Montag, 18. Januar 2016

David Melling: Die wilden Strolche

Lange Zeit waren "Die wilden Strolche" von David Melling unser Lieblingsbuch. Sowohl die Geschichte als auch die Bilder haben mich begeistert.
Das Buch hat eine schöne Vorlese-Länge und der Text ist witzig geschrieben. Die Geschichte hat ein paar kleinere Flüche und Schimpfwörter. Wer Kinder kennt, weiß, wie diese das lieben, wenn Eltern Sätze wie "Ihr räudigen Trottel" vorlesen. 
Die wilden Strolche sind eine Gruppe von Wölfen, die ihrem Klischee von den störenden, unsauberen und sich nicht benehmenden Tieren alle Ehre machen. Als alle Waldtiere fürein schönes Foto Aufstellung genommen haben, kommen die wilden Strolche wie immer zu spät und das allerschlimmste - sie zerstören das ganze Gruppenbilder. Die anderen Tiere sind daraufhin so sauer, dass sie die Wölfe von all ihren Festen ausschließen. Zunächst ist das den Wölfen egal, aber schon bald merken sie, wie langweilig es doch ohne Freunde ist und sie beschließen, sich besser zu benehmen. Dies muß natürlich geübt werden und so spionieren sie das brave Verhalten der anderen Tiere auf sehr witzige Art und Weise aus. Dieses Ausspionierbild ist für mich das beste Bild im Buch, da man soviel darauf entdecken kann und es einfach sehr witzig ist. Als die Wölfe endlich alles könne, trauen sie sich auch wieder zurück zu den Tieren und werden wieder aufgenommen - nur ganz so glatt geht das nicht, dann es wird Vollmond...
Viele witzige Bilder und Details, eine lustige Geschichte über das gute Benehmen und die versteckte Moral machen dieses Buch zu einem wahren Schatz und einer Kaufempfehlung für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren. 

William Joyce: Die fliegenden Bücher des Mister Morris Lessmore

Wer Bücher liebt, wird dieses (Kinder-) Buch lieben. Die Geschichte ist einfach so wunderbar erzählt, so angenehm gereimt und die Illustrationen so liebenswert, das es mir jedes Mal wieder den Atem nimmt.


Inhaltsbeschreibung vom Buchrücken:"Mister Morris Lessmore liest und schreibt für sein Leben gern. Doch eines Tages wirbelt ein schwerer Sturm seinen geordneten Alltag gehörig durcheinander und Morris landet in einer seltsamen Schwarz-Weiß-Welt...Dort begegnet ihm ein freundlichesWesen, das ihn zu einem farbenfrohen Haus führt. Ein Haus, in dem nur Bücher leben."

Die Geschichte wird mit nur wenigen Worten erzählt, vielmehr erzählen die Bilder. Insofern ist es eher ein Bilderbuch als ein Vorlesebuch. Erstleser können sich an dem großen Text durchaus versuchen. Zielgruppe scheint mir aber fast mehr der vorlesende Erwachsene zu sein als Kinder. Für kleine Kinder ist diese Geschichte zu abstrakt, für den Bücherliebhaber aber genau das richtige. Die Aufmachung und das Format sind hochwertig, so dass der Preis von fast 15 Euro für die recht wenigen Seiten durchaus gerechtfertigt ist.



Ingo Siegner: Eliot und Isabella und das Geheimnis des Leuchtturms

Neben dem kleinen Drachen Kokosnuss hat Ingo Siegner auch noch eine andere Romanreihe. In der Hauptrolle dieser Romane steht der kleine Rattenjunge Eliot und seine Rattenfreundin Isabella. Diese erleben unterschiedlichste Abenteuer.
In "Eliot und Isabella und das Geheimnis des Leuchtturms" macht sich Eliot in den Ferien mit seinen Eltern auf Reisen. Lust hat er dazu schon mal keine, denn es geht auf die langweilige Insel Ratzekoog. Mit schlechter Laune macht sich Eliot mit seinen Eltern im Zug auf die Reise. Doch schon bald hellt sich seine Stimmung auf - denn auch seine Freundin Isabella ist an Bord. Wie der Zufall es will, ebenso auf den Weg nach Ratzekoog. Es beginnt eine Zeit der kleinen und großen Abenteuer. Mit einer Freundin machen eben die Ferien viel mehr Spaß und so erkunden die beiden die Insel. Nicht lange und schon treffen sie auf Bocky Bockwurst und seine Bande. Was die nun ausgerechnet auch noch auf der Insel zusuchen haben und was es mit dem Gespenst im Leuchtturm auf sich hat, erzählt Siegner in seiner gewohnt witzigen, fröhlichen Art. Kleine wie große Leser fiebern mit bei der Rettung des Pinguins Rakete und beim Austricksen von Bocky Bockwurst. 
Die Kapitel sind im Schnitt sechs Seiten lang, wobei die Schrift recht groß gedruckt ist und so von Leseanfängern ebenso probiert werden kann. Vor allem ist es aber einVorlesebuch mit witzigen Illustrationen von Ingo Siegner, welches einiges Vergnügen bereitet und man auch gern mehr als ein Kapitel vorliest. Die Geschichte ist spannend, unterhaltsam und vor allem kindgerecht. Das Buch ist der dritte Band der Eliot und Isabella-Reihe, aber man versteht die Erzählung auch ohne die vorangegangenen Bücher zu kennen. Ein für mich weitere Pluspunkt ist tatsächlich, dass die Bücher mal kein Hardcovereinband haben wie fast alle Kinderbücher, sondern Softcover. Dadurch kommen diese Bücher öfters mal mit auf Reisen, sie sind einfach die leichtesten.

Andreas H. Schmachtl: Snöfrid aus dem Wiesental. Die ganz und gar unglaubliche Rettung von Nordland

Ein weiteres Buch von Andreas H. Schmachtl in meinem Kinderbuchschrank ist die Geschichte vom Snöfrid. Wieder sind die Illustrationen ebenso vom Autor und ähnlich denen der Tilda Apfelkern-Reihe. Die Aufmachung des Buches ist wertig, mit Stoffbuchrücken, dickem Papier und Lesebändchen.
Snöfrid ist ein kleines Kerlchen, das in einer Höhle lebt und am liebsten seine Ruhe hat. Diese wird aber auf einmal empfindlich gestört, denn mitten in der Nacht stehen bei ihm drei Feenmännlein, die ihn um Hilfe bitten bei der Rettung der Prinzession Gunilla. Diese wurde entführt und verschleppt. Snöfrid ist es zwar gar nicht recht, aber wenn er nun mal der Ausgewählte zur Rettung ist, dann muss er losziehen. Dies tut er und erlebt natürlich jede Menge Abenteuer. Von realistischen Tieren bis hin zu Fabelwesen ist alles dabei.Und immer auch das kleine Gemecker, dass er ja eigentlich nur seine Ruhe will. Redseelig ist Snöfrid nicht. Am liebsten macht er nur "Hmpf". Der Autor erläutert dann immer, was er wohl gemeint haben könnte. 
Das Buch ist mit 235 Seiten schon ein sehr langes Buch für Kinder, wobei die einzelnen Kapitel zwischen 6 und 7 Seiten haben. Jedem Kapitel steht eine kleine Zusammenfassung voran, die beschreibt, was passieren wird. Alle Kapitel bauen aufeinander auf und manche enden so spannend, dass man gleich noch ein Kapitel vorliest. Die Länge der Kapitel ist aber wieder ideal für den Abend und man findet in die Geschichte immer wieder rein. Die Ideen und Erlebnisse von Snöfrid sind lustig, fantasievoll und abenteuerlich. Das Ende durchaus überraschend und lohnt daher das Durchhalten. Neben der Geschichte sind es einmal mehr auch die Illustrationen, die dieses Buch zu einem echten kleinen Schatz unter den Kinderbüchern macht.

Ralf Rothmann: Im Frühling sterben

Ralf Rothmann ist mit "Im Frühling sterben" ein bewegender und überzeugender Antikriegsroman gelungen. Jeder Satz ist wohl überlegt und treffend. 
Der Autor beginnt seine Geschichte mit einer Beschreibung des Vaters Walter 30 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Der Vater hat hart gearbeitet im Bergwerk, war nie krank, hatte keine Freunde und wirklich Freude schien er auch nie zu haben. Warum das so ist, wird im Laufe der Geschichte klar. Erzählt wird die Geschichte zweier Freunde, gerade 17 Jahre alt und als Melker auf einem Hof in Norddeutschland. Kurz vor Ende des Krieges 1945 werden beide noch zwangsrekrutiert, erhalten eine kurze Ausbildung und werden nach Ungarn an die Front geschickt. Walter hat es dabei vermeindlich besser, er darf einen LKW fahren, während sein Freund Fiete an die Front muß. Die beiden Freunde haben klar verteilte Rollen - während Walter vernünftig ist und folgt, beschäftigt sich Fiete schon früh mit dem Gedanken der Flucht. Obwohl Walter ihm es mehrfach erfolgreich ausredet, versucht es Fiete eines Tages doch und wird erwischt. Er wird zum Tode verurteilt und ausgerechnet Walter soll ihn mit anderen Kameraden erschießen. Die Gewissensfrage nagt sehr an Walter und wird letztlich sein ganz Leben beeinflussen.
Die Situation ist fast unvorstellbar und lässt den Leser mitleiden. Die Frage, wie man selbst in dieser Situation gehandelt hätte, steht unausgesprochen im Raum. Die ganze Lage im letzten Kriegsjahr in Ungarn, wo viele schon ausgebrannt sind, das Ende des Krieges quasi schon in der Luft liegt, beschreibt Rothmann mit sehr klaren Bildern und macht die Situation für den Leser lebendig. Der Wahnsinn, dass junge Männer in den Krieg getrieben werden, beschreibt er nüchtern und das macht den Leser gleichzeitig so fassungslos. 
Ein Roman mit keinem Wort zuviel, Stil und klarer Aussage. Absolut lesenswert.



Andreas H. Schmachtl: Tilda Apfelkern. Die Freunde vom Heckenrosenweg

Tilda Apfelkern ist eine kleine Maus, die ihr Häuschen am Heckenrosenweg gleich am Fußes des Kirchturms hat. Ihre Freunde sind der etwas muffelige Rupert, die im Postladen wohnende Molly und viele andere kleine Mäuse, Eichhörnchen, Kaninchen, Vögel und Igel. In ihren Geschichten erlebt Tilda fast jeden Tag eine neue Überraschung. So fliegt sie mit einem Heißluftballon, entdeckt einen Leuchtturm, babysittet eine ganze Entenschar, richtet ihr Haus neu ein und rettet Molly aus einer verzwickten Lage. 
Alle Geschichten sind dabei immer fröhlich und positiv formuliert. Die Spannung ist wohl dosiert und es gibt keine Gruselmomente. In Tildas Welt ist alles in Ordnung, schön und lässt sich alles lösen. Am Ende sitzen alle fröhlich Tee trinkend bei ihr. Allen Geschichten ist eines gemeinsam - es wird betont, wie wichtig Freunde sind und wie hilfreich. Ohne ihre Freunde wäre es für Tilda nur halb so schön auf der Welt.
Andreas H. Schmachtl hat sowohl die Texte geschrieben als auch die Illustrationen gezeichnet. Die Geschichten (Kapitel) sind zwischen 4 und 6 Seiten lang, also eine ideale Guten-Nacht-Geschichten Länge. Die Geschichten sind meist in sich abgeschlossen und bauen nur selten direkt aufeinander auf, so dass man immer wieder gut hereinfindet. Die Illustrationen sind großzügig, auf fast jeder Seite findet sich eine Kleinigkeit, aber es gibt auch ganze Seiten mit einem Bild. Dabei sind die Bilder sehr liebvoll gezeichnet, mit kleinen Details und wirklich schön anzusehen. 
Die Verarbeitung des Buches ist sehr stabil und hochwertig. Der Buchrücken ist mit Stoff bespannt, so dass viele Lesestunden möglich sind. Einband ist mit Pappe, die einzelnen Seiten sehr stabiles Papier. Ein Lesebändchen ist auch vorhanden, farblich perfekt passend zum Buchrücken.
Für mich ist dieses Buch einfach süß. Die Bilder sind liebevoll, die Texte zum Schmunzeln schön und sie lassen einen so manchen Ärger vom Tage gut vergessen. Ich lese es sehr gern vor - aber der kleine Wehrmutstropfen kommt: mein Sohn mag es nicht wirklich. Vielleicht sind die Themen etwas zu sehr Frauen-/Mädchenlastig (Einrichten vom Haus z. Bsp.), aber ich bin ja kein Freund von Klischeees :-) Und ab und zu darf ich es vorlesen, weil er sich freut, wenn ich mich freue. Tja - quasi alle glücklich wie bei Tilda...

Donnerstag, 14. Januar 2016

Andy Weir: Der Marsianer: Rettet Mark Watney

Andy Weirs Roman "Der Marsianer: Rettet Mark Watney" greift ein Horrorszenario auf, welches so noch nicht geschehen kann, aber man sich trotzdem sehr gut vorstellen kann. Der Astronaut Mark Watney wird von seinen Astronautenkollegen auf den Mars vergessen. Was zunächst unglaublich klingt, erklärt sich schon nach wenigen Seiten. Während eines Sandsturms wird Mark Watney von herumfliegenden Teilen getroffen und bleibt bewußtlos liegen. Die anderen Astronauten retten sich zunächst zum Raumfahrzeug zurück. Dort prüfen sie die Werte, die der Raumanzug von Mark sendet und entscheiden schweren Herzens, dass er nicht zu retten ist und retten sich zunächst erstmal selbst, in dem sie die Mission abbrechen und vom Mars wegfliegen.
So unglaublich das nun klingt, habe ich erwartet, dass Mark völlig auf sich gestellt ist und auch nichts mehr auf dem Mars hat. Das das keinen Sinn ergibt, ist mir nach dem Lesen nun auch klar. Es gibt nämlich in diesem Roman auf dem Mars eine Raumstation, die mit allerhand Technik ausgestattet ist und in die er sich zunächst - wieder erwacht und doch noch gesund und munter - flüchtet. Die nächsten 400 Seiten beschäftigen sich damit, wie er über 2 Jahre überlebt, an der Technik rumbastelt und welche Pläne er macht. Leider kommt dabei die  psychologische Komponente viel zu kurz. Ich hatte erwartet, mehr von den Problemen der Einsamkeit und Isolation zu lesen. Mark ist über lange Zeit komplett von jeglicher Kommunikation abgetrennt und ihm droht zudem der Hungertod. Das alles scheint er aber gelassen zu nehmen. Gut finde ich, dass er wenigstens ab und zu ironisch seine sehr schlechte Lage kommentiert. Hier bleibt es aber leider bei sehr oberflächlichigen Kommentaren. Im Gegensatz dazu wird in aller Ausführlichkeit die technische Seite beschrieben. Wen schon immer interessiert hat, welche Geräte alles so eine Raumstation hat und wie die funktionieren, wird in diesem Roman sehr gut bedient. Einige der technischen Probleme bzw. deren Lösung wiederholen sich aber. Dies macht den ganzen Roman um die Rettung von Mark leider sehr langatmig. Manche Seiten mit technischen Lösungen kann getrost überblättern und trotzdem der Handlung noch folgen. 
Ich habe den Roman trotzdem verschlungen, da man ja nun mal wissen will, ob und wie er gerettet wird. Meine Erwartungen bezüglich der psychologischen Seite dieses Unglücks wurden dabei aber leider nicht erfüllt. Eine interessante, technisch ausführliche Story ist es aber allemal.