsborg in der Nähe des renommierten Kinderheims Kongslund wird die Leiche einer unbekannte Frau gefunden. Neben ihr ein Stück Treibholz, ein toter Kanarienvogel und ein merkwürdig geknotetes Seil. Die Tote kann nicht identifiziert werden, der Fall gerät in Vergessenheit – bis sich Jahre später das Bestehen des Kinderheims zum sechzigsten Mal jährt und ein schreckliches Geheimnis mit aller Gewalt ans Licht drängt. Ein Geheimnis, das mit dem Schicksal sieben ehemaliger Waisenkinder verknüpft ist und das Dänemark bis in die höchsten politischen Ebenen erschüttern wird …"

Leider beginnt das Buch aber erst einmal mit sehr ausführlicher Beschreibung der Beteiligten aus Politik und Presse. Hierbei wird vor allem die Verflechtung und gegenseitige Beeinflussung beider Seiten betont. Das Thema Ausländer und Abschiebungspraxis wird anhand zweier Gegner - Minister für Ausländerfragen und Anwalt für die Ausländer sowie das Thema Terroranschläge anhand vom 11. September 2001 ebenso eingeflochten. So gesehen eine durchaus aktuelle Themenwahl. Der Leser fragt sich aber stetig, was das denn nun genau mit den Waisenkindern und dem Waisenhaus auf sich hat und wieso so viele verschiedene Randthemen notwendig sind.

Für mich kam erst ab Mitte des Buches Spannung auf und ab da liest es sich der Roman flüssig. Dem Leser wird schnell klar, dass die Lösung nicht so einfach ist, wie sie zunächst dargstellt wird. Die Geheimnisse aus dem Waisenhaus und damit verbunden auch die Geheimnisse der Politiker, Presse und Polizei werden nach und nach gelüftet. Ganz klar wird die Skrupelosigkeit der Beteiligten dargestellt und die Verflechtung der verschiedenen Seiten wird kritisiert.

Zusätzlich zu den vielen schon vorhandenen Themen wird noch Abtreibungsproblematik und die Theorie, dass sich Gewalttätigkeit bzw. Geisteskrankheiten vererben abgehandelt. So kann man bei einem adoptierten Kind eben nie sicher sein, ob es nicht gewalttätige Eltern hatte und dann eben auch gewalttätig wird. Mir persönlich war das nun doch zu viel, weniger Themen hätten meiner Meinung nach jedenfalls genügt. Die Grundthese, dass adoptierte Kinder verkorkste Leben haben und nicht glücklich sein können, hat mir sehr missfallen.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschrieben und um mitzurätseln muss man  aufpassen und genau lesen. Viele Personen werden ausführlich vorgestellt und einzelne Lebensereignisse beschrieben. Hier wieder das Problem für den Leser, dass man nicht immer weiß, ob diese Ereignisse für die eigentliche Geschichte und Auflösung wichtig sind oder nicht. Man muss sich daher viele kleine Sachen merken, um dann festzustellen, dass die gar nicht relevant sind. Der Verdacht, wer dahinter stecken könnte und wer welche Taten zu verantworten hat, kommt dem Leser aber doch früher oder später und die Auflösung ist keine ganz große Überraschung. Lediglich bei einer beteiligten Person war ich erstaunt, da diese vorher nicht viel Raum einnahm und dann doch sehr viel kriminelle Energie besessen hat.

Ich bin bei diesem Buch durchaus zwiegespalten. Eine klare Empfehlung ist es nicht, dafür ist zu langatmig und zu viele Nebenschauplätze. Die "Haupt"-Geschichte aber ist sehr spannend und die Auflösung hat mir gut gefallen. Wer ein geduldiger Leser ist und die ersten 300 Seiten besiegt, wird durchaus mit einem vielseitigen Roman belohnt.

Montag, 14. Dezember 2015

Charlotte Link: Die Betrogene

In Charlotte Links neuem Kriminalroman "Die Betrogene" ist Kate Linville die Hauptperson und damit auch die sich als Betrogene fühlende. Nachdem ihr Leben eher farblos und in ruhigen Bahnen verlaufen ist, wird ihr Vater- ein ehemaliger Polizist - grausam ermordet. Die Polizei vor Ort scheint im Dunklem zu Tappen, so dass sie als Tochter und Polizistin bei Scotland Yard in ihr Elternhaus zurückkehrt und mit den Ermittlungen beginnt. Im Laufe dieser geschehen weitere Morde und die Vergangenheit ihres Vaters entpuppt sich als nicht ganz so makellos wie angenommen. Kate fühlt sich daher von ihrem Vater getäuscht und betrogen. Sie macht sich auf die Suche nach dem Mörder und dem Grund der Rache. Der zunächst für die Polizei Hauptverdächtige verübt  in einem zweiten Schauplatz mehrere Verbrechen und wird so zu einer interessanten Nebengeschichte.

Spannung ist -fast wie bei Charlotte Link gewohnt - zweifelsfrei vorhanden. Die Geschichte lässt sich trotz der gut 640 Seiten schnell lesen und hat nur an einigen wenigen Stellen Längen. Die "Zweitgeschichte" um den Hauptverdächtigen ist in sich schlüssig und stellenweise fast noch spanndender als die eigentliche Frage nach dem Mörder von Kates Vater. Alle Charaktere werden mit einer Biographie versehen, die ihr Handeln logisch erscheinen lässt und die die Sympathie des Lesers eindeutig zu den "Guten" leitet. Jeder der Handelnden hat sein Päckchen zu tragen - wie eben auch im richtigen Leben. Dabei werden aber die Charakteristik und die Probleme nicht unendlich ausgewalzt, sondern bleiben immer nur Bestandteil für das Handeln der Personen. 

Der Grund für die Morde wird langsam aufgedeckt und man kann sehr lange miträtseln. Mir schwante ein Teil des Grundes schon recht bald, wer aber dahinter steckte, blieb mir auch recht lang verborgen, so dass Spannung bis fast zur letzten Seite herrschte. Der Showdown war ein wenig typisch für Rettung in letzter Sekunde und wirkte daher leider etwas unglaubwürdig.Gut fand ich, dass nach dem Showdown noch einmal der Fortgang erzählt wurde und der Grund für die Morde zusammengefasst wurde. Sicherlich brauchte es das nicht wirklich, aber es gibt einen schönen Abschluss.

Die ganze Story ist gut durchdacht, lebendig und nur mit einigen kleinen Längen z.Bsp. als ausführlich der Ermittlungsstand diskutiert wird.

Ich habe es sehr gern und schnell gelesen und finde es durchaus empfehlenswert.

Mittwoch, 18. November 2015

Nora Roberts: Ein dunkles Geschenk

Also eines steht nach dem Buch fest - ich brauche eine Pause von Nora Roberts. Die Story ist interessant, die Protagonisten sympathisch, Spannung ist gegeben und trotzdem war ich ab Mitte des Buches irgendwie genervt von der heilen Welt. Das das Gute gewinnen wird, steht von vornherein fest und nimmt einem fast die Spannung. Man bleibt nur dran, weil man wissen will, wie die Hauptfiguren es schaffen, die Bösen zu besiegen. Dass sie siegen werden, zweifelt man an keiner Stelle im Roman. Wirklich anstengend fand ich aber die entstehenden Beziehungen und das man gleich zwei Heiratsanträge vom Stapel lassen mußte. Etwas weniger Dramatik hätte auch genügt und würde die Geschichte glaubwürdiger machen.  
Kurz zur Story an sich: Lila ist eine Vagabundin ohne festen Wohnsitz, die als Homesitterin und Autorin ihr Geld verdient. Während des homesittings beobachtet sie gern die Nachbarschaft. Eines Tages wird sie so Zeugin von einem Mord an einem Pärchen vom Haus gegenüber. Auf der Polizeistelle steht sie dann dem Bruder des Ermordeten gegenüber und freundet sich mit ihm an. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Mörder und zunächst v.a. nach dem Grund von dem Mord. Die Nachforschungen führen sie in die Kunstsammler-Szene und schon bald besteht auch für ihr beider Leben äußerste Gefahr.
Wie schon anfangs erwähnt, steht bei Nora Roberts neben der kriminalistischen Geschichte ja auch immer die romantische Seite im Vordergrund. Die Liebesgeschichte nimmt einen großen Platz im Roman ein und macht die Mördersuche fast zum Nebenschauplatz. Man hat hier also eher einen Liebes-/Frauenroman vor sich als einen Krimi. Gut gemacht ist der Roman auf jeden Fall, da die Story ausreichend Spannung, gute Charaktere und viele Schauplätze hat. Für mich nicht das beste Roberts Buch, aber durchaus lesenswert für nette Unterhaltung auf dem herbstlichen Sofa oder im Urlaub am Strand.

Montag, 19. Oktober 2015

Nora Roberts: Die letzte Zeugin

Meine perfekte Urlaubslektüre war der Roman "Die letzte Zeugin" von Nora Roberts. Entgegen der Beschreibung auf dem Buchumschlag ist das Buch mehr Liebesroman als Thriller. Es liest sich zwar flüssig und teilweise auch spannend, hat aber gerade mit der Liebesgeschichte seine Längen. Für ein nebenbei Lesen am Strand super.

Das Buch startet mit einer Rückblende. Elizabeth Fitch, die Hauptfigur und bis dato brave Tochter, bricht aus ihrer Welt aus und amüsiert sich mit einer Freundin für eine Nacht. Leider geraten die beiden Mädchen dabei an die Russenmafia und die Freundin wird erschossen. Dies beobachtet Elizabeth und flieht. Von da an lebt sie unter falschen Identitäten und permanent auf der Flucht. 

Im Roman springt man dann auf 12 Jahre später - wo sie sich in einem kleinem Ort in Arkansas niedergelassen hat und versteckt lebt. Zufällig verliebt sich der Ortssheriff in sie und stellt ihr solange nach, bis sie sich erweichen lässt. Diese Geschichte hat nicht nur ihre Längen sondern auch fürchterliche Klischees. Ich habe teilweise sehr schnell geblättert...

Zum Showdown muß es natürlich am Ende noch kommen - leider ist der recht kurz und vorhersehbar.

Die Buchidee ist sehr gut, die Umsetzung im Mittelteil leider etwas langatmig, deswegen nur als Urlaubslektüre empfehlenswert.

Dienstag, 26. Mai 2015

Kristina Ohlsson: Aschenputtel

Ein für Eltern erst mal besonders gruseliger Beginn: ein Zug fährt mit dem Kind ab, während Ihre Mutter am Bahnhof aufgehalten wird...am Endbahnhof wird das Kind dann entführt.

Was wie eine Zufallstat und "günstige" Gelegenheit aussieht, ist in Wahrheit eine ganz gezielte Entführung dieses Kindes. Weitere Grausamkeiten folgen...und am Ende erfolgt das spektakuläre Aufspüren des Täters.

Dabei ist dem Leser (leider) schon etwas eher klar, was die verschiedenen Opfer verbindet. Man möchte quasi die Polizisten rütteln und auf das naheliegende Verweisen. Hier ist die Schwäche des Thrillers - es wird viel über die verschiedenen Polizisten und deren Positionen geschrieben.

Trotzdem fand ich es spannend und interessantes Thema. Ich empfehle den Thriller als Urlaubslektüre :-)