Donnerstag, 14. Januar 2016

Simon Beckett: Flammenbrut

Für mich war es der erste Roman von Simon Beckett, so dass ich keinen Vergleich zu seinen späteren sehr beliebten Büchern der Hunter-Reihe ziehen kann. Flammenbrut ist ein Frühwerk, welches ich in einer überarbeiteten Auflage von 2009 gelesen habe. 
Der Inhalt kurz zusammengefasst: Geschäftsfrau Kate ist auf Sinnsuche in ihrem Leben und findet, dass ein Kind genau das richtige jetzt wäre. Aber das ganze bitte ohne Partnerschaft, denn davon ist sie geheilt, seit sie vor 3 Jahren eine Beziehung zu ihrem damaligen Chef Paul hatte. Sie entscheidet sich daher für eine Samenspende. Eine anonyme Spende möchte sie nicht, deswegen sucht sie per Annonce einen Spender. Lediglich ein Kandidat meldet sich und ist perfekt, so dass sie die Befruchtung vornehmen lässt.
Dass das alles viel zu glatt verläuft und zu schön um wahr zu sein, ist, ahnt der Leser schon früh. Man möchte an mehreren Stellen Kate zurufen: "Nicht!" Die Geschichte insgesamt ist sehr vorhersehbar. Es ist eigentlich für fast jeden - außer Kate - klar, dass der Kandidat sich als jemand anderes ausgibt. Ihre halbherzigen Versuche, ihn zu überprüfen, enden immer in Gutgläubigkeit, die einfach nur anstrengend ist.
Das Buch pendelt immer zwischen Frauenroman mit Beziehungsproblemen und Thriller hin und her. Ein richtiger Thriller ist es meiner Ansicht nach nicht. Die Spannung ist zwar da, aber eben zu vorhersehbar und zu sehr mit unwichtigen Details ausgeschmückt. Oftmals werden Dinge erzählt, die rein gar nichts mit der Handlung zu tun haben - die keinen Sinn darstellen wie das Essen kochen oder welche Lichter Kate in ihrer Wohnung anschaltet. 
Leider für einen Thriller keine Leseempfehlung, für seichten Frauenroman schon eher.


Mittwoch, 6. Januar 2016

Sabine Bohlmann: Die Familienschatzkiste: Bräuche, Rituale, Spiele & Rezepte rund ums Jahr

Sabine Bohlmann hat mit der Familienschatzkiste ein wunderschönes Buch geschaffen mit vielen Anregungen, die einen durch das ganze Jahr begleiten können.
Die Aufteilung im Buch ist zunächst grob nach Jahreszeiten. Dies macht durchaus Sinn, da man gezielt für die jeweilige Jahreszeit sich eine Beschäftigung heraussuchen kann. Hierbei werden aber nicht nur Spiele wiedergegeben, sondern sie gibt Anregungen für Rituale, erklärt die Hintergründe von Festtagen und Bräuchen, gibt Bastel- und Rezeptideen. Sozusagen ein Potpourri an Ideen, was man zusammen als Familie anstellen kann. Dabei mischen sich altbekannte Ideen - wie z. Bsp. Blumen sammeln und pressen - mit neuen Ideen wie aus diesen Blumen dann ein gedrucktes Bild mittels Glasscheibe herstellen. 
Viele ihrer Ideen sind mit Aktivitäten für draußen verbunden; Kindern wird damit die Natur im Wechsel der Jahreszeiten wunderbar näher gebracht. Jede Jahreszeit steht eine Top-Ten voran, was man doch idealweise tun könnte: im Frühling den Vögeln beim Singen zuhören, im Sommer auf einem Grashalm pfeifen, im Herbst Drachen steigen lassen und im Winter einen Tag im Pyjama verbringen...
Dieses Buch enthält so viele Kleinigkeiten, Tipps, Ideen und Ratschläge so das man immer wieder etwas neues entdecken kann. Zudem ist es sehr hochwertig gestaltet, fester Umschlag, sehr dickes Papier. Die Bilder und Illustrationen sind gut gewählt, jeder Artikel/Idee ist mit einer Symbolik versehen, so dass man sofort erkennt, woran man ist. Hier gibt es Singen, Nähen/Basteln, Kochen/Backen, Malen, Schreiben, Lesen und Rätsel. 
Dieses Buch will nicht einfach von Seite 1 bis 192 gelesen werden, sondern man kann und sollte es benutzen. Immer wieder reinblättern - man findet garantiert eine sofort umsetzbare Idee, um die Zeit mit der Familie sinnvoll zu verbringen.
Ich finde dieses Buch hebt sich sehr positiv von anderen Beschäftigungsbüchern ab, die meist nur eine Beschäftigung wie Basteln in den Vordergrund stellen. Die Ideen sind ausgewogen, passend und v.a. mit wenigen Mitteln umsetzbar. Die Hintergrundinformationen zu den Jahreszeiten und Bräuchen runden das Buch ab und machen es so besonders. Ganz klare Empfehlung!


Marie Greenwood: Kinder-Weltraumatlas mit Pop-up-Planeten

Der "Kinderweltraumatlas mit Pop-up-Planeten" von Marie Greenwood ist ein schön illustriertes und informatives Kinderbuch. Die erste Klappseite enthält ein Pop-up von Planeten, dass ausreichend stabil ist und sich perfekt einklappen läßt ohne zu Verknicken.
Die verschiedenen Planeten sind sehr gut farbig dargestellt, so dass ein reales Bild vermittelt wird. Die restlichen Seiten sind ohne Pop-up, dafür aber mit Ausziehseiten. Hier muß man ab und zu beim wieder reinschieben mithelfen, da kleinere Kinder das noch nicht so einfach schaffen. Jede Doppelseite ist einem Planeten im Sonnensytsem gewidmet und enthält erstmal nur die wichtigtes Informationen. Das Vorlesen bzw. später selber lesen ist somit kurzweilig. Wenn man mehr Informationen zum einzelnen Planeten möchte und z. Bsp. an ganz genauen Abmaßen interessiert ist, kann man das Zusatzblatt herausziehen, welches für jede Doppelseite vorhanden ist. Somit ist ein kurzes Lesen oder eben ein ausführliches Lesen möglich. 
Die Verarbeitung des Buches ist sehr hochwertig und die Seiten aus dicker Pappe. Inhaltlich würde ich das Buch für Kinder ab 5-6 Jahre ansetzen, für ältere Kinder aber definitiv auch noch sehr interessant. Die farbliche Gestaltung hat mir persönlich sehr gut gefallen und die Texte sind durchweg interessant geschrieben. Dieser Weltraumatlas eignet sich hervorragend, um Interesse am Weltall zu wecken bzw. weltraumbegeisterte Kinder glücklich zu machen.


Dienstag, 5. Januar 2016

Jodi Picoult: Bis ans Ende der Geschichte

Jodi Picoults Roman "Bis ans Ende der Geschichte" ist nichts für schnelle, laue Unterhaltung. Dafür hat dieser Roman zu viel Tiefgang. Er beschäftigt den Leser auch über das Lesen hinaus und läßt einen nur schwer los. 
Im Mittelpunkt steht Sage Singer, welche eine leidenschaftliche Bäckerin ist und nur nachts arbeitet. Sie lernt in der Bäckerei den pensionierten und im Ort sehr geschätzten Josef Weber kennen. Mit ihm freundet sie sich an bis er sie eines Tages bittet, ihm beim Sterben zu helfen, weil er ein Geheimnis hat. Schnell wird schon am Anfang klar, zu welcher Art Geheimnis es gehen wird und worin der Gewissenskonflikt bestehen wird. Sage ist jüdischer Abstammung und Josef Weber heißt in Wahrheit anders und war SS-Offizier in Auschwitz. Er bittet Sage stellvertretend für die von ihn getöteten Juden um Vergebung. 
Mit vielen verschiedenen Erzählebenen und aus unterschiedlichen Sichtweisen wird hier von Jodi Picoult ein heikles Thema intelligent und mit viel Tiefgang beschrieben. Neben der eigentlichen Frage, ob Vergebung in dieser Form möglich ist, wird dem Leser auch das Leben von Sage und ihrer Familie nahe gebracht. Dabei werden Themen wie Ehebruch, Tod, Trauer, Unfall, Schuldgefühle, Freundschaft und letztlich auch Liebe in Einklang gebracht. Die Themen werden logisch miteinander verwoben und bauen aufeinander auf. Die Judenverfolgung wird anschaulich durch die Ich-Erzählung der Großmutter von Sage wiedergegeben. Parallel erzählt Josef seine Geschichte und wie er tun konnte, was er tat. Dem Leser wird dabei keine Vorverurteilung mitgegeben. Er kann selbst entscheiden, für welche Handlung er Verständnis aufbringen kann und welche nicht. Nicht nur einmal fragt man sich, wie man selbst in dieser Situation gehandelt hätte.  
Jodi Picoult läßt ihre Hauptfigur Sage viel reflektieren über die Frage, ob Vergebung möglich ist und ob sie Josef beim Sterben helfen soll. Dies geschieht mit sehr vielen klugen und schönen Worten. Der Leser taucht ganz hinein in die Geschichte und kann dieser auch nach dem Lesen nicht entfliehen. Für mich ein ganz großes Lesehighlight - trotz oder eben wegen des schweren Themas.

Lucy Clarke: Der Sommer, in dem es zu schneien begann

Ein Buch, was ich zunächst nur wegen der optischen Gestaltung und dem lustigen Titel gekauft habe, ist Lucy Clarks "Der Sommer, in dem es zu schneien begann".
Was von der reinen Zusammenfassung auf dem Klappentext nach einem sehr traurigen Liebesroman klingt, entpuppt sich als eine vielschichtige Geschichte rund um Liebe, Geheimnisse und Verrat. Nicht immer sind die Dinge so, wie sie einem zu nächst scheinen.
Hauptperson Eva verliebt sich Hals über Kopf in Jackson und heiratet diesen. Immer wieder bittet sie ihn, zusammen in seine Heimat Tasmanien zu reisen, um seine Heimat und Familie kennenzulernen. Er lehnt das aber ab und erfindet Ausreden. Bereits wenige Monate nach der Hochzeit verstirbt Jackson - er ertrinkt in der rauen See beim Angeln. Eva beschließt daraufhin, nach Tasmanien zu reisen. Sie trifft hier auf Jacksons Vater und Bruder, die zunächst sehr abweisend reagieren. Erst nach und nach kommen sich Eva und Jacksons Bruder näher. Er nimmt sie mit zum Tauchen und Eva erfährt immer mehr Wahrheiten über ihren Ehemann. Sie stellt fest, dass sie einen ganz anderen Mann kannte - etwa einen Lügner? 
Was für mich zunächst nur nach einer traurigen Liebesgeschichte aussah, wird immer teifgründiger und vor allem überraschender. Wahrscheinlich kann auch Eva kaum glauben, was sie alles erfährt und wie es zu dem Unfall am Meer kommen konnte. Man fiebert mit Eva mit und vor allem leidet man mit ihr mit. Das Buch ist fesselnd geschrieben und es liest sich recht schnell. Man möchte einfach des Rätsels Lösung kennen und kann daher das Buch nur schwer aus den Händen legen. Die Landschaftsbeschreibungen von Tasmanien und dem Tauchen runden diesen Roman ab. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen!


Donna Tartt: Distelfink

Mein Lieblingsbuch war viele Jahre der Erstlingsroman "Die geheime Geschichte" von Donna Tartt. Umso trauriger war ich, dass es kein neues Buch gab. Tatsächlich hat sich die Autorin aber einfach nur viel Zeit gelassen (mir kommt spontan Walter Moers in den Sinn bei dem ich ähnlich auf die Fortsetzung fiebere). Nur alle 10 Jahre veröffentlicht Donna Tartt einen Roman.

In den neuen, dritten Roman "Der Distelfink" bin ich zunächst nur schwer rein gekommen. Die Fesselung war irgendwie nicht von Anfang an gegeben. Da hieß es also erstmal durchhalten, was sich aber sehr gelohnt hat. Erzählt wird die Lebensgeschichte von Theodor Decker. Nach der Trennung seiner Eltern lebt Theodor mit seiner Mutter in New York. Eines Tages sind beide auf den Weg zur Schule für eine Besprechung mit Lehrern/Direktor, da Theodor mit einem Freund beim Rauchen auf dem Schulhof gesehen wurde. Auf dem Weg dahin machen Sie einen kurzen Abstecher in eine Kunstausstellung, um einige seltene Bilder anzusehen. Unter anderem auch das Bild "Der Distelfink" von einem niederländischen Maler. Während Theordor sich dieses Bild noch ansieht, geht seine Mutter kurz Richtung Museumsshop. Es erfolgt ein Anschlag auf das Gebäude und die meisten Besucher sterben - so auch Theodors Mutter. Er kann leicht verletzt "fliehen" und nimmt dabei das Gemälde vom Distelfink an sich. Dieses Bild wird ihn vortan begleiten auf seinem Weg - von Pflegefamilie, seinem Vater in LasVegas, bei seiner Arbeit im Antiquitätenladen...Wie sehr dieses Bild sein Leben beeinflussen wird, wird erst im Laufe des gut 1000 Seiten langen Buch klar und es erfolgen einige spannende Wendungen.

Der Leser wird mitgenommen auf eine Reise quer durchs Land und durch die Gefühle von Theodor. Trotz der Dicke des Buches ist es an keiner Stelle langatmig, sondern immer wieder spannend und detailreich. Es gibt lustiges und trauriges, schockierendes aber auch überraschendes. Also eine sehr gute Mischung von allem. Donna Tartt schafft es beeindruckend, einem zu zeigen, wie schnell ein Leben in andere Bahnen geraten kann, vom geraden, langweiligen Weg weg hin zu einem immer kriminelleren Leben. Man fiebert als Leser mit Theodor mit und wünscht sich geradezu, dass ihm Gutes widerfährt. Das Buch ist sicherlich keine leichte Kost, aber leicht und flüssig zu lesen, so dass einem die Dicke nicht abschrecken sollte.



Sonntag, 3. Januar 2016

Lucinda Riley: Die sieben Schwestern

Ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, habe ich das Buch "Die sieben Schwestern" von Lucinda Riley nicht gelesen, sondern gehört. Die Hörbuchvariante ist eine etwas gekürzte Fassung des Romans und kommt daher mit 8 CDs á etwa einer Stunde. Erzählt wirdvon 3 verschiedenen Erzählern, so das eine Unterscheidung der beiden Erzählebenen gut möglich ist.

Die Geschichte von "Die sieben Schwestern"hat Lcuinda Riley geschickt angelegt. Dieses Buch ist der Auftakt zu einer Reihe und womöglich werden bis zu 7 Bücher am Ende erscheinen. Da nicht alle Geheimnisse bzw. Fragen im Buch gelöst werden, wird der Leser auf die Folter gespannt und "soll" möglichst die nächsten Bände auch noch lesen. Momentan gibt es aber bislang nur Band 2 "Die Sturmschwester". Wann die weiteren Bände folgen, ist ungewiss.

Im ersten Band dreht sich alles um die älteste Schwester Maia. Sie wird von der Haushälterin des noblen Anwesens in der Schweiz telefonisch darüber informiert, dass ihr Vater Pa Salt gestorben wäre. Sie eilt nach Hause und informiert ihre 6 Schwestern ebenso. Vor Ort erfährt sie, dass bereits innerhalb eines Tages eine Seebestattung stattgefunden hat ohne Trauergäste. Dies an sich führt schon zu wilden Spekulationen und Vermutungen - bei den Schwestern und beim Leser. Eine wirkliche Auflösung erfolgt hier aber in Band 1 nicht. Stattdessen hat Pa Salt für jede der Schwestern Hinweise über ihre Herkunft hinterlassen, da alle zu unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Orten/Familien adoptiert wurden. Der Leser kann nun im ersten Band die Suche nach den Eltern von Maia verfolgen, welche diese nach Brasilien führt. Hier findet sie bald ihre mutmaßliche Großmutter und erfährt durch Briefe und Erzählungen die Familiengeschichte. Diese wird als zweite, fast eigenständige Geschichte erzählt. Die Hauptfigur Isabel - genannt Bel - erfüllt dabei alle Klischees, die man sich fast denken kann. Auch die anderen Figuren sind sehr schwarz-weiss gezeichnet. Anfangen vom Vater, der unbedingt in Adelskreise anerkannt werden will als Mann, der sich alles selbst erarbeitet hat; über die böse Schwiegermutter, die Bel nie wirklich traut bis hin zum adeligen Mann, der natürlich häßlich, versoffen und dumm ist. Mir hat diese Geschichte trotz ihrer Klischees aber emotional besser gefallen, da man sich in die Zeit zurück träumen kann und sich durchaus die Zwänge vorstellen kann, unter denen Isabel zu leiden hatte. 
Parallel dazu lernt der Leser Maias Geschichte, das Land Brasilien, geschichtliche Hintergründe zur Christusfigur und zu guter Letzt kennen und es entsteht noch eine Liebesgeschichte. Diesen Teil empfand ich eher als langweilig und zu vorhersehbar. Warum die Figuren auch immer wieder in ihrer Landessprache Ausrufe machen, statt dies zu übersetzen, erschloss sich mir nicht und hat mich auch sehr gestört.
Am Ende sind viele Fragen noch offen, man hat als Leser so den einen oder anderen Verdacht...in einem kleinen Ausblick wird schon etwas von der nächsten Schwester (und damit dem nächsten Band) angedeutet. 
Insgesamt ist der Auftaktroman eine gute Idee, es gibt einige spannende Fragen und Wendungen. Ein Teil wird beantwortet, ein Teil bleibt offen. Die Lebensgeschichte der ältesten Tochter Maia und ihrer Familie ist in sich schlüssig und liest (bzw. bei mir ja hört) sich schnell sowie unterhaltsam. Wenn man über einige vorhersehbare Dinge hinwegsieht, ist es durchaus ein gelungener und unterhaltsamer Frauenroman.