Freitag, 2. Oktober 2015

Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood

Nach dem Hoeg mußte es einfach wieder ein schöner Roman zum Weglesen sein, in dem man sich in eine andere Zeit und Welt vertiefen kann und mit der Heldin mitfiebern kann. Claire Winters Roman "Die Schestern von Sherwood" ist so ein solcher Roman, den man kaum aus der Hand legen möchte. 

Im Roman gibt es zwei Erzählebenen/Zeiten: einmal die Familiengeschichte von Amalia im englischen Dartmoor im ausgehenden 19. Jahrhundert und zum anderen die Geschichte von Melinda, einer jungen Frau in Berlin der Nachkriegszeit 1948. Wie fast nicht anders zu erwarten, wird gegen Ende des Buches eine Verbindung zwischen diesen Personen entstehen. Der Leser ahnt davon schon sehr früh, wird aber erfolgreich hingehalten, da immer kleine Ungereimtheiten bleiben. Diese werden im Laufe der Geschichte aus verschiedenen Perspektiven aber aufgelöst.

Amalia wächst zusammen mit ihrer Schwester Cathleen in sehr wohlhabenden aber nicht adligen Verhältnissen in England auf. Die Eltern haben sich ihren Reichtum erarbeitet und werden von der feinen Gesellschaft dafür aber verachtet. Sie gehören einfach nicht dazu, was vor allem ihre Mutter Elisabeth sehr ärgert und sie versucht alles, um anerkannt zu werden. Im frühen Alter erkrankt Amalia an Scharlach und wird in folge dessen taub. Sie wird zum Makel der Familie und immer mehr versteckt. Alles konzentriert sich auf Cathleen und das diese eine gute Partie zum Heiraten findet. Im Laufe des Buches wird vor allem durch die Mutter Amalia viel Böses angetan und die Familie zerbricht an den Lügen und Intrigen. 

Melinda wiederrum ist nach dem Krieg Vollwaise und möchte Journalistin werden. Ihr wird ein anonymes Päckchen zugesandt mit Liebesbriefen und einer Schachfigur. Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf die Familie von Amalia und deren ganze Geschichte wird so langsam aufgerollt und entfaltet.

Auch wenn man sich die Geschichte schon frühzeitig denken kann, ist sie doch nicht langweilig und durchaus temporeich. Der Leser wird von Anfang bis Ende gefesselt. Die Wendungen, Überraschungen und Begebenheiten sind nicht unrealistisch, sondern durch aus glaubhaft und lassen einen immer weiter mitfiebern.

Ich habe das Buch verschlungen und kann es für die jetzt kommenden Wintermonate für ein kaltes Wochenende mit Tee & Buch auf dem Sofa ohne Frage empfehlen.

Peter Hoeg: Der Susan Effekt

Peter Hoegs neuer Thriller ist vor allem erstmal eines: ein typischer, klassischer und perfekter Hoeg-Roman. Man braucht etwas Muße, um durchzuhalten und alle Zusammenhänge zu verstehen. Spannend ist er aber ohne Frage und ich bin begeistert.

Die Hauptfigur Susan hat eine Eigenart, alle zum Reden zu bringen. Die Menschen verspüren sofort Zutrauen zu er Physikerin und vertrauen ihr alles Mögliche an, so dass sie für die Wissenschaft und Politik durchaus eine interessante Persönlichkeit ist.  

Zusammen mit ihrer dänischen Familie erlebt Susan am Anfang des Buches einen wahren Albtraum in Indien: Der Vater brennt mit einer 17jährigen Maharadscha-Tochter durch, Susan kommt wegen versuchten Totschlags ins indische Gefängnis, ihr Sohn ebenso wegen versuchten Antiquitätenschmuggel und die Tochter brennt mit einem Priester durch. 

Um ihre Familie und sich zu retten, wird Susan aufgefordert, in Dänemark ein Protokoll der letzten Sitzung einer Geheimgesellschaft zu besorgen. Diese Organisation nennt sich Zukunfskommision und macht Vorhersagen zu politischen und wirtschaftlichen Ereignissen. Susan kennt einige Mitglieder davon wie sich herausstellt und besucht nacheinander diese. Sie versucht, an dieses Protokoll zu bekommen und erlebt dabei jede Menge Morde, überraschende Wendungen - und am Ende im großen Finale auch noch die Überraschung, wer hinter all dem steckt.

In dem Buch gibt es jede Menge abstruses, komisches, ernstes, gruseliges - eine Mischung aus allem eben. Die Hauptfigur Susan blieb mir völlig unsympathisch. Ein Mitfiebern fand nicht statt, aber der Spannungsbogen ist gut, so dass man auf jeden Fall dran bleibt bis zum Schluss.

Für mich eine klare Leseempfehlung!

Sigrun Roßmanith: Sind Frauen die besseren Mörder? Spektakuläre Fälle einer Gerichtspsychiaterin

Ich bin bei diesem Buch etwas gespalten, was die Leseempfehlung betrifft. Frau Roßmanith gibt gleich am Anfang die Anwort auf die Frage und überaschenderweise lautet diese einfach Ja. Frauen sind ihrer Meinung nach die besseren Mörder - nicht, weil sie es geschickter anstellen, weniger "erwischt" werden oder so - sondern weil sie aus moralisch ansprechenderen Gründen morden. Wer also Schlimmes in der Kindheit erlebt hat, der darf dann auch morden. Sehr merkwürdiger Ansatz. Sicherlich ist mir klar, worauf die Autorin heraus will, aber die angesammelten Beispiele lassen einen als Leser eher nicht mitfühlen und die Frage nach den Opfern wird ganz ausgeklammert. Die Geschichten aus der Praxis sind durchaus interessant zu lesen, die Schreibweise ist sehr einfach gehalten, so dass man schnell durch ist. Wissenschaftlich belegte Theorien gibt es leider viel zu wenig wieder und einen höheren Anspruch als Unterhaltung bietet das Buch daher nicht. Man kann es lesen, muss man aber nicht - und kaufen schon gar nicht.


Montag, 14. September 2015

Tanja Dusy: 1 Salat- 50 Dressings. Würzig, cremig, herrlich frisch.

Ich gebe ja zu, dass ich Kochbücher viel mehr liebe als Kochen an sich. Ich bleibe regelmäßig an den Kochbüchern hängen. Sei es nur der Sonderangebots Haufen am Eingang der Buchhandlung oder auch das eigentliche Regal der Kochbüchr. Ich könnte stundenlang darin blättern und mich inspirieren lassen. Dementsprechend gibt es bei mir daheim auch das ein oder andere Kochbuch. Das momentan Gute ist, dass es regelrecht eine Schwämme an Veganen Kochbüchern gibt. Diese interessieren mich Null, da diese Ernährungsform für mich und meine Familie zu radikal ist. Daher ist meine Kaufwut bezüglich Kochbücher ganz gut in den Griff zu bekommen :-) 

Nicht destro trotz gibt es einige schöne Kochbücher in meinem Schrank, die ich Euch auch nach und nach vorstellt möchte. Beginnend mit dem neusten Zugang: 1 Salat - 50 Dressings.

Mein Problem bei Salat ist immer wieder, dass mir nur Standarddressings einfallen oder gar die schnelle Kräutertüte von Knorr nur angerührt wird. Das das auch besser gehen muß, leuchtete mir schon lange ein und so schaute ich mir die Salatshaker mit aufgedruckten Rezepten an. Dort gab es aber so viele negative Kritiken, dass ich mich nicht so recht für einen entscheiden konnte. Gleichzeitig wurde mir aber immer wieder eingeblendet, dass ich ja auch ein Buch erwerben könnte über Dressings. Nachdem die Bewertungen recht unterschiedlich ausfielen, habe ich mir erstmal selbst ein Bild in der Buchhandlung gemacht und es für "Mitnahmenswert" beurteilt. 

Gleich das erste Dressing - eine Kräutervinaigrette - hat uns sensationell gut geschmeckt. Das Buch ist sehr schön aufgebaut, enthält ein paar grundlegende Informationen über Salate und Öle, am Ende Ideen, wie man Öle selbst herstellen kann und dazwischen eben jene 50 verschiedenen Dressings. Bei einigen Dressings werden komplette Rezepte mit Salaten vorgestellt und bei anderen nur das reine Dressing mit der Empfehlung, für welche Salate diese passend sein könnten. Wie bei den GU Kochbüchern fast immer, sind die Fotos natürlich wunderbar erstellt und machen sofort beim Ansehen Appetit.

Ein klein wenig Kritik kann man eventuell der Zutatenliste einiger Dressings zukommen lassen. Diese sind schon recht ausgefallen, so dass man diese gezielt kaufen muß. Ein spontanes Salat zubereiten ist daher nur mit einigen Rezepten möglich. In der Regel suche ich mir aber vorher die interessantesten Rezepte heraus, koche diese einmal und entscheide dann, ob diese ins Repertoire aufgenommen werden. Wenn dies so ist, dann sind die Zutaten im Hause bzw. kommen regelmäßig auf die Einkaufsliste, wenn Salat ansteht. GU hat dafür auch eine App zum Buch bei der man eine Einkaufsliste erstellen kann. Ich habe die nicht getestet, ich schreibe noch ganz traditionell Einkaufszettel. 

Ich bin sehr begeistert von den Dressingideen und finde dies mal ein wirklich gelungenes kleines Büchlein. Empfehlenswert für alle Blattsalate-Fans, die auch mal eine andere Note an ihrem Salat haben möchten als nur Essig/Öl Dressing.

Martin Wehrle: König Arsch. Mein Leben als Kunde- der ganz normale Wahnsinn.

Die Auflage, die ich gelesen habe, ist schon von 2012. Trotzdem sind die die Erlebnisse, die Martnin Wehrle beschreibt noch heute aktuell. Viel geändert hat sich also am Servicegedanken in den beschriebenen Bereichen nicht. 
Martin Wehrle erzählt in seinem Buch aus Kundensicht seine eigenen Erlebnisse und Erlebnisse, die in der Presse vorkamen. Dabei geht er vor allem auf die Deutsche Bahn, Supermärkte, Hotels und Onlineshops ein. Alle Geschichten sind kurz, schnell und unterhaltsam zu lesen. Bei vielen denkt man, ja genau, dass ist mir gestern auch so passiert. Bei manchen schüttelt man leider aber genervt den Kopf, weil man sich fragt, in welchem Jahrhundert der Autor lebt.

Ergänzt werden die Geschichten mit Ratschlägen und Hinweisen aus Tricks, die in den Geschäften angewandt werden und auf die der Leser bitte nicht mehr hereinfallen soll. Diese eingeschobenen Hinweise haben mich etwasirritiert, weil es so einen Spagat zwischen unterhaltsamen Geschichten und Ratgeberbuch gibt. Es ist also kein entweder - oder sondern offenbar beides. Das finde ich nicht so gelungen und hätte auch gut ohne diese Ratschläge auskommen können. 

Insgesamt ist es recht humorvoll und unterhaltsam, wenn man von einigen nicht mehr hundertprozentig aktuellen Situationen absieht, kann man das meiste gut nachvollziehen und wenn man es das nächste Mal wieder genauso erlebt, vielleicht sogar Lächelnd an dieses Buch zurückdenken. Für eine kurze Unterhaltung ist diese kleine Ansammlung an Geschichten durchaus lesenswert.

Dienstag, 21. Juli 2015

Isabel Völker: Mein Kind hat deine Läuse

Das Buch wurde von der Zeitschrift Nido hochgejubelt und auch in Auszügen abgedruckt. Da ich den Artikel zufällig gelesen habe und ganz amüsant fand, habe ich das Buch beim letzten Bibliotheksbesuch mitgenommen.

Vornweg: es liest sich schnell und flüssig weg. Aber es strengt auch an gegen Ende, da sich alles irgendwie wiederholt. Als Glosse in einer Zeitschrift oder auf einem Blog sicherlich ganz lustig, als Buch dann doch eher langweilig.

Isabel Völker hat E-Mail-Diskussionen aus Kita bzw. Grundschulen zwischen Eltern aus ganz Deutschland gesammelt und gibt diese auch direkt als E-Mail-Austausch wieder. Dabei werden alle Themen durchgeackert, die man als Eltern eines Kitakindes garantiert auch so oder ähnlich von Elternabenden oder Mailverkehren kennt. Da wird vor den Läusen gewarnt, der Preis vom Essen diskutiert und wie viel Bioessen denn nun sein muß.

Stellenweise ist das Buch sehr witzig und man erkennt sich selbst bzw. die anderen Eltern wieder. Eigentlich schon fast schockierend, über was sich die über-engagierten Eltern streiten und vor allem, dass man nie wirklich zu einer Einigung findet. Für eine lockere Abendlektüre ist es auf alle Fälle geeignet, mehr aber nicht.

Dienstag, 14. Juli 2015

Ingo Siegner: Der kleine Drache Kokosnuss

kommt in die Schule, *und der schwarze Ritter, *im Spukschloß, *bei den Dinosauriern, *und der geheimnissvolle Tempel

Der kleine Drache Kokonuss steht hier gerade ganz oben auf der Vorlesewunschliste. Daher haben wir im letzten Monat tatsächlich mehrere Bücher gelesen. Grundsätzlich sind alle toll und auch für Erwachsene super zu lesen. Man will selbst wissen, wie geht die Geschichte weiter und liest auch freiwillig ganz ohne Kindquengeln noch ein Kapitel. Ein klein wenig "unfertig" erschien mir die Geschichte mit "kommt in die Schule". Die hörte recht abrupt auf. Die Dinosaurier waren für mich auch schwierig vorzulesen, da wir keine Dinosaurier Fans im Hause haben und damit auch die Namen nicht so perfekt kennen. Aber ich habe etwas dazugelernt und die Story um einen T.Rex der Vegetarier ist, ist wirklich niedlich. Zusätzlich regt dies natürlich auch die Diskussion über Essensgewohnheiten an. Bei allen Abenteuern beweist der Drache Kokosnuss viel Mut und kann somit auch als Vorbild für kleine Angsthasen herhalten. Ich finde das durchaus einen schönen Nebeneffekt. Von den Büchern des letzten Monats war "Der kleine Drache Kokosnuss und der geheimnissvolle Tempel" mein Favorit. Wir haben viel über Kalender, die Mayas und den Weltuntergang (oder eben nicht) gelernt und nebenbei mal wieder Urknall und Uhrumstellung diskutiert.